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Doping: „Alle Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen“

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IOC-Präsident Thomas Bach macht Druck.APA/AFP/FABRICE COFFRINI
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In einer Telefon-Konferenz nahm IOC-Präsident Thomas Bach Stellung zur Russland-Krise, schloss nach dem Sotschi- und dem Leichtathletik-Skandal finanzielle Sanktionen und die Aussperrung von Olympia nicht mehr aus.

Lausanne/Wien. Ein E-Mail der Presseabteilung des Internationalen Olympischen Komitees versprach am Mittwoch neuen Zündstoff im russischen Dopingskandal. IOC-Präsident Thomas Bach nahm in einer Telefon-Konferenz Stellung zu den aktuellen Vorfällen und Entwicklungen. Er erklärte, dass das IOC 31 Teilnehmer von Peking 2008 überführt habe, nannte aber keine Namen. Sperren sind ihnen gewiss wie denjenigen, „die positive Tests abliefern unter den 250 Proben, die wir von den Spielen in London 2012 jetzt mit neuesten Methoden untersuchen werden.“

Dann sprach der Chef-Olympier, 62, Klartext über Russlands gesperrte Leichtathleten, den Skandal mit 100 manipulierten Urinproben in Sotschi und den drohenden Ausschluss von den Rio-Spielen (ab 5. August). Bach machte Funktionären und Politikern Druck, die Untersuchung der Anti-Doping-Agentur Wada zu unterstützen. Und: er hält einen Ausschluss der Russen nun „für möglich“. Die Leitung der Untersuchung übernimmt der frühere französische Polizist und Interpol-Beamte Mathieu Holz.

Die erste Entscheidung trifft nicht das IOC, sondern die IAAF, der Weltverband der Leichtathleten. Am 17. Juni wird bei einem Meeting in Wien bereits über die Rio-Zulassung entschieden. Schenkt man ersten Tendenzen gut informierter Quellen aber Glauben, wird Russland in Brasilien fehlen. Wäre es denn glaubwürdig, würden Athleten, die ein halbes Jahr von allen internationalen Bewerben ausgesperrt waren, Medaillen gewinnen oder plötzlich Rekorde feiern?

 

Auch US-Behörden ermitteln

Bach mimte dennoch den Diplomaten, er wolle die Wada-Untersuchung abwarten und dann Fakten beurteilen. In einem Punkt legte er sich fest: „Sollte es Hinweise auf organisiertes Doping geben, treffen internationale Verbände und IOC die Entscheidung zwischen kollektiver Verantwortung und individueller Gerechtigkeit. Wir werden alle Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.“

Parallel zu Bachs Erklärung verlautbarte die US-Justiz, Ermittlungen wegen des Verdachts von Staatsdoping und flächendeckendem Betrug aufgenommen zu haben. Nachdem der ehemalige Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors, Grigori Rodschenkow, in Los Angeles lebt und hier ausgesagt hat, sieht sich das FBI dazu berufen, nach der aufgedeckten Korruption im Weltfußballverband nun ebenso im Kampf gegen Doping aktiv zu werden.

Dieser Einsatz hat aber auch einen finanziellen Antrieb. US-Ermittlungen sind – das lehrte das Beispiel der Fifa als Rico-Act (Kampf gegen das organisierte Verbrechen) – schon bei geringsten Verbindungen in die Vereinigten Staaten möglich. Etwa wegen Trainingslagern, eines Nebenwohnsitzes, Sponsorgeldern, eines Investments oder wenn Gelder über eine US-Bank geflossen sein sollten. Russland sagte am Mittwoch endgültig „volle Kooperation“ zu . . .

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2016)