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Schmied: „Das war kein optimales Krisenmanagement“

(c) APA (Günter R. Artinger)
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Markus Hinterhäuser leitet 2010/11 interimistisch die Salzburger Festspiele. Erklärungsversuche aus Salzburg und Wien.

Die Turbulenzen in der Führung der Salzburger Festspiele zur Eröffnung am Wochenende sind vorläufig beigelegt. Es drohte ein Interregnum: Der jetzige Intendant Jürgen Flimm beendet seinen Vertrag vorzeitig, Ende September 2010 – der designierte Intendant Alexander Pereira kann wegen seines Engagements an der Zürcher Oper aber erst im Oktober 2011 nach Salzburg kommen. Montag verlautbarte dazu Gerbert Schwaighofer, kaufmännischer Direktor des Festivals, dass er schon Ende 2010 aufhöre. Das Festspielkuratorium (dominiert von Vertretern der Politik von Stadt, Land und Bund) musste rasch handeln und machte Konzertchef Markus Hinterhäuser, der sich im Frühjahr vergeblich um die Intendanz beworben hatte, zum Interimschef. Der „Presse“ erläuterten Hinterhäuser, Schwaighofer und Kulturministerin Claudia Schmied (SP) die Situation.

Die Entscheidung des Kuratoriums sei jedenfalls zu akzeptieren, sagte Schmied, die noch am Tag zuvor gegen die Interimslösung plädiert hatte – der aber ihre Entsandte im Kuratorium, Vorsitzende Wilhelmine Goldmann, dann zustimmte. Kommentar der Ministerin zur Verwirrung: „Das war sicher kein optimales Sitzungsmanagement.“ Sie wolle das aber nicht über die Medien bewerten: „Überlassen wir die Bühne den Künstlern. Ich freue mich, dass Hinterhäuser so professionell agiert hat.“ Der Konzertchef ist ab sofort dem Direktorium kooptiert und ab 1. Oktober 2010 für ein Jahr Intendant: „Ich habe Verantwortung zu übernehmen“, sagte er. „Offensichtlich hat es mit Schwaighofers Abgang einen Erosionsprozess gegeben. Man muss die Dinge nun bis Oktober 2011 professionell und mit Dignität zu Ende führen. Dass dies durch mich, also aus dem Haus heraus geschieht, ist die richtige Entscheidung.“

Dennoch bleibe sein Beschluss, zu gehen, wenn Pereira im Oktober 2011 den Dienst antrete. „Ich werde dem neuen Intendanten sicher bei der Vorbereitung helfen, weil ich prinzipiell für eine kollegiale Situation bin. Deshalb bin ich auch sicher, dass Flimm mir helfen wird.“

 

Schwaighofer warnt vor Änderungen

Schwaighofer, der Pereira die Chance geben will, das Budget 2012 selbst zu bestimmen, ist ebenfalls um Schadensbegrenzung bemüht: „Ich wollte meine Entscheidung erst im Herbst bekannt geben, das wäre wohl besser für das Haus gewesen. Doch dann war mir wichtig, dass das Kuratorium vor seiner Entscheidung am Montag wusste, woran es ist. Denn es muss ein zweites Mitglied im Direktorium geben, die Statuten schreiben das vor.“ Für Schwaighofer wäre auch der direkte Übergang von Flimm zu Pereira denkbar gewesen, die Zuständigkeit hätte aber klar sein müssen: Es sei unlogisch, dass Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (SP) eine Doppelfunktion Flimms in Salzburg und Berlin (er wird dort 2010 Staatsopernchef) ablehnte, die von Pereira in Zürich und Salzburg aber nicht: „Man kann nicht Flimm als Ehebrecher hinstellen und Pereira zum Ehebruch anstiften.“ Schwaighofer betonte, wie umfangreich die Arbeit des kaufmännischen Direktors sei, und warnte vor geplanten Änderungen: „Streicht man diese Position und verkleinert das Direktorium von drei auf zwei Personen, dann besteht die Gefahr, dass die verbleibenden Mitglieder überfordert sein werden.“ Die Ministerin hingegen ist für ein Zweierdirektorium. Schmied: „Das ist eine gute, längerfristige Lösung.“ norb

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.07.2009)