Rohölpreis: Die Trendwende hält an

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Zuletzt beflügelten Befürchtungen über mögliche Engpässe den Preis für Rohöl. Die Tiefstände dürften endgültig überwunden sein.

Wien. Der Preis für Rohöl legt seit Mitte Jänner 2016 wieder zu – zur Überraschung mancher Anleger. Schließlich stimmte im November 2014 Saudiarabien erstmals keiner Produktionskürzung zu. Auch die Befürchtungen über Chinas Konjunkturverlangsamung belasteten den Markt. Zu guter Letzt wurden zu Jahresbeginn 2016 Sanktionen gegen den Iran aufgehoben – das Land kann wieder „schwarzes Gold“ exportieren. Auch das drückte auf den Preis – allerdings währte diese Sorge nicht lang. Jan-Hendrick Hein, Leiter für den deutschsprachigen Raum bei ETF Securities, sagt: „Es ist unwahrscheinlich, dass das Produktionsniveau von der Zeit vor den Sanktionen erreicht wird.“ Und das habe der Markt realisiert.

Der Preisanstieg hat für RCM-Ölanalyst Hannes Loacker noch weitere Gründe „und ist vor allem auf Produktionsausfälle zurückzuführen“. So sei etwa die Ölförderung in Nigeria aufgrund mehrerer Anschläge auf Pipelines um rund 40 Prozent gesunken. In Kanada haben Waldbrände rund eine Million Fass pro Tag vom Markt genommen. Hinzu kommt die rückläufige US-Ölförderung, wo der Preiskrieg tiefe Spuren hinterlässt. „Die Schieferölproduzenten können selbst beim aktuellen Ölpreis immer noch keine zufriedenstellende Rendite erwirtschaften“, so Loacker.

Industrie investiert weniger

Auch die Investitionen in der Industrie wurden zurückgefahren. Als Reaktion auf die schwachen Ölpreise von 2014 und 2015 „sind die globalen Investitionsausgaben im Öl- und Gassektor um 25 Prozent gesenkt worden, in den USA ist die Anzahl der Ölförderanlagen weiters um fast 80 Prozent zurückgegangen“, so Hein.

Mit einer verzögerten Wirkung würden diese Kürzungen zu einem Rückgang der Ölproduktion außerhalb der Opec führen, wobei Hein überzeugt ist, „dass der Markt im dritten Quartal 2016 in ein Angebotsdefizit drehen wird. Die erhöhten Lagerbestände dürften langsam aufgezehrt werden.“

Schließlich sollte auch die globale Ölnachfrage – saisonal bedingt – um rund 1,5Millionen Fass pro Tag gegenüber dem ersten Halbjahr 2016 zunehmen, schätzt Loacker. Was ebenso eine Auswirkung auf den Ölpreis haben dürfte. Immerhin rechnet BNP-Paribas-Analyst Harry Tchilinguirian mit 56 Dollar je Fass der Marke Brent im vierten Quartal 2017.

Was dabei insgesamt nicht übersehen werden sollte: Die globale Nachfrage nach Erdöl verharrt noch immer auf einem Rekordhoch. Allein 2015 erreichte sie gut 94 Millionen Fass pro Tag.

Anlegern, die in Einzeltitel investieren möchten, rät Loacker, gut aufgestellte Multis wie Total, Royal Dutch Shell, Statoil, Repsol oder Eni zu kaufen. Oder die Anleger überlassen die Auswahl einem Fondsmanager. Wobei nur wenige Fonds selbst auf zehn Jahre zumindest ein kleines Plus geschafft haben. Dazu zählen etwa der Parvest Equity World Energy Classic (LU0823414635) sowie der KBC Equity Fund – Oil Fund (BE017496271). Auch kann man mit einem Zertifikat auf die weitere Ölpreisentwicklung setzen, etwa mit dem Indexzertifikat auf Brent Crude Oil Future (DE000CD0F1U5) von der Commerzbank. Hier sollten Anleger aber beachten, dass mittels Termingeschäften auf den künftigen Preis gesetzt wird und die Termingeschäfte regelmäßig verlängert werden müssen. Das kann an der Gesamtperformance nagen. [ iStockphoto.com ]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.05.2016)

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