„Immo-Politik“ auf serbisch

Nachdem maskierte Männer nachts Häuser im Belgrader Szeneviertel abgerissen hatten um Platz für ein Milliarden schweres Immo-Projekt zu schaffen, wird demonstriert.

Belgrad. Tausende Belgrader haben am Mittwochabend gegen ein umstrittenes Immobilienprojekt (WirtschaftsBlatt berichtete) im Zentrum der serbischen Hauptstadt demonstriert. Die Demonstranten forderten den Rücktritt von Vertretern der Polizei, der Stadtverwaltung und der Regierung, nachdem am 24. April im Szeneviertel Savamala maskierte Männer nachts mehrere Gebäude abgerissen hatten.
Sie wollten so den Weg für den Bau eines 2,7 Milliarden Euro teuren Immobilienkomplexes freimachen. "Es ist inakzeptabel, dass wir einen Monat nach dem Vorfall nicht wissen, wer für die Gewalt gegen Bürger verantwortlich ist", sagte die Journalistin Vesna Milisavljevic. Berichten zufolge hatten die maskierten Männer, die in Autos ohne Nummernschilder, Passanten gefesselt und ihnen ihre Handys abgenommen. Es gibt sogar den Verdacht, dass ein 58-jähriger Augenzeuge der Aktion verstorben ist.

Milliarden-Projekt

Demonstranten riefen am Mittwoch mit Blick auf den serbischen Ministerpräsidenten Aleksandar Vucic "Vucic Dieb!". Die Proteste wurden von der Gruppe "Ne Davimo Beograd" (Überflutet nicht Belgrad) organisiert, die das von dem Immobilienentwickler Eagle Hill aus Abu Dhabi finanzierte Projekt ablehnt. Geplant ist im Künstler- und Partyviertel Savamala ein 200 Meter hoher Glasturm mit Büros, Wohnungen und Einkaufszentren.

Vucic hat die maskierten Männer als "Idioten" bezeichnet und gesagt, die Häuser hätten am Tag abgerissen werden sollen. Zugleich verteidigte er den Abriss und sagte, er hätte ihm "mit Freude" beigewohnt. Unterstützer des Projekts wie Vucic sagen, es werde ein heruntergekommenes Viertel aufwerten. Gegner kritisieren dagegen einen Mangel an Transparenz und befürchten, dass das Projekt einfachen Bürgern kaum zugutekommen wird.

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