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Geldwäsche: Banken werfen 100.000 Kunden hinaus

(c) REUTERS (KAI PFAFFENBACH)
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Die strengeren Geldwäscheregeln zeigen erstmals Wirkung: Deutsche Bank, Barclays und UBS kündigen ihren Investmentkunden.

Frankfurt. Die strengeren Geldwäscheregeln zeigen erstmals Wirkung: Einem Bericht der „Financial Times“ zufolge will die Deutsche Bank etwa die Hälfte ihrer rund 65.000 Geschäftspartner im Investmentbanking loswerden. Die Bank wolle sich in diesem Bereich künftig auf gut 30.000 Kunden konzentrieren, die sie gut kennt und mit denen sie auch regelmäßig Geschäfte macht, schrieb das Blatt. Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte die Zahlen auf Anfrage am Donnerstag nicht kommentieren.

 

Zu riskant oder zu unwichtig

Auch die britische Großbank Barclays hat sich bereits von 35.000 Kunden – großteils Karteileichen – getrennt. Die Schweizer UBS kündigte ähnliche Schritte an. Dass die internationalen Großbanken plötzlich wählerisch werden, hat zwei Gründe: Entweder die Kunden erscheinen unter den neuen Geldwäschebestimmungen als zu riskant. Oder aber sie bringen angesichts der regulatorischen Rahmenbedingungen einfach nicht mehr genug Gewinn. So hat etwa die Schweizer UBS bei einer Überprüfung ihrer Kundendateien im Investmentbanking festgestellt, dass rund 60 Prozent von ihnen kein oder kaum noch Geschäft mit ihr machten.

John Cryan, Vorstandschef der Deutschen Bank, hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, die Kundenbasis radikal ausdünnen zu wollen. Er hatte betont, dass die Bank rund 80 Prozent ihrer Erträge im Investmentbanking mit nur 30 Prozent ihrer Kunden erwirtschafte. Seine Strategie sieht vor, dass sich die Bank künftig stärker auf besonders profitables Geschäft konzentriert, auch wenn das zulasten der Gesamteinnahmen geht.

 

Banken verlieren Einnahmen

Die Tatsache, dass die Banken beinahe die Hälfte ihrer Kunden loswerden wollen, könnte bei einigen Investoren allerdings Anlass zur Sorge geben, dass deren Einnahmen schneller als die Kosten fallen werden. Der Umsatz der Deutschen Bank fiel im ersten Quartal um mehr als ein Fünftel auf 2,3 Milliarden Euro. Das Institut verschärft seine Compliance-Regeln, nachdem etliche Fehlgriffe – wie etwa die Manipulation des Libor-Zinssatzes – bekannt geworden sind. (ag./auer)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2016)