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TV-Duell: Werben mit Jugendsünden und „blauer Republik“

Norbert Hofer (L.) und Alexander Van der Bellen (R.) vor der Sendung
Norbert Hofer (L.) und Alexander Van der Bellen (R.) vor der SendungAPA/HERBERT P. OCZERET
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Die Kandidaten Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen zeigen sich auf Puls 4 als Präsidenten für alle und liefern sich doch eine angriffige Debatte.

Wien. Wenn sich an einem strahlend schönen Maisonntag politische Schlachtenbummler auf einem Parkplatz in Wien Erdberg treffen, wenn Menschen – bewacht von einem beachtlichen Polizeiaufgebot – Schlange stehen, um sich in ein kühles Fernsehstudio zu setzen, dann ist der Wahlkampf um die Präsidentschaft in der heißen Phase. Auf der einen Seite gut ein Dutzend Wahlhelfer, eine Combo improvisiert umgetextete „Seiler und Speer“-Lieder: „Soits lebn“ wird zu „Van der Bellen wählen“. Auf der anderen Seite wird schon zusammengepackt und der Boden gekehrt – nur für die Fotografen rollen die Wahlhelfer in Blau ihre Transparente wieder aus. Wenig später sind Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen eingetroffen, um „Das Duell“ aufzuzeichnen. Gesendet wurde es am Sonntagabend in Puls 4.

Die beiden gaben sich dann – zu Beginn zumindest – wenig in Duell-Laune. Vordergründig. „Über mein Gegenüber sage ich nichts Schlechtes“, so Hofer auf die Publikumsfrage, was für Van der Bellen spreche – und sagte dann gar nichts über diesen. Van der Bellen hielt das übrigens genauso. Lieber boten sich beide der vielzitierten „Mitte“ an: Er wolle Präsident für alle Österreicher sein (Hofer). Er stehe für alle, die keine „blaue Republik“ wollten, das sei die Mehrheit, so Van der Bellen, der sogleich diverse Unterstützer, von Franz Fischler bis Hans Peter Haselsteiner aufzählte. „Sie haben die Hautevolee hinter sich, ich die Menschen“, kontert Hofer.

Entschuldigung, wir leben in Europa. Auch wenn sich das noch nicht bis zur FPÖ durchgesprochen hat.

Alexander Van der Bellen zu Norbert Hofer

Der überhaupt angriffig wurde: Er warf Van der Bellen dessen wechselnde Unterstützung für Parteien, KPÖ, SPÖ, dann Grüne, vor. (Van der Bellen: „Haben Sie mit 20 keine Fehler gemacht?“ Hofer: „Wenige.“ Van der Bellen: „Man sagt ja, wer als Junger keine Fehler macht, kann kein anständiger Mensch werden.“) Genauso wie er Van der Bellen dessen proklamierte Unabhängigkeit vorhielt, wie auch die frühere Unterstützung für das TTIP-Abkommen, das nun beide vehement ablehnen, oder, dass sich dessen „Freunde“ aus Brüssel oder Berlin in den Wahlkampf einmischen würden. „Entschuldigung, wir leben in Europa. Auch wenn sich das noch nicht bis zur FPÖ durchgesprochen hat“, kontert Van der Bellen und kritisiert im Gegenzug die Nähe der FPÖ zu AfD oder Front National. Wer „Freunde wie Marine Le Pen“ habe oder die EU ablehne, dem würde Van der Bellen keinen Regierungsbildungsauftrag erteilen, bekräftigt er. Der einzige Punkt, in dem er die traditionelle Auslegung des Präsidentenamtes in der Zweiten Republik nicht fortführen würde. Das sei kein „Spleen“, sondern liege an der Ablehnung der EU durch die FPÖ und deren wirtschaftlichen Folgen. Würde er bei einer absoluten FPÖ-Mehrheit Neuwahlen ausrufen? „2018 holt die FPÖ die Absolute, und die Donau hat kein Wasser mehr. Ich bitte Sie“, antwortet er Corinna Milborn.

Hofer führt seine Pläne zur Auslegung des Amtes so aus, dass er die Regierung, „wenn Österreich weiter leidet“, zu sich berufen und, wenn sich nichts ändert, möglicherweise entlassen würde. Wahlentscheidungen würde er aber akzeptieren und gegebenenfalls einem Grünen den Regierungsauftrag erteilen. „Herr Hofer hat in den letzten Tagen so viel Kreide gegessen, auch wenn man ihm das nicht ansieht“, meint Van der Bellen zu solchen Aussagen. Dieser schenkt ihm wenig. „Haben Sie zu viel Kaffee getrunken?“, so Hofer, als sein Kontrahent – es ging um direkte Demokratie – sagte, „im Übrigen werden Sie eh nicht Präsident.“ In der Pause führen die beiden tatsächlich Small Talk über Kaffee- und Red-Bull-Konsum. Und stimmen dann in anderen Punkten überein: Dass sie Auslandsreisen zu Gunsten der Wirtschaft anlegen würden. Oder bei ihrer kritischen Sicht des EU-Türkei-Deals.

Sie haben die Hautevolee hinter sich, ich die Menschen.

Norbert Hofer zu Alexander Van der Bellen

Bei anderen Themen wird es kontrovers: Hofer will die Russland-Sanktionen auslaufen lassen, Van der Bellen nicht. Hofer will Asylberechtigten die Mindestsicherung streichen, Van der Bellen will „nicht bei den Ärmsten sparen“. Beim Thema Südtirol sind sich die beiden hingegen fast einig. „Ich glaube ja, Strache hat sich nur für die Wiedervereinigung ausgesprochen, damit Sie das dementieren können. Weil ich immer sage, Sie sind Straches verlängerter Arm. Und ich glaube, das sind Sie“, so Van der Bellen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 9. Mai 2016)