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Warum das SMSen am Steuer so gefährlich ist

Symbolbild.
Symbolbild.(c) Stanislav Jenis
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Ein „sechster Sinn“, der bei anderem Stress aushilft, wird lahmgelegt.

Die Unfallzahlen auf den Straßen steigen, bei den Autos liegt als Ursache „Ablenkung/Unachtsamkeit“ mit 34 Prozent weit vorn. Das ist eine breite Kategorie, das Anzünden einer Zigarette fällt ebenso hinein wie das Hantieren mit dem Handy: Zwar ist das Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung verboten, aber das Lesen bzw. Verfassen von Texten geht frei, dank einer Gesetzeslücke. Zwar ist diese durch das Parlament geschlossen, aber das Verbot noch nicht im Gesetzesblatt.

Und wenn es demnächst dort ist, wird das nicht viel helfen: 130.000 Telefonierer wurden 2015 erwischt, Millionen nicht: Laut VCÖ greift die Polizei nur einen von 2500 Handysündern. Vielleicht hilft doch die Einsicht, und bei ihr könnte die Wissenschaft helfen, etwa diejenige, die Ionas Pavlidis an der University of Houston betreibt: Er lud Testpersonen ins Labor und platzierte sie vor einem Automobilsimulator: Sie fuhren auf einem Highway mit unterschiedlich stressendem Verkehr.

Dann setzte Pavlidis sie unter zusätzlichen Stress, in drei Varianten: Einmal geriet das Gehirn unter Druck (durch mathematische Aufgaben), einmal die Emotion (durch sehr persönliche Fragen), einmal wurde die Sensomotorik ins Spiel gebracht: Die Probanden sollten SMSen. Das schlug durch: Zwar lenkten auch intellektueller und emotionaler Stress ab, aber das Gehirn steuerte gegen bzw. ließ die Hände es tun. Die Probanden korrigierten jedes Abweichen von der richtigen Spur automatisch. Beim SMSen taten sie das nicht, die sensomotorische Ablenkung schaltet im Gehirn einen „sechsten Sinn“ aus, er sitzt im anterioren cingulären Cortex (ACC) und ist für Problemlösen und für Fehlerkorrektur zuständig (Scientific Reports, 12. 5.). „Wenn beim Lenken die Gedanken schweifen oder die Emotionen in einem kochen, hält der sechste Sinn zumindest insofern sicher, als er die Spur halten lässt“, schließt Pavlidis: „Das Texten richtet in dieser Instanz ein Chaos an.“ (jl)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2016)