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Keine Panik, die Roboter sind schon da

Ist er nicht süß? Pepper erobert die Herzen weltweit.
Ist er nicht süß? Pepper erobert die Herzen weltweit.(c) Bloomberg (Kiyoshi Ota)
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Sie werden als Heilsbringer, aber auch als der Untergang der Zivilisation gehypt. Mit Industrie 4.0 soll eine neue Zeitrechnung beginnen. Die hat aber schon längst angefangen.

Die Entwickler des humanoiden Roboters Pepper haben alles richtig gemacht. Der kleine, etwa brusthohe Robotoer vereint alle Merkmale des bekannten Kindchenschema in sich. Es überrascht daher auch nicht, dass Pepper überall wo er auftaucht, Erstaunen und ein Lächeln bei den Menschen hervorruft. Spätestens, wenn das glubschäugige Männchen mit aufgemaltem Lächeln beginnt zu reden und zu tanzen, ist der letzte Skeptiker überzeugt, dass Roboter doch super sind.

In Japan rollt Pepper schon länger durch die Läden und steht menschlichen Kunden mit Rat und Tat zur Seite. Vor Kurzem wurde zwischen dem Kreditdienstleister Mastercard und der Fast-Food-Kette Pizza Hut eine Kooperation geschlossen. Im Gegensatz zu den Bestelldisplays bei der großen Burgerkette mit dem unverkennbaren M kann man in Asien künftig seine Bestellungen bei Pepper abgeben und direkt mit, wenn vorhanden, der elektronischen Geldbörse MasterPass bezahlen.

Roboter als Ansprechpartner. Peppers Aufgabe dabei ist nicht nur die Verifikation der Bezahlmethode, sondern auch, den Kunden auf Aktionen hinzuweisen und Empfehlungen abzugeben. Eine ganz normale Interaktion bei einer Bestellung, nur, dass sie eben mit einem 1,20 Meter hohen Roboter geführt wird. Auch auf Aida-Schiffen kommt der Roboter bereits zum Einsatz und soll Reisenden die Orientierung auf den riesigen Dampfern erleichtern.

Besonders im asiatischen Raum zeigte man sich in der Vergangenheit besonders experimentierfreudig mit der neuen, elektronischen Generation an Servicekräften. In Japan gibt es bereits einige Roboterrestaurants, die sich dadurch auszeichnen, dass das gesamte Servicepersonal aus Robotern besteht. Auch in China gab es bereits derartige Testläufe. Doch in der südchinesischen Stadt Guangzhou haben zwei Roboterrestaurants wieder geschlossen und das dritte hat jetzt wieder menschliches Personal. Der Werbeeffekt dürfte zwar groß gewesen sein, aber letztendlich scheinen die Maschinen zu tollpatschig und ungeschickt gewesen sein. Das bedeutet aber nicht das Ende der Roboter, sondern lediglich deren erste Anfänge.

Wehret (nicht) den Anfängen. Oftmals wird Industrie 4.0, also der flächendeckende Einsatz von Maschinen und Robotern, als große Gefahr für die Arbeitswelt, wie man sie bislang kennt, kolportiert. Das ist nur bedingt richtig. Derzeit wird der weltweite Robotermarkt auf 20 Milliarden Dollar geschätzt – mit einer jährlichen Wachstumsrate von zehn Prozent. Das würde das Volumen auf 50 Milliarden Dollar erhöhen. Die Arbeitswelt wird sich ändern, definitiv. Dem Davoser Weltwirtschaftsforum zufolge würden durch Roboter allein in Deutschland 7,1 Millionen Jobs verloren gehen. 2,1 Millionen neue Arbeitsstellen könnten dabei aber geschaffen werden. Eine große Diskrepanz. 2014 veröffentlichte auch die Oxford University eine Studie, die besagt, dass jeder zweite Job von der Automatisierung bedroht ist.

Und Stephen Hawking warnt davor, dass in spätestens 100 Jahren Roboter intelligenter sein würden als Menschen. Bei Google sieht man dieses Szenario bereits für 2029. Immerhin hat eine Maschine einen Menschen bei Go geschlagen. Der Verlierer, Lee Sedol, erklärte in einem Interview, dass er die Züge der Maschine analysiere, um daraus für künftige Wettkämpfe zu lernen. Das neue Zeitalter hat also längst begonnen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.05.2016)