Anlage: Zinsen bis Mitte 2010 auf Rekordtief

EZB-Chef Trichet.
EZB-Chef Trichet.(c) Reuters
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Am Donnerstag trifft sich der EZB-Rat zum letzten Mal vor der Sommerpause. Die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass der Leitzinssatz von 1,0 Prozent auch die nächsten zwölf Monate unangetastet bleibt.

Frankfurt/Wien. Schlechte Zeiten für Sparer: Am Donnerstag werden die Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt zu ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause zusammenkommen. Mit dabei ist Ewald Nowotny, Chef der Oesterreichischen Nationalbank. Im Vorfeld des Treffens zeichnet sich ab, dass die EZB-Direktoren den Zinssatz auf dem aktuellen Niveau von 1,0 Prozent belassen werden.

Der Internationale Währungsfonds hatte die EZB in der Vorwoche zwar indirekt aufgefordert, den Leitzins zu senken, um die Wirtschaft stärker anzukurbeln. Doch die Frankfurter Währungshüter wollen davon nichts wissen. Die Finanzagentur Reuters hat dazu 75 Ökonomen internationaler Großbanken befragt. Die meisten sind der Ansicht, dass der Leitzins in der Eurozone auch in den nächsten zwölf Monaten auf dem gegenwärtigen Rekordtief bleiben wird. Ende 2010 oder erst 2011 sei ein Anstieg zu erwarten. „Wir hoffen, dass sich die Wirtschaft auf eine Erholung zubewegt, aber wir werden kaum vor 2010 ein Wachstum erleben“, so Robert Barrie von der Credit Suisse.

Kaum Lockangebote für Sparer

Zwar häufen sich die Anzeichen für eine Stabilisierung der Wirtschaft. Doch ein kräftiger Aufschwung, der höhere Zinsen rechtfertigen würde, ist nicht in Sicht. Analysten sagen für die Eurozone im nächsten Jahr im Schnitt nur ein Wachstum von 0,5 Prozent voraus. Vor allem die steigende Arbeitslosenquote dürfte den Konsum in den nächsten Monaten dämpfen.

Immer mehr Banken nehmen daher ihre Lockangebote für Sparer zurück. Die Porsche Bank, eine Tochter der Salzburger Porsche Holding, war in Österreich bislang bei den Zinsen Spitzenreiter. Sie zahlte noch im Juli für täglich fällige Einlagen drei Prozent. Anfang August wurden die Konditionen auf 1,75Prozent gesenkt. Die „Presse“ zeigt, wie Anleger auch jetzt noch halbwegs gute Renditen erzielen können:

Kleine Banken zahlen mehr: Die höchsten Zinsen gibt es bei kleinen Instituten wie der Generali Bank, der Easybank (Bawag-Tochter), der Kremser Bank, der direktanlage.at, der livebank.at (Volksbanken-Tochter) und der ING-DiBa. Diese bieten für täglich fällige Einlagen zwischen 2,0 Prozent und 2,1 Prozent.

Längere Laufzeit: Da das Zinsniveau bis Ende 2010 niedrig bleiben wird, raten Experten, das Geld zwei oder drei Jahre zu binden. Wer sein Sparguthaben beispielsweise zwei Jahre liegen lässt, bekommt bis zu 2,875 Prozent. Bei drei Jahren sind es bis zu 3,375 Prozent. „Die Gefahr einer Hyperinflation sehen wir nicht. Es wird noch länger andauern, bis die Wirtschaft anspringt“, meint Wolfgang Traindl, Leiter der Abteilung Private Banking & Asset Management der Erste Bank.

Ähnlich argumentiert Georg Kraft-Kinz, Vorstand der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, im „Presse“-Gespräch: „Konservative Anleger sollten daher über Sparbücher mit einer Laufzeit von zwei bis drei Jahren nachdenken.“

Firmenanleihen: Einen Run gibt es auf Unternehmensanleihen. Weil Betriebe von den Banken schwer langfristige Kredite bekommen, nehmen sie am Kapitalmarkt Geld in Form von Anleihen auf. Sie müssen dafür wegen der Wirtschaftskrise relativ hohe Zinsen zahlen, was Anleger freut. Doch hier ist das Risiko zu beachten. Wegen der Rezession wächst die Gefahr, dass einige Schuldner das Geld nicht zurückzahlen können. „Anleger sollten vor allem auf die Bonität der Firmen achten“, rät Traindl von der Erste Bank.

Bei großen Weltkonzernen wie etwa Henkel, Danone oder Coca Cola ist eine Pleite extrem unwahrscheinlich.

Aktuell bieten Anleihen von Unternehmen mit einer guten Bonität eine jährliche Verzinsung von vier bis fünf Prozent. Wer das Risiko minimieren will, sollte sich einen Investmentfonds, der auf Firmenanleihen spezialisiert ist, kaufen.

Aktien: Seit März geht es mit den Börsen steil bergauf. Auch an der Wiener Börse hat sich der Wert vieler Aktien (Erste Bank und Raiffeisen International) verdoppelt. Experten raten nun zur Vorsicht.

Viele Analysten sind der Überzeugung, dass die „Bärenmarkt-Rallye“ vorbei ist und dass sich die Börsen bis Jahresende seitwärts entwickeln werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2009)

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