Das Bausparen ist eine sichere Anlageform. Dafür müssen die Sparer einige Nachteile in Kauf nehmen. Welche, erklärt »Die Presse am Sonntag«.
Nicht überall, wo „mündelsicher“ draufsteht, ist auch Sicherheit drin. Diese leidvolle Erfahrung mussten viele Anleger machen – und greifen wieder vermehrt zu konservativen Sparprodukten. Das freut vor allem die Bausparkassen, die starke Zuwächse bei den Bausparverträgen vermelden.
Aber: Auch beim Bausparen klaffen Werbung und Wirklichkeit auseinander. Die Sparer sollten beim Bausparen folgende Punkte kritisch betrachten:
• Staatliche Prämie: Bausparen wird vom Staat gefördert. Zahlt man jährlich 1200 Euro ein, gibt es dafür eine zusätzliche Prämie von derzeit 48 Euro, also vier Prozent. Der Prozentsatz der Prämie wird jährlich aufgrund der Sekundärmarktrendite(SMR; Kennzahl für die Verzinsung mittelfristiger Geldanlagen) neu festgelegt. Er kann im nächsten Jahr höher oder auch geringer sein.
Der Prämienförderung für Bausparer durch den Staat stehen allerdings Steuereinnahmen durch die 25-prozentige Kapitalertragsteuer (KESt) für alle Sparformen gegenüber.
• Hohe Zinssätze: Die Bausparkassen locken mit hohen Zinssätzen. Die sBausparkasse bietet bei ihrem Produkt „Plus-Bausparen“ einen Startzinssatz von 3,5 Prozent, Raiffeisen bietet 2,75 Prozent, Wüstenrot lockt mit 4,5 Prozent, ABV mit 3,5 Prozent.
Diese fixen Zinssätze gibt es wirklich – aber nur für die ersten zwölf Monate. Danach werden die Zinssätze an die Entwicklung des Euribor (Zinssatz, zu dem sich die Banken untereinander Geld leihen) angepasst. Daher kann es mit den Zinsen schnell bergab gehen. Das aktuelle Zinsniveau auf den Geldmärkten lässt vermuten, dass die Bausparkassen die Zinsen im nächsten Jahr nach unten schrauben müssen.
• Erträge: Einen hohen Gewinn gibt es beim Bausparen nicht. Denn wie bei vielen Sparprodukten bedeuten hohe Zinsen nicht auch hohe Erträge. Das verdeutlicht ein Rechenbeispiel: Man zahlt etwa bei Wüstenrot monatlich 100 Euro ein. Nach sechs Jahren entspricht das einer Einzahlsumme von 7200 Euro. Man bekommt (nach Abzug der KESt und aller Spesen) knapp 8083 Euro heraus. Der Sparer macht daher einen Gewinn von nur 883 Euro. Relativ zum Einzahlbetrag sind das nach sechs Jahren nur knapp zwölf Prozent. Eine jährliche Inflation von beispielsweise zwei Prozent würde damit den Mehrertrag wieder auffressen.
Dass der Gewinn derart niedrig ist, liegt daran, dass man die Beträge sechs Jahre hindurch monatlich einzahlt. Der Zinseffekt nimmt dadurch automatisch stark ab.
Im schlimmsten Fall fällt die Ausbeute für den Anleger noch geringer aus. Nämlich dann, wenn die Prognosen und daher die Modellrechnungen der Bausparkassen zu optimistisch angesetzt wurden.
• Optimistische Modellrechnung: Die sBausparkasse rechnet in ihren Prospekten mit einer jährlichen Verzinsung von optimistischen 3,5 Prozent für die nächsten sechs Jahre. Falls die Prognose nicht hält, schrumpft der Gewinn für den Anleger.
Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Bausparkassen die Zinssätze nach unten korrigieren müssen. Im Gegenzug dürfen die Sparer aber nicht erwarten, dass sich die Erträge wesentlich verbessern. Denn bei den Zinsen gibt es eine Obergrenze. Bei Raiffeisen, ABV und der sBausparkasse liegt sie bei vier Prozent. Der Konsument profitiert daher nicht von stark steigenden Zinsen auf den Geldmärkten.
• Verlust bei Kündigung: Beim Bausparen ist das angesparte Geld für die Sparer sechs Jahre nicht verfügbar. Sollten die Anleger den Vertrag vorzeitig kündigen, kann das teuer werden. Im Normalfall wird die staatliche Prämie wieder abgezogen, die Zinsen werden nach unten revidiert, und es sind Kündigungsgebühren zu berappen. „Das wird dann ein Verlustgeschäft“, sagt ein Berater auf Anfrage.
Alternative zum Sparbuch. Das Jahr 2010 könnte ein Niedrigzinsjahr für die Bausparer werden. Wer trotzdem darauf vertraut, sollte den Vertrag erst im Jänner 2010 abschließen. Dadurch können sich die Sparer während der Niedrigzinsphase den hohen Einstiegszinssatz sichern. Im Jahr 2011 werden die Zinsen dann wieder auf einem höheren Niveau sein – sofern die Prognosen der Ökonomen stimmen, dass sich die Wirtschaft bis dahin deutlich verbessert.
Aber wie schon gesagt: Hohe Zinsen bedeuten nicht, dass man auch einen hohen Gewinn erzielt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2009)