Autoverfolgungsjagd

Unser neuer bester Freund hier in Washington heißt Živojin, aber weil das für die meisten Amerikaner zungenbruchgefährdend ist, wurde er nach seiner Ankunft aus Belgrad flugs zu „Zee“.

Die amerikanischste aller Transaktionen führte uns zusammen, nämlich der Autokauf beziehungsweise dessen Versuch. Begonnen hat das vor zwei Monaten, als unsere Suche nach einem gebrauchten Vehikel in Zees Autosalon endete. Klar doch, tolle Wahl, hatte er frohlockt, ehe wir uns auf eine halbstündige Irrfahrt durch die Parkgarage begaben. „Unmöglich, peinlich“, ächzte Zee, „der Wagen ist nicht zu finden, bitte kommen Sie nächsten Samstag, dann haben wir ihn!“ Nun, auch an besagtem Samstag fanden fünf Kollegen das Vehikel nicht. Zee, mittlerweile ein Häufchen Selbstzerknirschung, gelobte, den Wagen persönlich an unsere Heimadresse zum Probefahren zu bringen. Dann der Anruf: Die Nockenwelle, die Nockenwelle! Muss man reparieren, Dauer ungewiss. Gestern, fünf Wochen später, riefen wir nach langer Funkstille an. Nein, die Nockenwelle ist's nicht, sondern der Airbag, Takata, Rückrufaktion. In der Zwischenzeit zog der Frühling ein, die Stare auf dem Dach nisten, die Kirschbäume sind verblüht, wir haben die Kette unseres Fahrrads eingefettet. Ein Auto, das hätte schon seine Vorteile. Ach, was soll's. Hätte, hätte, Fahrradkette. (go)

Reaktionen an: oliver.grimm@diepresse.com

(Print-Ausgabe, 27.05.2016)

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