Italien: Edler Prosciutto, feine Pomodori - made in Holland

Prosciutto
(c) AP (Andrew Medichini)

Italien echauffiert sich über grassierenden Etikettenschwindel. Immer mehr Schweinekeulen kommen aus Holland und "typisch italienische Tomaten" werden massenhaft im hohen Norden angebaut.

Den Haag.Der Prosciutto schmeckt wieder einmal fantastisch. Er ist mild und trotzdem würzig, hat ganz feine Fettfasern im mageren Fleisch und ist daher so zart, dass er auf der Zunge fast zergeht. Aber ist der tolle Prosciutto, der köstliche italienische Schinken, auch wirklich made in Italy oder kommt er möglicherweise aus den Niederlanden? Das ist die Frage, die den Gourmet quält.

Denn echter italienischer Prosciutto, insbesondere der weltberühmte Parma-Schinken, Prosciutto di Parma, der darf eigentlich nur aus Parma kommen. Die Schweinekeulen, die nach der Schlachtung erst gesalzen und dann monatelang luftgetrocknet reifen, müssen von Schweinen stammen, die nur in zehn namentlich gekennzeichneten nord- und mittelitalienischen Provinzen gezüchtet werden dürfen, so heißt es offiziell.

Aber dem ist nicht immer so. Denn immer mehr Schweinekeulen kommen aus Holland. Die Niederländer exportieren sie nach Bella Italia, wo daraus dann der delikate italienische Prosciutto entsteht. Rund 300.000 lebende Ferkel und Schweine haben die Niederlande im vergangenen Jahr nach Italien exportiert. Dazu lieferten sie den Italienern noch 139.000 Tonnen bereits geschlachtete Schweine samt Schweinekeulen für den Prosciutto, wie aus Zahlen der niederländischen „Productschap voor Vlees en Vis“, der Dachorganisation der niederländischen Fleisch- und Fischproduzenten, hervorgeht.

Die Exportnation Niederlande, die hinter dem Exportweltmeister Deutschland, nach China, den USA und Japan fünftgrößter Exporteur der Welt ist und trotz Weltwirtschaftskrise die Exporte 2008 um 15 Prozent auf 634 Mrd. Dollar steigern konnte, verkauft den Italienern aber noch viel mehr eigene Waren.

Pomodori beispielsweise. Denn die typisch italienischen Tomaten werden massenhaft in holländischen Gewächshäusern angebaut und dann in den Lkw mit den gelben Nummernschildern über den Brennerpass nach Italien exportiert, wo sie als echte italienische Pomodori in den Supermärkten landen, obwohl sie in Holland gewachsen sind. Sogar Paprika und Milch für die Herstellung von italienischem Käse führen die Niederländer massenhaft gen Italien. Der Feinschmecker sollte daher auch beim Mozzarella darauf achten, ob er wirklich ein in Italien hergestellter Mozzarella di Bufala von der Milch des Wasserbüffels ist. Denn Mozzarella an sich ist keine geschützte Herkunftsbezeichnung, die gibt es nur für den Mozzarella di Bufala Campana aus der italienischen Provinz Kampanien rund um Neapel.

 

„Italienisch verpackte“ Schinken

Italienische Landwirte und Politiker protestieren inzwischen gegen die umfangreichen Lebensmittelimporte aus den Niederlanden. Sie verlangen eine Kennzeichnungspflicht auf den Etiketten der Produkte: „Auf unserem Prosciutto muss künftig stehen, ob das Fleisch aus Holland oder aus Italien stammt“, fordert Rolando Manfredini, Vorsitzender der Agrarorganisation „Coldiretti“. „Wir haben am Brennerpass Stichproben bei Lkw gemacht, die aus den Niederlanden kamen. Manchmal liegen in den Niederlanden hergestellte Schinken, die als Prosciutto gekennzeichnet sind, schon fix und fertig in den gekühlten Lkw. Sie befinden sich sogar oft in einer Verpackung mit den italienischen Nationalfarben.“ Das sei die Realität.