Bundesliga: Frommer Wunsch – Sag Ja zu A

(c) GEPA (Josef Bollwein)
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In der Fußballbundesliga ist eine leichte Trendwende in der Legionärsfrage zu erkennen. Ein Grund dafür ist der »Österreicher-Topf«, der heimische Spieler forciert und Vereine extra entlohnt. Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht.

Erwin Hoffer zeigt es vor: Österreicher sind durchaus begehrte Spieler auf dem internationalen Transfermarkt. Wer Willen, Talent, Können und Durchsetzungsvermögen besitzt, dem stehen alle Türen offen. Selbst wenn er seinen Weg über die österreichische Bundesliga gehen „muss“.

Die seit Jahren kultivierte These, Legionäre würden Nachwuchsspielern in Österreich den Platz wegnehmen, ist zwar großteils richtig, sie hinkt aber auch. Denn schafft es ein Talent nicht, sich in eine Mannschaft zu spielen und den Trainer zu überzeugen, wäre es ohnehin in der Bundesliga falsch aufgehoben. Allerdings, und diese Schwelle gilt es auch heute noch zu überwinden: Manchen Klubs fehlt das nötige Vertrauen in den eigenen Nachwuchs.

Im Profifußball zählt einzig und allein der schnelle Erfolg, den sollen vorwiegend (gute) Legionäre sichern. Es scheint billiger und von geringerem Risiko, einzukaufen und zu feuern anstatt auszubilden. Um es Vereinen „schmackhafter“ zu machen, auf heimische Spieler zu setzen, wurde in der Saison 2004/2005 der sogenannte „Österreicher-Topf“ ins Leben gerufen. Er wird zu über 80 Prozent von der Bundesliga, die dafür 50 Prozent ihrer TV-Gelder zur Verfügung stellt, gespeist, der Rest kommt vom ÖFB.

Klubs, bei denen zwölf Österreicher auf dem Blankett aufscheinen, werden entlohnt. Dabei zählen Minuten von U21-Spielern doppelt. In der vergangenen Saison lukrierte Lask (75 Prozent Österreicher-Anteil) mit knapp 620.000 Euro die höchste Summe aus dem mit fünf Millionen Euro gefüllten Topf, dahinter folgten Rapid (610.000) und Kärnten (593.000). Auch in dieser Spieldauer warten Millionen, zehn Klubs beschäftigen heuer knapp über 70 Legionäre. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, hofft Bundesliga-Vorstand Georg Pangl, „unser Modell brauchte seine Anlaufszeit, aber es funktioniert. Hoffer ist ein Symbol dafür. Aber: Trainer müssen weiterhin jungen Spielern verstärkt ihr Vertrauen schenken.“

Als Arbeitgeber mit den meisten Nichtösterreichern sticht dabei jedoch Salzburg ins Auge. Die Mozartstädter vertrauen in ihrem 25-Mann-Kader auf 18 Legionäre. Der Meister verzichtet damit freiwillig auf diese Einnahmequelle – der Sponsor verfolgt seine eigene Philosophie und ist auf „Zuwendungen“ nicht angewiesen.

Dennoch ist in Österreich eine leichte Trendwende zu erkennen. Zu Beginn der Saison 1994/95, wenige Monate vor dem Bosman-Urteil, standen 33 Ausländer in der Bundesliga unter Vertrag, im Frühjahr 1997 waren es bereits über 60. 1999 stieg die Zahl auf über 80, knackte im Juli 2002 die 90er-Marke und näherte sich ab 2004 der 100er-Grenze. Nur langsam sank diese Zahl, mit 72 im Herbst 2008 waren es dann so wenige Legionäre wie seit rund zehn Jahren nicht mehr. „Hoffer ist jetzt die Spitze“, sagt Pangl. „Aber es gibt noch viel mehr – Drazan, Trimmel, Okotie, Jantscher etc. Früher ist sicher oft ein Legionär auf dem Platz gestanden, obwohl er schlecht gespielt hat. Jetzt ist es anders, das gilt aber auch für junge Österreicher: Ein grader Schuss genügt nicht mehr!“

Es klingt wie ein frommer Wunsch, Österreichs Fußball mit diesem „Topf-Modell“ auf festere Beine stellen zu wollen. Einzelerscheinungen geben zumindest Grund zur Hoffnung, wenngleich weiterhin nur der internationale Erfolg der Klubs und des Nationalteams das Interesse im Ausland wecken. Noch haben Jungkicker und Propheten in Österreich etwas gemein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2009)

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