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„An diesem Tag muss alles passen“

Hochzeit - Haende mit Ringen
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Eventmanagement. Ob Traumhochzeit, Song Contest oder Hahnenkammrennen: Damit eine Veranstaltung reibungslos abläuft, ist akribische Vorbereitung notwendig.

Die Sonne lacht vom Himmel, die Kirchenglocken läuten. Die Braut ist der Kutsche entstiegen und steht vor dem Kirchenportal. Wer gibt jetzt dem Organisten das Zeichen, dass er beginnen kann? Es sind Details wie dieses, auf die professionelle Hochzeitsplaner achten und das Event damit stressfrei(er) gestalten. Immer mehr Paare legen die Planung ihres „Traumtages“ in die Hände von Wedding Plannern.

Heiraten als Beruf

Grundsätzlich kann jeder das Planen von Hochzeiten zum Beruf machen, dazu ist lediglich der Gewerbeschein „Organisation von Privatveranstaltungen und Messen“ Voraussetzung. „Viele denken sich, sie haben schon einmal mitgeholfen, ein Fest zu organisieren, das ist nicht schwer. Aber es steckt viel Erfahrung und Arbeit dahinter“, betont Doris Wallner.

Sie ist hauptberuflich Hochzeitsplanerin und Obfrau des Vereins ausgebildeter österreichischer Hochzeitsplaner. Denn auch im Hintergrund einer Hochzeit muss budgetiert werden und eine funktionierende Logistik stehen, die darüber hinaus geht, einen Zeitpunkt für die Lieferung des Blumenschmucks und der Hochzeitstorte festzusetzen. „Man steht immer an der Front, auch emotional, und man muss immer einen Plan B und C haben“, betont Wallner. Verletzte Pfarrer, kranke Brautväter oder ein kaputter Autobus, der die Gäste nicht zur Kirche bringen kann – alles Eventualitäten, die bei der Planung bedacht werden wollen.

Theoretischen Background für Hochzeitsplaner bietet das Wifi österreichweit: Pannen- und Konfliktmanagement stehen am Wifi Salzburg auf dem Lehrplan, dazu kulturelle Bräuche und Traditionen, und es werden Unternehmensgründung und Businesspläne ebenso behandelt wie Make-up-Fragen und Floristik. Dass das eigene Hochzeitsbusiness sogleich floriere, sei ein Fall für die rosarote Brille, meint Wallner. „Man braucht lang, um davon leben zu können. Viele haben anfangs noch ein anderes Standbein“, erklärt sie.

 

Backstage am Hahnenkamm

„Viele unserer Teilnehmer sind Quereinsteiger im Bereich Eventmanagement und kommen aus den unterschiedlichsten Branchen“, berichtet Elisabeth Rössler, Lehrgangsleiterin bei der ESB Academy Österreichs, die ausschließlich Eventmanager ausbildet. „Die Teilnehmer haben erste praktische Vorerfahrungen und starten den Lehrgang, um ihre Kenntnisse zu professionalisieren.“ 15 Monate dauert der Diplom-Event-Manager-Lehrgang – er umfasst zehn Präsenzseminare und fünf Lehrhefte, deren Inhalte im Selbststudium durchgenommen werden. Eventkonzeption, Finanzen, Catering und Eventtechnik sind einige der Lehrinhalte. „Wir veranstalten die Präsenzseminare immer in angesagten Eventlocations“, erklärt Rössler das Konzept. So gibt es anschließend an das Seminar oft Führungen durch den Veranstaltungsort, um praktisches Know-how mit in den Job nehmen zu können. Während der Ausbildung gibt es auch Backstage-Erlebnisse. „So konnten unsere Teilnehmer sogar hinter die Kulissen des Hahnenkammrennes blicken“, erzählt Rössler. Die Einbindung von sozialen Medien im Eventbereich steht ebenfalls auf dem Lehrplan. „Wie erreiche ich Menschen, die nicht an der Veranstaltung teilnehmen?“ ist die zentrale Fragestellung. Wer noch kein Event organisiert hat, kann in einem dreitägigen Seminar die Grundlagen erwerben, um am Lehrgang teilzunehmen.

Eventmanagement lässt sich auch studieren, etwa an der FH-Kufstein im Bachelor und Master Sport-, Kultur und Veranstaltungsmanagement. Sportverbände, Organisationskomitees von Sportgroßveranstaltungen, Museen oder Messe- und Kongressagenturen sind einige der späteren Arbeitgeber. Im Bachelor sind neben betriebswirtschaftlicher Ausbildung auch Praxisprojekte und ein Berufspraktikum fix im Lehrplan verankert.

Die WU Executive Academy bietet den Universitätslehrgang für Tourismus und Eventmanagement an, für den man Matura oder einschlägige Berufserfahrung braucht. Der Lehrgang ist berufsbegleitend und dauert 18 Monate, in denen Tourismus- und Hospitality-Management ebenso gelehrt werden wie Projektmanagement, Veranstaltungskonzeption, Ablaufplanung und Ergebniskontrolle.

 

Harte Arbeit mit Kreativfaktor

Jünger und zum Großteil unerfahren sind die Studierenden, die bei den Europa-Wirtschaftsschulen Wien (EWS) den Vollzeitlehrgang Business Studies and Event Management besuchen. „Unsere Studierenden kennen Events von der Teilnehmerseite und wechseln durch die Ausbildung hinter den Vorhang“, erklärt Ingeborg Kühling-Garfield, Managing Director der EWS. „Am Anfang gibt es eine Grundausbildung in Betriebswirtschaftslehre, ab dem zweiten Semester wird auf Eventmanagement konkret eingegangen.“ Die meisten Studierenden sind AHS-Absolventen. „Viele sind anfangs der Meinung, dass es beim Eventmanagement in erster Linie um Kreativität geht. Aber wird eine Veranstaltung konkret, sind nur fünf Prozent Kreativität gefragt und 95 Prozent harte Arbeit“, betont auch Kühling-Garfield. Wer von der HAK kommt, kann sich den Betriebswirtschaftsteil anrechnen lassen. Berufsbegleitend wird für Teilnehmer mit mehrjähriger Berufserfahrung der Lehrgang Event-Manager/in angeboten. 14-tägig werden in rund vier Monaten Event- und Projektmanagement, Public Relations, Sponsoring, Budgetierung und Recht gelehrt. „Die Prinzipien der behördlichen Genehmigung zu kennen ist essenziell. Auch Haftungs- und Versicherungsthemen klingen vielleicht sperrig, sind aber wichtige Basics“, so die Expertin.

 

Fremde Bereiche kennen

„Im Eventbereich muss man von vielen Disziplinen eine Ahnung haben“, erklärt Karin Luise Stasny, Lehrgangsleiterin beim Wifi Wien für den Kurs zum diplomierten Eventmanager. „Ich muss kein Techniker sein, aber ich muss die Sprache der Techniker sprechen können, um für meine Eventidee das Equipment zu bekommen, das ich benötige“, führt Stasny ein Beispiel an. Sie betont auch, dass jedes Event einzigartig ist – und für die Durchführung jedes Events gibt es genau eine Chance – egal, ob es drei Wochen, drei Monate oder ein Jahr lang vorbereitet wird. „An diesem Tag muss alles passen“.

Das gilt auch für Hochzeiten, zumal die meisten Paare ja meinen, sie heiraten nur einmal.

AUSBILDUNGEN

Europa-Wirtschaftsschulen Wien (EWS): Business Studies and Event Management (Vollzeit), Event Management – EMA (berufsbegleitend), www.ews-wien.at

ESB-Academy: Berufsbegleitend in Wien und neu ab Herbst in Westösterreich Diplom-Event-Manager-Lehrgang und Event-Manager-Basic-Lehrgang, www.eventmanagementacademy.com

WIFI: Ausbildung zum Diplomierten Eventmanager: www.wifiwien.at

Wedding Planner: Kurse in ganz Österreich: www.wifi.at

WU Executive Academy: Universitätslehrgang Tourismus und Eventmanagement,

https://executiveacademy.at

FH Kufstein: Sport-, Kultur- und Veranstaltungsmanagement (Bachelor und Master), www.fh-kufstein.ac.at

ARGE Bildungsmanagement: Universitätslehrgang „M.A. - Eventmanagement & Eventmarketing“ (berufsbegleitend)
www.bildungsmanagement.ac.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2016)