Laut Angaben der Nationalbank gestaltet sich die Kreditversorgung für österreichische Unternehmen weiter schwierig. Vor allem große Firmen klagen über immer höhere Hürden.
Wien. Die Banken haben ihre Kreditkonditionen für Firmen trotz der anhaltenden Krise weiter verschärft. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Mittwoch veröffentlichte Studie der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Demnach haben die Institute die Richtlinien für die Vergabe von Darlehen im zweiten Quartal weiter leicht angezogen.
Begründet wurde dies mit den pessimistischen Konjunkturaussichten, aber auch mit branchen- und firmenspezifischen Faktoren. Laut OeNB haben die Banken von den Firmen zusätzliche Sicherheiten verlangt, auch die Zusatz- und Nebenvereinbarungen seien für die Kreditnehmer ungünstiger gestaltet worden. Gestiegen sind auch die Risikoaufschläge. Große Unternehmen waren stärker von den strengeren Richtlinien betroffen als kleinere Firmen, langfristige Kredite unterlagen strengeren Auflagen als kurzfristige. „Im Privatkundengeschäft waren die Effekte deutlich weniger spürbar“, heißt es in der OeNB-Umfrage.
EZB sieht positive Signale
Vor allem der Übergang zu den neuen Eigenkapitalvorschriften (Basel II), wonach die Banken mehr Kapital für Firmen mit schlechter Bonität hinterlegen müssen, habe zur Verschärfung der Kreditkonditionen beigetragen. Für das dritte Quartal rechnen die befragten Institute mit abermals leicht restriktiver werdenden Standards.
Die Nationalbanken im Euroraum erheben viermal jährlich auf Anweisung der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt, wie sich das Kreditgeschäft entwickelt. Den Fragebogen bekommen 118 Großbanken im Euroraum, darunter fünf aus Österreich. Seit Ausbruch der Finanzkrise wird diesen Daten ein sehr hoher Stellenwert eingeräumt. Anders als die OeNB sieht die EZB schon positive Signale: Von den 118 befragten Instituten hätte bloß ein Fünftel angegeben, die Konditionen im zweiten Quartal 2009 angezogen zu haben. Im ersten Quartal waren es noch 43 Prozent. Im dritten Quartal wollen laut EZB nur zwölf Prozent der Banken ihre Standards verschärfen.
Nicht ganz so optimistisch äußert sich dagegen das Ifo-Institut in München. Demnach stöhnen in Deutschland immer mehr Firmen über die hohen Hürden bei der Kreditvergabe. Im Juli nannten 45,1 Prozent der 4000 vom Ifo befragten Unternehmen aus der gewerblichen Wirtschaft die Vergabepraxis der Banken restriktiv. Im Vormonat waren es nur 42,4 Prozent. Das Ifo-Institut nennt die massiven Eigenkapitalverluste mancher Geldhäuser im Zuge der Finanzkrise als Grund für die strengeren Richtlinien. „Die Gefahr, dass der erhoffte Aufschwung durch eine Unterkapitalisierung des Bankensystems behindert wird, ist gewachsen“, warnt das Institut. Bei großen Unternehmen kritisieren immerhin 53,6 Prozent die Vergabepraxis der Banken. Bei den mittelgroßen Betrieben sind es 43,8 Prozent.
Ralf Kronberger, Leiter der Abteilung für Finanz- und Handelspolitik in der Wirtschaftskammer (WKÖ), geht davon aus, dass sich die Situation zumindest in Österreich in nächster Zeit entspannen wird. „Langsam beginnen die Maßnahmen des Bankenhilfspakets zu greifen“, so Kronberger zur „Presse“.
Denn die Institute mussten sich verpflichten, der Wirtschaft das Doppelte der Staatshilfe in Form von Krediten zur Verfügung zu stellen. Erste Bank, RZB, Hypo Group Alpe Adria und Volksbanken wurden in den vergangenen Monaten vom Staat mit rund acht Mrd. Euro unterstützt. Bank Austria und Bawag verhandeln noch mit dem Finanzministerium.
Staatshaftungen für Firmen
Zusätzlich stellt der Staat zehn Mrd. Euro an Kredithaftungen für größere Betriebe zur Verfügung. „Die Maßnahme tritt Anfang August in Kraft. Wir gehen davon aus, dass es hier zur einer raschen Umsetzung kommen wird“, so Kronberger. Mitte Juli haben sich bei der Kontrollbank, die für die Abwicklung zuständig ist, schon 80 Firmen für Garantien von vier Mrd. Euro gemeldet.
Die Wirtschaftskammer bemüht sich weiters um eine Lockerung der Regeln für Basel II. WKÖ-Präsident Christoph Leitl fordert etwa, dass die Banken für die Bonitätsprüfungen von Unternehmen ab 2010 nicht nur die Jahresabschlüsse des Vorjahres heranziehen, sondern die Bilanzen der vergangenen drei Jahre.
AUF EINEN BLICK
■Trotz der anhaltenden Krisehaben die Banken die Kreditkonditionen für Firmen weiter verschärft. Laut einer am Mittwoch von der Nationalbank veröffentlichten Studie haben die Institute die Richtlinien für die Vergabe von Darlehen im zweiten Quartal weiter angezogen. Im Privatkundengeschäft waren die Effekte deutlich weniger spürbar.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2009)