"Es soll wieder das Kind im Flüchtling gesehen werden"

Symbolbild: Teddybär eines Flüchtlingskindes in Spielfeld
Symbolbild: Teddybär eines Flüchtlingskindes in Spielfeld(c) Die Presse (Clemens Fabry)

47 Organisationen haben sich zusammengetan, um auf die Diskriminierung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge aufmerksam zu machen.

Ein Zusammenschluss von 47 zivilgesellschaftlichen Organisationen hat am Donnerstag eine Kampagne gestartet, die auf die Diskriminierung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge aufmerksam machen soll. Diese würden ungleich behandelt und ihre Rechte entsprechend der Kinderrechtskonvention nicht ausreichend gewahrt. Dadurch erschwerten sich persönliche Entwicklung und Integration, hieß es.

"Wir möchten erreichen, dass wieder das Kind im Flüchtling gesehen wird und nicht der Flüchtling im Kind", sagte Eva Kern, Geschäftsführerin des Don Bosco Flüchtlingswerks und Initiatorin der Kampagne. Vorrangiges Ziel sei die Schaffung eines Bewusstseins für Kinderrechtsverletzungen in der Öffentlichkeit und bei den Entscheidungsträgern. Dazu wurden Plakate, eine Social Media Kampagne und ein TV-Spot produziert. Gefordert werden kindgerechte und zügige Asylverfahren, ausreichend Schutz, Versorgung und Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe. Dazu sei unter anderem die Angleichung der Betreuungstagsätze an die Österreichischer Kinder notwendig.

Derzeit sind rund 6400 minderjährige Flüchtlinge in der Grundversorgung. Dazu kommen etwa 1350 weitere, die in Flüchtlingslagern auf die Aufnahme in die Kinder- und Jugendhilfeabteilungen der Bundesländer warten. "Für diese jungen Menschen müssen die Rahmenbedingungen für ein gelingendes Leben geschaffen werden", so Kern, denn: "Sie sind da. Wir müssen was tun."

"Nicht einer verlorenen Generation zusehen"

Katharina Glawischnig von der Asylkoordination Österreich bemängelte die Verfahrensdauer sowie fehlende Mittel für Betreuung und Beratung. Minderjährige warteten oft Jahre, ohne Beschäftigung und ohne Perspektiven. SOS-Kinderdorf-Geschäftsleiter Clemens Klingan warnte: "Wenn wir zuschauen, wie jungen Menschen die Möglichkeit zu lernen und zu arbeiten genommen wird, schauen wir einer verlorenen Generation beim Großwerden zu. Mit allen Konsequenzen: Frustration, Perspektivlosigkeit, Kriminalität, Radikalisierung. Die Versäumnisse von heute werden sich morgen rächen." Auch Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe, betont die ungleich höheren Folgekosten einer fehlgeschlagenen Integration. "Die Kernfrage ist: Was ist mit den Kindern von heute in zehn Jahren?"

Michael Chalupka, Direktor der Diakonie, kritisierte die Linie der Regierung. Man behandle Menschen vorsätzlich schlecht, in der Hoffnung, dass weniger kommen würden. Elisabeth Schaffelhofer-Garcia Marquez vom Netzwerk Kinderrechte wünschte sich zu diesem Thema "Nachhilfe für Politiker und Politikerinnen".

(APA)