Schumi is back

Mit der Rückkehr von Michael Schumacher erlebt die Formel 1 einen dringend benötigten Werbeimpuls. Fährt der Rekordchampion seiner Konkurrenz auf Anhieb wieder auf und davon, oder bremsen ihn Button und Vettel aus? Schlagzeilen sind garantiert, so oder so.

Für viele Motorsportfans und aktive Formel-1-Fahrer ist Michael Schumacher die Ikone schlechthin. Er gewann siebenmal die Formel-1-WM, er dominierte diese Liga in seinem Ferrari wie kein anderer. Der Deutsche feierte Seriensiege, wurde bejubelt und löste gleichzeitig aufgrund seiner Fahrweise und seines Auftretens bei Kritikern explosionsartig Wutanfälle aus. Als er 2006 in „Frühpension“ ging, atmete die komplette Szene auf, es durfte immerhin einen neuen Champion geben. Die Formel 1 wollte auch neue Stars, echte Figuren, von denen der Motorsport lebt, hervorbringen. Sie erschienen, verblassten, verglühten oder blieben ebenso unentdeckt wie die Renaissance der Überholmanöver.

Mit der Rückkehr von Michael Schumacher erlebt die Formel 1 einen dringend benötigten Werbeimpuls. Jetzt konzentriert sich das Interesse nicht mehr auf Budgetstreits oder den Kampf um die FIA-Vorherrschaft, sondern auf ihn und die Frage, ob der 40-Jährige auch der nächsten Fahrergeneration auf und davon fahren kann oder durchgereicht wird. Sogar die Meldung, dass die Formel 1 Frieden geschlossen hat mit allen Teams und der neue Vertrag unterschrieben wurde, ging im „Schumi-Theater“ völlig unter.

Jetzt geht es nur noch um Rennen, Poleposition und Sieg. Kann er Button und Vettel abschütteln, sind alle Verlierer der Vergangenheit rehabilitiert, die Stars der Gegenwart bis auf die Knochen blamiert, und Schumacher ist tatsächlich der beste Fahrer aller Zeiten. Bremsen ihn seine Nachfolger aus, bleiben Podestplätze oder achtbare Resultate aus, ist Schumachers Mythos des Unbesiegbaren zerstört. Dann ist er der große Verlierer, der sich mit Saisonende still und leise verabschieden wird.

Die wahren Beweggründe seines Comebacks als Ersatz für Felipe Massa wurden bis dato noch immer nicht bekannt. Geld allein kann es nicht sein, davon hat Schumacher mehr als genug. Als Ferrari-Berater war er immer mit der Szene verbunden, und das lässt Folgendes vermuten: Michael Schumacher hat auf diese Chance gewartet. Er will wissen, ob er noch immer in der Formel 1 gewinnen kann. Weil er daran glaubt, steigt er wieder ein.

Formel-1-Fans kann das nur recht sein. Auch Bernie Ecclestone dürfte frohlocken, denn mit Schumacher steigen schlagartig die Chancen auf neue Investoren. Wer weiß, vielleicht bezahlt ja sogar er Schumis Gage?

markku.datler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2009)

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