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Spitzenkoch Meinrad Neunkirchner ist tot

Er war einer der ganz Großen der heimischen Gastroszene. Ein Wildpflanzenfanatiker, ein Autonarr und ein temperamentvolles Original. Ein Nachruf.

Vor ziemlich genau einem Jahr traf das "Schaufenster" ihn für ein Fotoshooting: Meinrad Neunkirchner war in seinem Element, es ging um seine geliebten Wildpflanzen. Er posierte gemeinsam mit seinem langjährigen Lieferanten Fritz Burger für eine Fotostrecke über wildpflanzenaffine Köche und deren Sammler. Meinrad Neunkirchner auf Vogelmiere und Co zu reduzieren würde der Breite seines Könnens allerdings nichts im Geringsten gerecht werden. Der Koch ist in der Wiener, in der österreichischen Gastroszene einer der ganz Großen, einer, der auch französische Klassik beherrschte. Er lernte bei Eckart Witzigmann in der Münchner Aubergine und in der Maison Troisgros, von beiden Stationen wusste er wortreich und mit zwar rückblickender, aber keinesfalls geminderter Begeisterung zu erzählen.

Er bespielte Adressen wie die Spillener Gastwirtschaft bei Stockerau oder, in Wien, den Buddha Club am Gürtel, das Vincent oder, seine letzte, langjährige Station, das Freyenstein. In diesem "Gourmetgasthaus" - so der Titel - mit alter Schank etablierte Meinrad Neunkirchner ein Konzept, um das ihn viele andere Gastronomen beneiden: ein Menü, zehn kleine Gerichte serviert in fünf Tranchen, was kalkulatorisch wie nervlich einfach ist. Im September zog sich Neunkirchner überraschend und sehr plötzlich aus gesundheitlichen Gründen aus dem Business zurück, sein Souschef Jakob Kaineder übernahm. 

Meinrad Neunkirchner, Jahrgang 1962, wird in Erinnerung bleiben.