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Hofer in Israel: ORF-Streit verlagert sich in Chefetage

Das Duell der Kandidaten Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen lief am Donnerstag im ORF.
Das Duell der Kandidaten Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen lief am Donnerstag im ORF.(c) ORF
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ORF-Chef Wrabetz hat Post vom freiheitlichen Stiftungsrat bekommen, der ihm die Unterstützung entziehen könnte. Es geht darum, was Aufgabe des ORF ist - und was nicht.

Die Debatte um die ORF-Berichterstattung zu einem schon länger zurückliegenden Israel-Besuch von Norbert Hofer schlägt Wellen. Und könnte indirekt sogar Einfluss auf die Wahl zum Generaldirektor des ORF haben: Der freiheitliche Stiftungsrat Norbert Steger drohte damit, Sender-Chef Alexander Wrabetz künftig die Unterstützung zu untersagen.

Der Hintergrund: FPÖ-Hofburg-Kandidat Norbert Hofer wurde im TV-Duell am Donnerstagabend im ORF die Aussage eines israelischen Polizeisprechers vorgespielt, derzufolge es jenen Vorfall nicht gegeben habe, den Norbert Hofer während des Wahlkampfs immer wieder geschildert hatte: Er sei bei einem Israel-Besuch im Juli 2014 Zeuge einer Terrorattacke beim Tempelberg geworden, bei der eine bewaffnete Terroristin erschossen worden sei.

Der ORF recherchierte dazu und zeigte dann beim TV-Duell in einem eingespielten Beitrag einen israelischen Polizeisprecher, der erklärte, solch einen Vorfall habe es an besagtem Tag nicht gegeben. Hatte Hofer also gelogen? Er reagierte empört auf den Vorwurf. Wenig später stellte sich freilich heraus, dass doch bei einer Schießerei mit Sicherheitsbehörden eine Frau getroffen worden sei. Allerdings war die jüdische Israelin, die laut Medien-Berichten Mitglied einer radikalen Sekte ist, nicht bewaffnet und hat auch leicht verletzt überlebt.

Mail an Wrabetz: "Nicht die Aufgabe des ORF"

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache postete nun am Samstag ein bereits gestern verfasstes Mail des freiheitlichen Stiftungsrats Steger an Wrabetz, in dem er sich darüber aufregt, dass der ORF versucht habe, eine wahre Behauptung des FPÖ Kandidaten als Lüge darzustellen. Es sei nicht Aufgabe einer Journalistin, sich als moralische Instanz aufzuspielen - "so wie es nicht Aufgabe des ORF ist, irgendeinen Polizisten vor Ort über den Ablauf vor rund 2 Jahren in Israel zu interviewen".

Noch nie in seinem ganzen Leben habe er "eine so üble Manipulation" erlebt, schreibt Steger. Wrabetz fordert er auf, sich bis Freitag 15 Uhr zu äußern: "Sollte diese Stellungnahme gar nicht oder nicht zufriedenstellend erfolgen, kann ich Sie - mit ehrlichem Bedauern - nicht mehr unterstützen." Steger hatte 2011 gegen die Parteilinie der Freiheitlichen für Wrabetz gestimmt und hätte deshalb fast seinen Platz im Stiftungsrat verloren.

Wrabetz' Antwort ist nicht überliefert

Der Zeitpunkt von Wrabetz' Antwort, die ebenfalls von Strache gepostet wurde, ist nicht überliefert. Er weist jedenfalls zurück, dass der ORF versucht habe, Hofer eine Lüge zu unterstellen. Allerdings sei durch die Frage von Moderatorin Ingrid Thurnher der Eindruck entstanden, der FPÖ-Kandidat habe auf ein Ereignis Bezug genommen, das gar nicht stattgefunden habe. Die zwischenzeitlichen Recherchen hätten jedoch klar ergeben, dass es einen "dramatischen Vorfall" gegeben habe, der einen "nachhaltigen Eindruck" bei Hofer hinterlassen habe.

Er bedaure, dass Thurnhers Fragestellung kein vollständiges Recherche-Ergebnis zu Grunde gelegen sei, schreibt Wrabetz und sichert zu, dass die ausrecherchierte Gesamtsicht Gegenstand der Berichterstattung der "Zeit im Bild" sein werde. Tatsächlich wurde gestern Abend ein entsprechender Beitrag gesendet.

 

(APA/Red.)