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Karrieristin zwischen Rot und Schwarz

INTERVIEW HAMMERSCHMID
APA/HERBERT NEUBAUER
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Sonja Hammerschmid, die Rektorin der Veterinärmedizinischen Universität, hat ihr Ziel erreicht und wird Bildungsministerin. Ein schneller Wechsel, aber keine Überraschung.

Sonja Hammerschmid hat ihr Ziel erreicht: Die Rektorin der Veterinärmedizinischen Universität hat die Seiten gewechselt und ist als Bildungsministerin in der Politik angelangt - und das nach nicht einmal einem halben Jahr an der Spitze der Universitätenkonferenz (Uniko).

Ein schneller Wechsel, aber trotzdem keine Überraschung. Denn aus ihren politischen Ambitionen hat Hammerschmid nie einen Hehl gemacht. Sie bot sich der Politik sogar ziemlich offensiv an. Schon bei ihrem ersten Fernsehinterview in ihrer Funktion als Rektorenchefin bekundete sie politisches Interesse. Ob daraus etwas werde, müsse man die Parteien fragen, sagte sie damals.

Nun hat sich die SPÖ für sie entschieden. Dabei wurde sie sogar schon einmal als mögliche ÖVP-Politikerin gehandelt. Als Reinhold Mitterlehner im Sommer 2014 die Volkspartei von Michael Spindelegger übernahm, war Hammerschmid kurzzeitig als Forschungsstaatssekretärin im Gespräch. Es scheint, als spiele die politische Farbenlehre hier nicht die entscheidende Rolle.

Tatsächlich ist Hammerschmid weder klassisch rot und noch weniger klassisch schwarz. In schulpolitischen Themen dürfte sie auf SPÖ-Linie sein. Sie wurde von ihrer eigenen Kindheit geprägt. Hammerschmid ist als Arbeiterkind im oberösterreichischen Mühlviertel aufgewachsen und hat dort, wie sie selbst sagt, die Gesamtschule (in der örtlichen Volks- bzw. Hauptschule) gelebt. Nur so sei sie zur "statistischen Ausreißerin", vom Arbeiterkind zur Rektorin geworden.

Ihre hochschulpolitischen Positionen waren wiederum nur wenig sozialdemokratisch: Sie ist eine Befürworterin von Zugangsbeschränkungen und kann sich auch Studiengebühren durchaus vorstellen. An ihrer eigenen Uni hat sie - als das kurzzeitig gesetzlich möglich war - sogar autonom welche eingehoben. Das könnte eine Chance für die Auflösung bildungspolitischer Pattsituationen zwischen SPÖ und ÖVP sein. 

Auf Twitter kursierte übrigens schon wenige Minuten nach Bekanntwerden der Rochade ein Mail von Hammerschmid, in dem sie sich von den Studierenden und Mitarbeiter an der Vetmed-Uni Wien verabschiedete. Sollte das bislang unbestätigte Mail tatsächlich von Hammerschmid selbst verfasst worden sein, dann dürfte die "Wehmut" von der sie schreibt, wohl nicht ganz so groß sein und die Freude über den Karrieresprung doch überwiegen.

E-Mails an: julia.neuhauser@diepresse.com