Großaktionäre plünderten Kaupthing-Bank

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ICELAND ECONOMY BANKS KAUPTHING(c) EPA (Kaupthing/ho)
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Großaktionäre der Kaupthing erhielten kurz vor dem Zusammenbruch der Bank noch Milliardenkredite. Allein ein Aufsichtsrat von"Exista" sicherte sich über eine Milliarde Euro. Nun soll das Bankgeheimnis gelockert werden.

Islands früher größte Bank Kaupthing hat noch kurz vor ihrem Zusammenbruch riesige Kredite teilweise ohne Sicherheiten an eigene Großaktionäre sowie deren Geschäftsfreunde ausgezahlt. Wie die Zeitung "Frettabladid" in Reykjavik am Dienstag berichtete, erhielten allein die fünf wichtigsten Kreditnehmer aus dieser Gruppe umgerechnet rund fünf Milliarden Euro. Das entspricht einem kompletten Staatshaushalt auf der Atlantikinsel mit 320.000 Einwohnern.

Vertrauen statt Sicherheiten

Am Wochenende hatte der Internetdienst wikileaks eine streng vertrauliche interne Schuldnerliste veröffentlicht, die von Kaupthing selbst zwei Wochen vor dem Zusammenbruch der drei größten isländischen Banken Anfang Oktober zusammengestellt worden war. Danach hatte allein die Finanzgruppe Exista, bis dahin mit 20 Prozent Kaupthings größter Einzelaktionär gesamt 1,2 Milliarden Euro Schulden. Wie die "Financial Times Deutschland" berichtet, waren 600 Millionen Euro davon als "unbesichert" deklariert.

Bankgeheimnis soll gelockert werden

Die isländische Regierung will nach dem Bekanntwerden einer Liste mit Krediten für Großaktionäre der verstaatlichten Kaupthing-Bank ein Gesetz zum Bankgeheimnis ändern. In einer Zeit, wo Offenheit und Transparenz gefordert seien, dürfe das Gesetz nicht dazu benutzt werden, um Missbrauch auf dem Finanzmarkt zu verheimlichen, sagte die neue Regierungschefin Johanna Sigurdardottir.

Zehnfaches Bip als Schulden hinterlassen

Islands drei führende und im Herbst 2008 zwangsverstaatlichten Banken (Kaupthing, Islandbanki und New Landsbanki) haben dem Land Schulden über das Zehnfache eines Bruttonationalproduktes hinterlassen. Neben der von einem auf jetzt knapp zehn Prozent gestiegenen Arbeitslosigkeit gehören auch die weitgehende Entwertung der Landeswertung Krone und zweistellige Zinsen zu den Folgen der von den Banken ausgelösten Krise auf Island. Die Regierung hat im Juli die Aufnahme der Inselrepublik in die EU beantragt.

(Ag./Red.)

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