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Gedenkprojekt: Antisemitismus in sieben Episoden

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Eröffnung der Installation in der Arnezhoferstraße am Sonntagabend. Die Problematik ist der Antisemitismus in Wien – bildlich dargestellt in sieben „Zeitfenstern in die Vergangenheit“.

Wien. Es ist ein Mahnmal, das man im Vorbeieilen beinahe übersieht: Jene sieben, mit weißer Schrift bedruckten Acrylglastafeln, die seit Mittwoch an der Fassade der Arnezhoferstraße 7 angebracht sind. Die Unauffälligkeit des Gedenkprojekts – es erinnert unter anderem an während der NS-Zeit ermordete jüdische Bewohner der Straße im Stuwerviertel – sei beabsichtigt, sagt Projektinitiator Erich Koller: durchsichtige Tafeln als „Metapher für eine Problematik, die man nicht sehen will“.

Die Problematik ist der Antisemitismus in Wien – erzählt am Beispiel des Mikrokosmos Arnezhoferstraße, bildlich dargestellt in, wie Koller sagt, sieben „Zeitfenstern in die Vergangenheit“.

Eine Tafel informiert, dass die Straße im Stuwerviertel 1906 auf Initiative des damaligen Wiener Bürgermeisters Karl Lueger nach dem Pfarrer Johann Ignaz Arnezhofer umbenannt wurde. Jener organisierte im Jahr 1670 die Vertreibung der Juden aus dem zweiten Bezirk, damals bekannt als „Unteres Werd“. Daneben führt eine Scheibe Namen und genauen Wohnort jener 29 jüdischen Bewohner der Straße an, die von den Nazis ermordet wurden. Ein paar Meter weiter steht geschrieben: „Bis dato verweigert die Wiener Stadtregierung die Umbenennung der Arnezhoferstraße.“

Eine Bürgerinitiative fordert ebendas schon seit Längerem – der Bezirk ist dagegen: zu viel Aufwand für die Anrainer, lautet das Argument. Die von Bezirksvorsteher Gerhard Kubik (SPÖ) angekündigte Zusatztafel zum Straßenschild steht noch immer aus. Für Koller ist der Umgang des Bezirks mit dem Thema eine „Farce“. Und Anlass für seine Initiative: „Ich wollte aufzeigen, dass man in Wien einen Antisemiten ehrt.“

 

Hausbewohner einverstanden

Der Architekt – er wohnt selbst in der Arnezhoferstraße 7 –, musste für das Gedenkprojekt die Zustimmung aller Miteigentümer einholen. „Mit der Zeit hab ich sie rumgebracht.“ Die Kosten von rund 1000 Euro finanzierten Sponsoren: die Bezirks-Grünen und – Finanzminister Josef Pröll. Am Sonntag wird die Installation ab 19 Uhr eröffnet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2009)