Head ringt um Kredit: Eliasch springt ein

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Der Konzern braucht dringend zehn Millionen Euro und zwingt Anleiheinhaber zum Verzicht. Sollten Erste Group und Bank Austria nicht den Geldhahn öffnen, dürfte Head-Mehrheitseigentümer Johan Eliasch Geld einschießen.

Wien (eid.). Head garantiert Siege – auf der Skipiste oder dem Tenniscourt.Nicht aber an der Börse: Wer Ende September 2000 anlässlich des Börsegangs Aktien des Sportartikelkonzerns gekauft hat, der kann jetzt nur von einem Totalverlust seines Investments sprechen: Das Papier, das zu 11,295 Euro verkauft worden war, erreichte seither nie mehr den Emissionskurs und notierte am Montag bei 35 Cent. Eine Dividende gab es nur ein Mal – für 2001.

Aber auch die Inhaber der 2004 begebenen 135 Mio. Euro schweren Anleihe haben viel Geld in den Sand gesetzt: Weil der Kurs extrem stark gefallen ist – auf rund 20 Prozent des Tilgungskurses – wird versucht, die von Standard&Poor's mit „CCC“, also „Junk“, bewertete Anleihe in eine andere besicherte Anleihe umzutauschen. Die Anleiheinhaber müssen allerdings auf die Hälfte ihres Kapitals verzichten. Weil das Angebot nicht gerade auf Begeisterung gestoßen war, wurde die Umtauschfrist schon mehrfach verlängert – zuletzt bis 12. August.

Der Sportartikelkonzern (Marken Head, Penn, Tyrolia und Mares) ringt aber nicht nur mit seinen Anleihegläubigern. Das mehrheitlich dem Investor Johan Eliasch gehörende Unternehmen verhandelt mit der Erste Group und der Bank Austria um einen dringend benötigten Betriebsmittelkredit über zehn Mio. Euro. Ganz überraschend kommt dies nicht. Eliasch hatte bereits im Geschäftsbericht 2008 angekündigt, dass Head 2009 krisenbedingt weniger umsetzen werde. Hohe Zinsaufwendungen und Investitionen in Kombination mit einer geringeren Liquidität könnten dazu führen, dass „wir gezwungen sind, zusätzliche Liquidität zu generieren oder uns einen zusätzlichen Kreditrahmen zu sichern“.

Was passiert, wenn der Pakt mit den Banken, die von Eliasch Haftungen verlangen, nicht zustande kommt? „Dann wird Eliasch einspringen und Mittel einschießen“, sagt Finanzvorstand Günter Hagspiel zur „Presse“. Die Gefahr einer Insolvenz wird bei Head definitiv ausgeschlossen. Allerdings hat das Unternehmen schon angekündigt, dass es ohne Kredit oder sonstige Finanzierung gezwungen sei, die Geschäftstätigkeit und Investitionen sowie Entwicklungstätigkeit einzuschränken, Unternehmensteile zu verkaufen, die Finanzverbindlichkeiten (Ende 2008 lagen sie bei 160 Mio. Euro) umzustrukturieren bzw. umzuschulden oder eine Kapitalerhöhung durchzuführen.

Viel Geld für Skiproduktion

Der Sommer bedeutet bei Head wie bei allen wintersportlastigen Produzenten die Finanzierungsspitze, weil die saisonalen Vorfinanzierungen für den Wareneinsatz im Wintersportgeschäft getätigt werden müssen. In guten Jahren schaffte das Head aus dem eigenen Cashflow. Schon 2008 musste ein Bankkredit aufgenommen werden. Head hat im ersten Quartal 2009 einen Verlust von 11,775 (nach 3,6) Mio. Euro gemacht. Die Veröffentlichung der Halbjahreszahlen wurde vom 13. auf 21.August verschoben – dann müsste die Finanzierung stehen.

AUF EINEN BLICK

Der Sportartikelproduzent Head braucht dringend einen Betriebsmittelkredit von zehn Mio. Euro. Sollten Erste Group und Bank Austria nicht den Geldhahn öffnen, dürfte Head-Mehrheitseigentümer Johan Eliasch Geld einschießen. Head sucht auch eine 135 Mio. Euro schwere Anleihe umzutauschen. Die Inhaber sollen auf 50 Prozent verzichten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2009)

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