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Budapest reagiert mit Häme

(c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)

Ungarische Medien bezeichnen Werner Faymann als „ungeeignet“.

Budapest. Mit Häme haben Ungarns Medien auf den Rücktritt von Bundeskanzler Werner Faymann reagiert. Der „zum Führen ungeeignetste Kanzler“, den Österreich je hatte, nannte ihn die regierungsnahe Zeitung „Magyar Idok“. Im „Land der Funktionäre“ habe er nicht einmal als „Hausmeister“ getaugt und auf die „denkbar unwürdigste Weise“ seinen Job hingeschmissen.

Faymanns Scheitern sei aber nur ein Vorspiel dessen, was auf Europa zukomme, denn „viele Länder Europas werden von solchen Hausmeistern geführt“, die keine eigenen Ideen hätten und nur geeignet seien, den Hof mehr schlecht als recht zu kehren. „Alles Gute, Herr Faymann“ titelte – auf Deutsch – die rechtskonservative „Magyar Hírlap“. Die Außenpolitikchefin des Blatts, Mariann Ory, argumentiert, dass Faymann letztlich an Ungarn gescheitert sei: Weil Ministerpräsident Viktor Orbán einen politischen Stimmungsumschwung weit über Ungarn hinaus ausgelöst habe. So habe FPÖ-Kandidat Norbert Hofer die erste Runde der Präsidentenwahlen nicht zuletzt deshalb gewonnen, weil er offen gesagt habe: „Wir wollen einen Grenzzaun bauen wie Ungarn.“ Faymann hingegen habe den Fehler begangen, Ungarn und seine Flüchtlingspolitik zu beleidigen und in Nazi-Verdacht zu stellen.

Die den ungarischen Sozialisten nahestehende Zeitung „Népszava“ schrieb, das Problem für die SPÖ sei weit größer als nur Faymann: Die SPÖ müsse klären, ob sie dem „Populismus nachgeben oder ihren linken Werten treu bleiben“ wolle.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.05.2016)