Asien: Das Jahrhundert der „Tiger und Drachen“

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Asien wird die Krise am schnellsten abschütteln können, erwarten Experten. Österreich exportiert bisher kaum in die Märkte der Zukunft.

Wien (mac). Im Jahr 2050 regiert China die Weltwirtschaft. Die Vereinigten Staaten, heute die weltweit größte Volkswirtschaft, rauft sich mit Indien um den zweiten Rang. Mit Indonesien und Japan liegen zwei weitere asiatische Länder unter den zehn besten Volkswirtschaften. So sieht es zumindest aus, wenn die Berater von PriceWaterhouseCoopers einen Blick in die Kristallkugel werfen.

Erste Anzeichen für den Start von tektonischen Verschiebungen in der Weltwirtschaft lassen sich allerdings schon heute beobachten. Amerikaner, die sich in den letzten Jahrzehnten – befeuert durch billige Kredite – zu den weltgrößten Konsumenten entwickelt haben, fangen plötzlich zu sparen an. Die Folgen sind weltweit zu spüren. So errechnete der „Economist“ etwa, dass ein Prozent mehr Sparquote in den USA rund 500 Mrd. US-Dollar (355,8 Mrd. Euro) weniger Konsum bedeutet – 500 Mrd. Dollar, die ansonsten gerade auch in Länder wie China und Indien geflossen wären.

Lokomotiven China und Indien

Trotz dieses Nachfragerückgangs erwarten Experten, dass sich die asiatischen Länder am schnellsten aus der gegenwärtigen Misere befreien werden. So hat China als weltgrößter Lieferant der vergangenen Jahre immense Devisenreserven angehäuft, von denen die Volksrepublik jetzt zehrt. Den Ausfall der globalen Nachfrage kompensiert das Land mit riesigen Konjunkturprogrammen. Statt Billigspielzeug für den Westen werden jetzt eben 80 Prozent des chinesischen BIP in Straßen und Brücken investiert. Bedarf daran gibt es allemal. Die asiatischen Nachbarstaaten hängen sich so gut es geht an die Lokomotiven China und Indien. Mit unterschiedlichem Erfolg. So hat Japan etwa nach der schwersten Rezession der Nachkriegszeit erst ein 300 Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket schnüren müssen, um wieder auf Wachstumskurs zu kommen. 2010 rechnet der IWF nun mit einem Plus von 1,7 Prozent.

Ohne China und Indien käme ganz Asien laut IWF 2010 nur auf ein mageres Plus von 1,6 Prozent. So erwartet der Kontinent schon heuer, während der Westen in einer tiefen Rezession steckt, plus 3,6 Prozent.

Von dieser Entwicklung sollten heimische Firmen profitieren, findet Walter Koren, Chef der Außenwirtschaftsorganisation der Wirtschaftskammer. Denn Österreich droht, im neuen Gefüge der Weltwirtschaft unter die Räder zu kommen.

16 Prozent Exportminus

In den ersten vier Monaten 2009 sind die heimischen Exporte um 24,6 Prozent eingebrochen. Für das Gesamtjahr erwartet Koren ein Minus von 16 Prozent. Und zum viel gepriesenen asiatischen Markt ist es noch ein weiter Weg. Nur 7,7 Prozent der heimischen Exporte gehen heute in die Region, weitere 2,1 Prozent in den Nahen Osten. Bis 2013, so das Ziel, sollen zumindest 13 Prozent der Exporte in die beiden Märkte gehen. Blickt man auf das Handelsvolumen, ist China als Wirtschaftspartner bereits mit Amerika gleichgezogen. Der Löwenanteil der Waren strömt jedoch von Peking nach Wien. Heimische Exporte sind Mangelware.

Dabei gäbe es großes Potenzial, bekräftigt Martin Glatz, Asienexperte der Wirtschaftskammer. Asien hat gerade bei umweltorientierten Antriebssystemen für Hybrid- oder Elektroautos die Nase vorn. Gute Chancen gebe es in den Bereichen Energie, Umwelttechnik und Infrastruktur.

Europa wird wohl auch künftig der österreichische Heimmarkt bleiben. Doch es gilt, einen guten Platz in der neuen Weltordnung zu finden. Denn, so glaubt Koren: „Es wird das Jahrhundert Asiens.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2009)

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