Immer ein Anblick zum Fürchten: Ramsay Bolton

„Game of Thrones“: Verrat oder Verschwörung?

Eine Szene in der jüngsten Folge „Oathbreaker“ regt zu Spekulationen an: Steckt mehr dahinter, als es den Anschein hat? Darauf gibt es einige Hinweise.

Spoiler-Warnung: In diesem Episodenblog wird die Handlung der bereits ausgestrahlten "Game of Thrones"-Folge verraten.

 

Die Szene am Ende der dritten Folge der sechsten „Game of Thrones“-Staffel war ein – unerwarteter – Schocker, der mich beschäftigt. Jon „Smalljon“ Umber, einer der mächtigen Lords des Nordens, präsentiert in „Oathbreaker“ dem frisch zum Lord aufgestiegenen Ramsay Bolton in Winterfell den jüngsten Sproß der Familie Stark auf dem Silbertablett: Rickon. Als Beweis dafür, dass es sich tatsächlich um den gesuchten Stark-Buben handelt, zieht er auch noch den abgeschnittenen Kopf von Rickons Direwolf Dhaggydog aus der Tasche. „Welcome home Lord Stark“, sagt Bolton. Wie zynisch. Fans der Serie haben schon lange gehofft, Rickon, seinen Direwolf Shaggydog und seine Beschützerin, die Wildlingsfrau Osha wiederzusehen. Mit dieser Rückkehr hat aber wohl niemand gerechnet. Ist Rickon jetzt verloren? Mitnichten, glaubt man einer Fan-Theorie, die gerade die Runde macht und für die tatsächlich einiges spricht. Diese besagt, dass Smalljon Umber die Starks keineswegs verraten hat, sondern dass eine Verschwörung im Norden im Gange ist – eine gegen den neuen „Warden of the North“, Ramsay Bolton. Bei der erstbesten Gelegenheit werde der „Bastard of Bolton“, so heißt es in der sogenannten „Shaggydog-Truther“-Theorie, um die Ecke gebracht werden.

Osha, Smalljon Umber und Rickon Stark
Osha, Smalljon Umber und Rickon Stark(c) HBO

Aber was spricht für diese Theorie – und was dagegen?

  • Die Figur Smalljon Umber: Die Umbers gelten als extrem loyal gegenüber den Starks. Das weiß auch Ramsay Bolton, der Smalljon darauf anspricht. Dessen Vater Greatjon war immerhin der erste, der Robb Stark die Treue schwor, als dieser beschloss, in den Krieg zu ziehen. Aber Smalljon hielt nicht viel von seinem Vater. Sagt jedenfalls Smalljon.
  • Smalljon Umber kniet nicht nieder. Er tätigt keinen Treueschwur. Er weigert sich schlicht. Seine Erklärung, wieso er das nicht tut, ist dürftig.
  • Umbers Argumentation für seinen Verrat: Bolton solle ihm mit seiner Armee helfen, die Wildlinge davon abzuhalten, seine Lande zu plündern. Erstens haben wir von Raubzügen der Wildlinge bislang nichts gehört oder gesehen, und zweitens sind große Teile des Nordens unbewohnt. Sind die Wildlinge dort wirklich eine Gefahr für die Bevölkerung? Wir wissen es nicht, aber ich bezweifle es. Denn der Großteil, so glaube ich, ist immer noch in der Nähe der Wall.
  • Die Bücher: Es gibt eine ähnliche Verschwörung in der Romanvorlage von George R. R. Martin. Hier ist es nicht Umber, sondern der fette Lord Wyman Manderly, der – mutmaßlich, das wird nur angedeutet – Rickon versteckt (ich sage nur „Frey Pie“). In der Serie mag man diese Figur eingespart haben und ihre Aufgaben in der Handlung Umber übertragen haben. Ebenfalls in Winterfell ist – mit Wissen von Jon Snow – der in den Büchern noch lebendige Mance Rayder mit einer Truppe weiblicher Kämpfer, den Spear Wives. Die Aufgaben der Spear Wives könnte Osha übernehmen, die für die Stark-Buben, das wissen wir aus vergangenen Folgen, alles tut. So schlief sie etwa mit Theon, um Bran und Rickon aus der besetzten Burg Winterfell zu schmuggeln.
  • Der als Shaggydog präsentierte Kopf ist zu klein für einen Direwolf. Vergleicht man den Kopf mit dem von Robbs Wolf Grey Wind, der nach dem Tod seines Herren abgeschnitten und auf Robbs Körper genäht wurde, wirkt er tatsächlich etwas mickrig. Dabei ist der schwarze Shaggydog alles andere als zart – in den Büchern wird er als mächtig und wild beschrieben.
  • Der Zeitpunkt. Smalljon Umber dürfte Rickon und Osha seit Staffel drei verstecken. In der Folge „The Rains of Castamere“ (die mit der Red Wedding) bricht Osha zu deren Burg The Last Hearth auf. Bran schickt die beiden dorthin – weil er den Umbers vertraut, wie sein Vater das getan hat. Warum bringt Smalljon die beiden genau jetzt nach Winterfell? Erstens braucht Ramsay nach Sansas Flucht einen Stark – und das weiß Umber. Zweitens, und das ist meiner Meinung nach entscheidend, ist Roose Bolton tot. Roose hätte sich wohl nicht täuschen lassen, er war ein schlauer Stratege, Ramsay möglicherweise schon. Aber das ist ein Spiel mit dem Feuer.
  • Umber bringt Rickon in Gefahr. Das ist definitiv ein Minuspunkt. Ramsay Bolton ist unberechenbar und grausam, das hat er oft genug bewiesen. Dass er einen Stark einfach tötet, ist unwahrscheinlich. Nicht aber, dass er ihm ein paar Gliedmaßen abschneidet oder sonst irgendwie quält. Wobei ich glaube, dass Rickon sich durchaus wehren kann – auch Osha kann mit Waffen umgehen.
  • „Rains of Castamere“. Im Abspann wird das beliebte Lied über Tywin Lannister gespielt. Zur Erinnerung: Es handelt davon, wie sich die Familie Reign gegen die Lannisters erhob und von Tywin ausgelöscht wurde. Das mag ein Hinweis auf das Schicksal der Familien Karstark oder Bolton sein – oder aber als Hinweis darauf, dass auch Rickon verraten wird. Wie sein Bruder Robb in der „Rains of Castamere“-Episode.
  • Rickon dürfte als Lockvogel für Jon Snow dienen. Ebenfalls ein Minuspunkt. Wenn Jon noch eine Motivation braucht um – wie er es schon in der der ersten Staffel nur zu gerne getan hätte – nach Winterfell zu gehen, dann, dass sein kleiner Bruder dort gefangen ist. Aber was passiert, wenn Jon versucht, seine Heimatburg zurückzuerobern? Und was hat Umber davon? Denn die Wahrscheinlichkeit, dass Jon – wie Stannis Baratheon – scheitert, ist durchaus gegeben.
  • Der Norden vergisst nicht. Vor allem nicht den kaltblütigen Mord an ihrem „King in the North“, Robb Stark. Wie heißt es in der Serie? "The North remembers".

 

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