Der Film „Holz Erde Fleisch“ porträtiert die Arbeit dreier österreichischer Bauern als brachiales und zugleich intimes Tagewerk: in urtümlicher, geruhsamer Inszenierung und fast ohne Agrarromantik.
Sachte, fast schon zärtlich, bringt Herbert Lang das Schaf in Position. Streichelt es, redet ihm gut zu, flüstert noch ein „Danke dir.“ Dann schnalzt das Bolzenschussgerät, und das Tier geht zu Boden. Während es ausblutet, muss Lang kurz verschnaufen. Als er das erste Mal eigenhändig ein Tier getötet hat, hätten ihm „die Knie geschnackelt“, erzählt er. Aber auch heute merkt man ihm noch an, dass ihn dieser Teil seines Berufs nicht kalt lässt.
Die Schlachtszene bildet eine der ersten Einstellungen in Sigmund Steiners Dokumentarfilm „Holz Erde Fleisch“ und etabliert auf eindringliche Weise dessen Grundmotive. Es geht um bäuerliche Arbeit, und diese ist zwar brachial, wie es später heißt, aber zugleich auch sehr intim und persönlich und gekoppelt an ein starkes Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Natur, die man sein Eigen nennt.
Sigmund Steiner, der selbst aus einer Bauernfamilie stammt, fügt seinen Film – der bei der diesjährigen Diagonale mit dem Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet wurde – aus drei kurzen Porträts zusammen, eines pro Titelwort: Der Waldviertler Forstwirt Martin Gerstorfer („Holz“), der Weinviertler Gemüsebauer Matthias Hertl („Erde“) und der Steirer Schafzüchter Lang („Fleisch“) fungieren als Repräsentationsfiguren eines Milieus, zu dem der 1978 geborene Regisseur seit seinen Kindertagen auf dem Bauernhof eine besondere Beziehung hat.
Wie verwachsen mit der Landschaft
Urtümlich wie der Filmtitel ist auch die Inszenierung: In erhabenen Breitwandeinstellungen und geruhsamem Tempo zeigt Steiner seine Protagonisten bei ihrem anstrengenden Tagwerk, wobei er sich fast nur auf Außenaufnahmen beschränkt – gleichsam als wären die Menschen schon längst mit der Landschaft verwachsen.
Zwischendurch sprechen die Bauern voller Stolz über ihr Metier, äußern aber auch Sorgen bezüglich der Zukunft. In allen drei Fällen handelt es sich um Traditionsbetriebe, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden, aber die jüngste Nachkommenschaft kann sich nur noch bedingt für Landwirtschaft begeistern. „Das Technische hätte er im Griff, aber den Boden noch nicht so wirklich“, klagt Hertl über seinen Sohn Dominik. Dieser vermerkt seinerseits, dass Vater-Sohn-Konflikte im bäuerlichen Umfeld keine Seltenheit seien.
Auch Steiner hat ein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater, das er im Voice-over wiederholt thematisiert – und mit seinem Film indirekt aufarbeitet. Die letzten Bilder deuten an, dass die patriarchale Linie durchbrochen werden könnte: Gersthofer pflanzt mit seiner kleinen Tochter neue Bäume. Es ist der wohl idyllischste Moment in „Holz Erde Fleisch“, der die Agrarromantik sonst erfreulicherweise auf einem Minimum hält.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.06.2016)