Die Großbanken Barclays und HSBC erzielten im Halbjahr Milliardengewinne. Weniger gute Ergebnisse werden für die teilverstaatlichten Geldhäuser Royal Bank of Scotland und Lloyds erwartet.
London (ag./red.). Die Lust am Zocken ist wieder da – und zwar nicht nur in den USA, sondern auch in Großbritannien. Die britischen Banken Barclays und HSBC konnten im Halbjahr trotz hoher Abschreibungen mit Milliardengewinnen aufwarten. Und das vor allem deshalb, weil sie auf riskante Geschäfte setzten.
Die Großbank Barclays steigerte ihren Gewinn im Zeitraum Jänner bis Juni 2009 im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres um acht Prozent und verdiente vor Steuern 2,98 Mrd. Pfund (3,48 Mrd. Euro). Rund ein Drittel davon kommt aus der Sparte Investmentbanking, wo Barclays den Gewinn auf 1,05 Mrd. Pfund verdoppelte. Weniger gut lief es im Privatkundengeschäft: Hier ging das Ergebnis der Bank gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um mehr als die Hälfte auf 268 Mio. Pfund zurück. Gleichzeitig stiegen die Abschreibungen und die Risikovorsorge auf faule Kredite von 2,45 Mrd. auf 4,56 Mrd. Pfund. Barclays-Chef John Varley geht auch für das Gesamtjahr von schwarzen Zahlen aus.
Ähnlich gut sieht es bei Europas größter Bank HSBC aus. Der Gewinn halbierte sich zwar, lag aber vor Steuern immer noch bei fünf Mrd. Dollar im Halbjahr. Die Sparte Investmentbanking brachte der HSBC 6,3 Mrd. Dollar ein, doppelt so viel wie im ersten Halbjahr 2008. Abschreibungen und Risikovorsorge erhöhten sich um 39Prozent auf 13,9 Mrd. Dollar. Weder Barclays noch HSBC mussten im Zuge der Finanzkrise auf Staatsgeld zurückgreifen.
Pleitewelle in den USA
Weniger gute Ergebnisse werden für die teilverstaatlichten Geldhäuser Royal Bank of Scotland (RBS) und Lloyds erwartet, die im Laufe der Woche ihre Halbjahreszahlen präsentieren sollen.
In den USA sorgten kürzlich die Banken Goldman Sachs und JP Morgan Chase mit Milliardengewinnen für Frohmut an der Börse. Abseits der Bankenriesen wird der US-Finanzmarkt von einer anhaltenden Welle von Bankenpleiten heimgesucht. Seit Jahresbeginn fielen in den Vereinigten Staaten 69 Banken der Finanzkrise zum Opfer, wie die US-Einlagensicherung FDIC am Freitag bekannt gab. Im Vorjahr schlitterten 25 US-Geldhäuser in die Pleite, 2007 waren es nur drei. Weitere 300 Banken standen Ende des heurigen Frühjahrs auf einer Liste mit Instituten, die in Schwierigkeiten stecken und daher von der FDIC genau beobachtet werden.
Der US-Kongress hat unterdessen ein Gesetz gebilligt, das Bonuszahlungen an der Wall Street beschränken soll. Aktionären soll ein Mitspracherecht bei den Prämienzahlungen eingeräumt werden, Aufsichtsbehörden sollen Kürzungen vornehmen dürfen. Der Senat wird voraussichtlich im September über die Vorlage abstimmen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2009)