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Do&Co wird sich nicht mehr für ÖBB-Catering bewerben

(c) FABRY Clemens
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Sein Cateringunternehmen Henry am Zug sei "unter der Gürtellinie diskreditiert" geworden, kritisiert Do&Co-Chef Dogudan.

Der börsennotierte Caterer Do&Co betreibt mit der Marke Henry am Zug seit vier Jahren die Verpflegung an Bord der ÖBB - und liegt seit einiger Zeit im Clinch mit den Gewerkschaften wegen der Einhaltung von Arbeitszeitregeln. Henry am Zug hat inzwischen den Auftrag gekündigt, führt ihn aber noch weiter, bis eine Nachfolge gefunden wurde. An einer Neuausschreibung wird sich Do&Co nicht bewerben.

"Bei einer Neuausschreibung sind wir nicht dabei", sage Do&Co-Gründer und Firmenchef Attila Dogudan am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz. Henry am Zug sei "unter der Gürtellinie diskreditiert" und öffentlich schlecht dargestellt worden. Da es nicht so funktioniere wie ursprünglich vereinbart, "ist es besser, wenn wir uns zurückziehen". Weiter machen würde man nur, "wenn jetzt ein Wunder eintritt und der KV gilt. Aber ich glaube nicht, dass das passiert".

Kollektivvertrag gekündigt

Bei der Ausschreibung des Auftrags habe es einen betrieblichen Kollektivvertrag gegeben, der für den Vorgänger galt. Selbstverständlich habe man angenommen, dass dieser weiter gilt und das Angebot darauf abgestellt. Der Kollektivvertrag sei aber dann gekündigt bzw. nicht auf Henry am Zug übertragen worden. Und weil es keinen KV gab, habe auch die Betriebsvereinbarung juristisch gesehen nicht gegolten. Diese Formalie habe man nicht beachtet und sei trotzdem drei Jahre lang gefahren - in der Annahme, dass die Vereinbarungen hält und "es zu einer Lösung kommt". Das sei wohl der Fehler gewesen, dass man nicht gleich aufgehört habe, da formal im Gesetz klar geregelt sei, dass ohne KV keine Betriebsvereinbarung gilt, so Dogudan heute.

Unter anderem war es beim Vorgänger üblich - und wurde von Henry an Zug zunächst weitergeführt - dass rund 100 Mitarbeiter aus Ungarn für die Züge beschäftigt wurden, die in Budapest starten. In der Ausschreibung sei sogar ausdrücklich verlangt worden, dass ein Teil der Mitarbeiter ungarisch spricht. Dann aber wurde kritisiert, dass Ungarn zu ungarischen Arbeitsbedingungen bei der österreichischen Bahn arbeiten - obwohl es jahrelang üblich war. "Wir haben zur Kenntnis genommen, dass dies nicht mehr erwünscht ist", so Dogudan. Inzwischen seien keine Ungarn mehr an Bord. Insgesamt "haben wir kapiert, dass es so nicht funktioniert und nehmen zur Kenntnis, dass wir falsch agiert haben". Da sei es aber besser, "dass wir uns zurückziehen". "Um ehrlich zu sein, die Art wie damit ungegangen worden ist, schreckt ein Unternehmen wie unseres ab".

Nur ein Jahr Geld verdient

Mit den ÖBB habe es die ganze Zeit gutes Einvernehmen gegeben, betont Dogudan. Geld verdient habe Henry am Zug nur in einem Jahr. Aber die Vereinbarung sei auf eine langfristige Zusammenarbeit ausgelegt gewesen. "Die Ungereimtheiten sind nicht auf unserm Mist gewachsen". Er fühlt sich verpflichtet, eine geordnete Übergabe zu machen, die es "in ein paar Wochen oder Monaten spätestens" geben soll. Derzeit streiten Gewerkschaft und Wirtschaftskammer noch, in welche Fachgruppe Catering am Zug überhaupt fällt - und damit unter welchen Kollektivvertrag. Dogudan sieht sich in der Gastronomie beheimatet. "Dass wir uns in der Sektion Schiene anmelden sollen, ist meiner Meinung nach für ein Wirtshaus zu viel", sagt er, sonst müsste er für seine fliegenden Köche ja auch eine Lizenz als Luftfahrtunternehmen beantragen.

Auch für die rund 40 "fliegenden Köche" bei der AUA stehen derzeit Entlohnung und Arbeitszeitregelung in der Kritik. Das System funktioniere aber schon seit "Jahrzehnten" und sei zu Lauda-Air-Zeiten eingeführt worden, wundert sich Dogudan. Nun gebe es plötzlich ein "Hick-Hack, ob das Überlassung ist oder nicht". "Wenn es nicht gewünscht ist, dass sie fliegen, kein Problem, die 40 Arbeitsplätze können wir in Österreich sichern, indem wir die Kollegen bei anderen Fluglinien einsetzen." Alleine bei den Turkish Airlines gibt es fast 1.000 fliegende Köche von DO&CO. Es sei zwar für den Wirtschaftsstandort nicht sinnvoll, aber "wir sind gerne bereit aufzuhören, wenn das von wem auch immer gewünscht wird".

(APA)