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Die Testerinnen: Art

(c) Stanislav Jenis
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Low-Carb-Essen und Cocktails in Oma-Gläsern.

Mit der Speisekarte kommt auch die sehr höflich durchgesetzte kurzzeitige Schweigepflicht. Man muss im neuen Art, wenn zu zweit oder mehrt bei Tisch, damit rechnen, dass von der eigenen Redezeit anfangs etwas abgezwackt wird – ein Konzept wie das hiesige will nun einmal erklärt werden: Essen mit Cocktail-Pairing, wobei die Portionen eher klein seien, alles „low carb“ und „low sugar“ sei und die Cocktail-Gericht-Liaisonen „Geschmacksbilder aus einem Zutatenkorb“ darstellen sollen, den Küchenchef und Barchef definiert haben – das war jetzt die sehr kurze Version.

(c) Stanislav Jenis

Die Eröffnung des Lokals wurde schon vor zwei Jahren kolportiert. Das benachbarte Schwesterlokal, das Kitch, hat im Februar aufgesperrt, nun sind auch das Art und der Club im Untergeschoß so weit. Kunst kommt etwa von
Hermann Nitsch und Jiří Georg Dokoupil, die Sessel glänzen russischgrün und perlmuttrosa. Für die abendliche Lichtstimmung hält die deutsche Sprache Wörter wie schummrig oder gar verrucht parat. Und jene Patina, wie sie Lokalen dieser Art immer guttut, damit sie nicht als unbeseelter Konzeptkatalog enden, kann ja hier noch darniederflattern. Auf der Karte nun finden sich Pairings wie Charolais-Beef mit Hühnerleber und schwarzem Knoblauch (18 Euro) mit einem Drink aus Sake-Gin, Verjus, rauchigem Whisky und Johannisbeere (als Kombination 28,50 €). Zum schön gearbeiteten Palmherzen-Papaya-Salat ist eine Art Piña Colada geplant, die dem Gericht womöglich den fehlenden Säurepart hätte liefern können – manches aber möchte man dann doch ohne Cocktail bestellen (oder, siehe Fazit unten, umgekehrt). Beim Amuse-Gueule beweist Koch Sebastian Müller Selbstironie: mit Luxus-Pommes-frites, den „letzten Kohlenhydraten für heute“. Man behält sich bei den Zutaten Änderungen vor, was etwas absurd wird, wenn vier (sic) Garnelen mit Erbsencreme auf 24  Euro kommen und statt des angekündigten Lammprosciuttos dazu ein paar Mandeln (sic) auf dem Teller liegen. Ist für ein Gericht kein Drink vorgesehen, springt die Weinkarte ein, und zwar wirklich gut, weil ebenso treffend wie überraschend. Fazit: Auch wenn ein Pairing-Konzept kaum als Match gedacht ist – Barchef Ernst gewinnt gegen Küchenchef Müller. Die Drinks sind überragend.

Info

Art, Falkestraße 5, 1010 Wien, Tel.: 01/5120 560, Restaurant: Di–Sa, 18–24 Uhr, Bar: Di–Sa, 18–2 Uhr.
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