Armstrong tat es, Lauda auch. Und jetzt Michael Schumacher. Es ist der „Flash, sich noch einmal zu beweisen“, der Stars zurückkehren lässt, sagt Sportpsychologe Amesberger.
Lance Armstrongs Kommentar ließ nicht lange auf sich warten: „Bin so aufgeregt, Michael Schumacher wieder fahren zu sehen. Der Größte aller Zeiten!“, ließ er via „Twitter“ ausrichten. Was es heißt, auf die große Bühne zurückzukehren, das weiß der 37-jährige Texaner spätestens seit dem heurigen Frühjahr. 2005 stieg er nach sieben Siegen bei der Tour de France ab, 2009 trat er bei der „Großen Schleife“ doch wieder in die Pedale. Der angestrebte achte Sieg bei der Tour aber blieb ihm verwehrt, er wurde „nur“ Dritter.
„The Schu goes on“
Siege für Ferrari einzufahren wird für Schumacher schwer. Der Manager des 40-Jährigen, Willi Weber, formulierte: „Das Problem ist die Erwartungshaltung der Menschen. Sie wollen ihn siegen sehen.“ Sein Rennfieber konnte Schumacher zwar in der Internationalen Deutschen Motorrad-Meisterschaft ausleben, sein letzter Formel-1-Grand-Prix datiert aber vom 22.Oktober 2006. Seither haben sich Regeln, Reifen und Technik deutlich verändert. Als Ferrari-Berater verfolgte er zwar alle Entwicklungen, vor seinem ersten Rennen in Valencia am 23.August wird er aber keine Tests absolvieren können. Das verbietet das Reglement. Mehr als ein Probesitzen im F60, den er kein einziges Mal pilotierte, wird nicht drin sein.
Doch alleine die Comeback-Ankündigung begeisterte weltweit. „Die Legende kehrt zurück“, titelte die „Bild-Zeitung“, „The Schu goes on“, die „Sun“ und Italiens Presse lagen auf dem Bauch vor dem „Mythos“ und „Renndämon“.
Der „Independent“ hingegen meinte, Schumacher als Ersatz für den verunfallten Felipe Massa zu holen sei „kein risikoreiches Spiel, sondern ein Reflex“. Und „Die Welt“ warnte: So gut der Altstar der zuletzt am Abgrund stehenden Formel1 stehen würde, der Familienvater riskiere Gesundheit und Ruf. „Und das für fünf Millionen Euro.“
Schumacher selbst, der seit einem Motorradunfall im Februar an Nackenproblemen leidet, präsentiert sich als Ferraris Retter in der Not: „Obwohl das Thema Formel 1 für mich seit Langem und komplett abgeschlossen war, kann ich aus Verbundenheit zum Team diese unglückliche Situation nicht ignorieren.“
Abgesehen von seinen Fans dürfte sein Comeback niemanden so freuen wie die Verantwortlichen von BMW. Diese hatten am Mittwoch den Rückzug des Motorenherstellers aus der Formel 1 angekündigt. Angesichts der Schumacher-Ankündigung wurde die Entscheidung der Bayern zum Randthema.
Schumacher und Armstrong sind nicht die einzigen, die ein Comeback gewagt haben. Niki Lauda kehrte in die Formel 1, Michael Jordan zweimal in den Basketballzirkus zurück. George Foreman, Mike Tyson und Vitali Klitschko boxten sich in ihrer ersten und zweiten Karriere zu Weltmeistertiteln, Monica Seles schlug vor und nach ihrem Comeback zu Grand-Slam-Siegen auf, Dara Torres schwamm davor und danach zu Olympia-Gold.
Ein Comeback gaben auch Mario Lemieux (Eishockey), Mark Spitz und Alexander Popow (Schwimmen), Diego Maradona (Fußball) oder Martina Hingis (Tennis), ehe die beiden Letzteren in die Dopingfalle tappten.
„Noch mal zeigen, wo man steht“
Was aber bewegt die Größen des Sports, als Aktive noch einmal zurückzukehren? Sportpsychologe Günter Amesberger meint, Schumachers Comeback-Zeitpunkt sei ideal: „Es gibt einen Notfall, und er ist fit.“ Er sei eine Art Held. Zudem gebe es für viele den „Flash, noch einmal zu zeigen, wo man steht“, oder den „Reiz auszuprobieren, wie es wäre weiterzumachen“. Mitunter sind auch finanzielle oder mediale Motive ausschlaggebend.
Das Comeback sei auch nicht das Eingeständnis, dass der Rücktritt ein Fehler gewesen sei: „Es wäre fatal, Bedingungen nicht laufend neu einzuschätzen.“
Manchen Sportlern mache erst eine Pause deutlich, wie wichtig ihnen ihr Profileben war. Mitunter sei der Rücktritt so etwas wie der Beginn eines Sabbaticals, sagt Amesberger: „Nach Jahren im Trainings- und Wettkampftrott fehle oft die psychische Spannkraft.“ Ein Ausstieg könne die Monotonie knacken, Perspektiven eröffnen – um die Rückkehr zu wagen.
So dürfte es Felix Gottwald und Janne Ahonen ergangen sein. Der Nordische Kombinierer und der Skispringer steigen diesen Winter wieder in den Wettkampf ein.
Bevor das so weit ist, kehrt Michael Schumacher zurück. Doch der Deutsche ist 2009 nicht der erste Formel-1-Heimkehrer. Vor ihm feierte ein Österreicher – nach dem Markenwechsel von ORF zu Sky – seine Rückkehr: Heinz Prüller...
ZUR PERSON
■Michael Schumacher
wurde am 3. Jänner 1969 geboren. Der Deutsche ist verheiratet (Corinna) und hat zwei Kinder.
■Karrierestationen
Von 1991 bis 2006 bestritt Schu- macher 249 F1-Rennen. Seine Teams: Jordan, Benetton, Ferrari.
■Größte Erfolge
Siebenfacher Weltmeister (94, 95, 00, 01, 02, 03, 04), 91 Rennsiege.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2009)