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Do & Co: Außer Spesen nichts gewesen

Attila Doğudan.
Attila Doğudan.(c) Fabry Clemens
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Attila Doğudan räumt ein, dass nach der Übernahme des ÖBB-Caterings Henry am Zug rechtlich einiges schieflief. An der Neuausschreibung ist er nicht interessiert.

Wien. Über gewisse Dinge spricht Do&Co-Chef Attila Doğudan lieber als über andere. Das Geschäftsjahr 2015/16 sei „das beste der Unternehmensgeschichte“ mit einem Umsatzwachstum von 118 auf 916 Millionen Euro und mehr als 1000 neuen Arbeitsplätzen. Beinahe hätte man die angepeilte Milliardenmarke geknackt - wäre nicht die Abwertung der türkischen Lira dazwischen gekommen.

Unerfreulicher wird es für den österreichischen Unternehmer, der mehr als zwei Drittel seiner Umsätze mit dem Airline-Catering macht, wenn die Sprache auf den Streit um sein ÖBB-Bordservice Henry am Zug kommt. Mit einem kolportierten Jahresumsatz von rund 20 Mio. ein kleiner Fisch im Doğudan-Imperium. Der medial umso höhere Wellen schlug, seit im März eine nach wie vor drohende Strafe des Arbeitsinspektorats von 1,3 Mio. publik wurde. Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz werden Doğudan angelastet. Hinzu kam noch der Vorwurf des Lohndumpings bei den ungarischen Servicekräften im Zug sowie bei den Do&Co-Köchen in den Flugzeugen.

 

Nur ein Jahr mit Gewinn

Im Zuge seiner Bilanzpräsentation meldete sich Doğudan am Dienstag erstmals zu dem Sprengstoffthema ausführlich zu Wort, seit er den Vertrag mit den ÖBB im März kurzerhand gekündigt hatte. Nur ein einziges Jahr mit Gewinn, dafür eine Menge Zores habe ihm das Bahngeschäft seit Übernahme 2012 gebracht. Die Argumente der Gewerkschaft und mancher Medien seien „unter der Gürtellinie“ gewesen. Das Unternehmen sei diskreditiert worden. Den Schaden trage nicht nur Do & Co, sondern auch der Wirtschaftsstandort.

„Die Ungereimtheiten sind nicht auf unserem Mist gewachsen“, sagt Doğudan. Man habe 2012 ein bestehendes System übernommen. Damals sei er gutgläubig davon ausgegangen, dass der vom Vorgänger übernommene Betriebskollektivvertrag sowie die Rahmenbedingungen halten werden. „Wer geht davon aus, dass in der Sekunde, in der man (die Ausschreibung, Anm.) gewinnt, der Kollektivvertrag gekündigt wird?“ Eine darauf basierende, von der Gewerkschaft abgesegnete Betriebsvereinbarung war damit ebenfalls hinfällig.

All diese Formalitäten habe Do & Co nicht beachtet – auch weil man angenommen habe, dass „es zu einer Lösung kommt“, sprich ein neuer Kollektivvertrag ausgehandelt wird. Der wahre Fehler sei also, dass Dogudan nicht bereits damals den Vertrag gekündigt habe, sondern drei Jahre weiterfuhr. Brisantes Detail am Rande: Eine Voraussetzung in der Ausschreibung war, die mehr als hundert ungarischen Mitarbeiter des Vorgängers weiter zu beschäftigen. Im März geriet deren ungarischer Mindestlohn ins Kreuzfeuer der Kritik. Mittlerweile gibt es keinen einzigen ungarischen Beschäftigten mehr bei Henry am Zug. Diese seien sukzessive durch Österreicher ersetzt worden.

 

Vorerst noch auf Schiene

Als „anständiger Vertragspartner“ lasse man die 600 Henry-Angestellten noch ein „paar Wochen oder Monate“ trotz der formellen Kündigung weiterfahren. Bis die ÖBB einen Ersatz aufstellen – oder „wenn jetzt ein Wunder eintritt“ und ein neuer Kollektivvertrag gelte. An dieses Wunder glaubt Doğudan aber nicht. Gerade, so der Gastronom, hätten sich Kammer und Gewerkschaft in seinem Beisein nicht einmal einigen können, welche Fachgruppe – Gastronomie oder Schienenverkehr – für Henry und den neuen KV zuständig ist. „Dass wir uns in der Sektion Schiene anmelden sollen, ist meiner Meinung nach für ein Wirtshaus zu viel.“

Er werde bei der Neuausschreibung nicht teilnehmen. Mit den ÖBB pflegt Do & Co aber ein gutes Einvernehmen. Dennoch: „Der Zug ist eher am Ende“, kommentiert Doğudan seinen Rückzug aus dem Bahngeschäft. Die Gewerkschaft ließ Dienstag postwendend ihre Freude darüber verlauten: Das mache Platz für einen fairen Wettbewerb, so ÖBB-Betriebsratschef Roman Hebenstreit in einer Aussendung.

Doğudan wechselte am Dienstag lieber zu erfreulicheren Themen. Wie etwa der Fußball-EM in Paris, bei der Do & Co für Verköstigung und Infrastruktur für mehr als 100.000 VIP-Gäste sorgen wird. Das EM-Geschäft soll sich mit einem „Millionenbetrag im mittleren zweistelligen Bereich“ im Umsatz widerspiegeln. Nach dem EM-Ende will er in Paris ein Gourmetrestaurant eröffnen. Noch heuer könnten vier neue Standorte für das Airline-Catering in den USA dazukommen. Vielleicht knackt Doğudan dann die Milliarde. (loan/ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.06.2016)