„Game of Thrones“ Staffel sechs, Folge sieben

Ein geheimnisvoller Brief! Eine blutige Begegnung! Und diese Rückkehr! Aber wir wussten ja immer, dass wir diese Figur noch einmal sehen würden, oder?

Spoiler-Warnung: In diesem Episodenblog wird die Handlung der jeweils beschriebenen "Game of Thrones"-Folge verraten.

Wie die Vorgängerfolge baut „The Broken Man“ eilig Spannungsbögen für das Finale der sechsten Staffel „Game of Thrones“ auf. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass manche Handlungsstränge gar schnell vorangetrieben werden.

„Hate“

Aber zuerst einmal zu dieser Rückkehr: Sandor „The Hound“ Clegane ist wieder da. Endlich! Ganz unerwartet kommt das ja nicht – wir haben doch immer gewusst, dass der Publikumsliebling damals nach dem Kampf mit Brienne nicht gestorben ist, oder? Er gehört nun einer Gruppe gläubiger Siedler rund um Brother Ray, einen Priester der Seven an. Brother Ray war der, der ihn gefunden hat – halbtot, aber nicht ganz tot, erzählt er. Ich bin gespannt, ob das auch in den Büchern so sein wird. Denn dort, so wird vermutet, findet die Brotherhood Without Banners (bei der Arya eine Zeit lang war) rund um den mehrfach wiedererweckten Beric Dondarrion den toten Hound – und der Rote Priester Thoros of Myr haucht ihm wieder Leben ein.

Die Brotherhood stattet auch der Gruppe um Brother Ray einen Besuch ab. Schnell wird klar: die friedlichen Gefolgsmänner von Bruder Ray haben keine Kirche gebaut, sondern einen Galgen. Nur wussten sie das nicht. Der Auftritt des englischen Charakterdarstellers Ian McShane („Deadwood“) ist kürzer als erwartet.

Das Handeln der Brotherhood – sofern sie das war – bleibt unverständlich: wieso töteten sie die Siedler? Wieso auch die (jungen) Frauen (die üblicherweise verschleppt werden)? Für The Hound dürfte weiter gelten, was er Brother Ray eingangs sagte: „What kept you going?“ fragte der und Clegane antwortete: „Hate.“

„You have a duty, Your Grace“

In der Hauptstadt King's Landing ist der Glaube an die Sieben auf dem Siegeszug – im Moment jedenfalls. Die Textstelle, die Margaery aus dem Book of the Mother (Book 3, Verse 12) vorliest, ist aber entlarvend, was das Weltbild des High Sparrow angeht. Zusammengefasst: Frauen sind gut für die Männer, weil sie sie besänftigen. König Tommen kommt derzeit nicht in den Genuss der Besänftigung – aber Margaery wird ihre Pflicht schon erledigen, wenn der High Sparrow sie daran erinnert. Kein anderer spricht Drohungen („I fear for her safety“ über Oma Olenna) so sanft aus wie er.

Das ist Septa Unella, von der schon oft die Rede war
Das ist Septa Unella, von der schon oft die Rede war(c) HBO

Königin Margaery bringt ihre Großmutter tatsächlich dazu abzureisen – aber nicht, ohne ihr (trotz der wachen Augen von Septa Unella) etwas mitzugeben: Die Zeichnung einer Rose, das Zeichen des Hauses Tyrell. „Ich handle in erster Linie im Sinne unseres Hauses“, lautet die Botschaft übersetzt. Die oberste Priorität gilt aus dieser Perspektive nun Loras: denn er soll als Buße seinen Titel ablegen - das wäre das Ende des Hauses, immerhin ist Loras der einzige männliche Erbe.

„You've lost, Cersei“

Schön ist die Begegnung zwischen Olenna Tyrell und Cersei, die ständig mit ihrem Zombie-Wachhund Gregor „The Mountain“ Clegane herumläuft. Die ältere Frau liest der jüngeren ordentlich die Leviten: „Because of you and your stupidity“ sei das Königshaus in dieser Situation. Wenn Olenna aber glaubt, dass sich Cersei damit abfindet, verloren zu haben, kennt sie sie schlecht. Wäre langsam an der Zeit, dass Cersei einen neuen Plan entwickelt.

Theon ist der „Broken Man“

Auf der anderen Seite des Meeres, in Volantis, liest Yara Greyjoy ihrem Bruder Theon die Leviten – und wird ganz nebenbei und unaufgeregt als lesbisch geoutet. Gut gemacht, DB. Weiss und David Benioff. Der „Broken Man“ im Titel, das ist Theon. Er soll sich wieder zusammenkleben, befiehlt ihm seine große, harte Schwester. Damit sie gemeinsam nach Meereen zu Daenerys fahren. Ich bin gespannt auf die Begegnung zwischen den beiden Anführerinnen Yara und Daenerys (die es hoffentlich geben wird): entweder sie lieben sich oder sie hassen sich. Dazwischen gibt es sicher nichts.

Brynden ''Blackfish'' Tully
Brynden ''Blackfish'' Tully(c) HBO/HELEN SLOAN

Zu dumm für eine Belagerung

Wie haben es die Freys eigentlich geschafft, Robb Stark und alle seine Mannen hinters Licht zu führen? Die sind ja zu dumm für eine simple Belagerung der Burg Riverrun, des Hauptsitzes der Familie Tully. Da kommen Bronn und Jaime Lannister mit 8000 Soldaten anmarschiert, und die merken das nicht? Sie schaffen es jedenfalls nicht, Brynden „The Blackfish“ Tully zur Kapitulation zu bringen. Ebensowenig wie Jaime selbst. Der ist deutlich schlauer als die Freys – und weiß mit der Geisel Edmure Tully sicher mehr anzufangen. Nicht vergessen: auch Brienne ist auf dem Weg nach Riverrun.

„This isn't someone else's war. This is our war.“

Ähnlich hart wie der Blackfish ist die junge Lady Lyanna Mormont – benannt nach Neds Schwester. Die Nichte vom „alten Bär“ Jeor Mormont, dem Commander der Night's Watch und vermutlich die Cousine von Jorah „Ich liebe Daenerys“ Mormont. Die Zehnjährige erteilte einst Stannis eine Abfuhr: „Bear Island knows no King but the King in the North, whose name is Stark,“ schrieb sie ihm.

Nun stehen Sansa und Jon vor ihr und bitten um ihre Unterstützung. Aber keiner der beiden Halbgeschwister überzeugt Lyanna, sondern Davos Seaworth, ausgerechnet mit dem Hinweis auf die White Walker, die die Erwachsenen gerne als Hirngespinste abtun: „This isn't someone else's war. This is our war“, sagt er ihr. Schon zieht das junge Mädchen gemeinsam mit ihren 62 Kriegern in den Kampf.

Auch bei den Wildlingen stoßen Jon und Sansa auf offene Ohren – nicht aber beim Haus Glover. Jon will trotzdem nach Winterfell marschieren, obwohl sie zahlenmäßig Ramsay Bolton deutlich unterlegen sind. Das führt erstmals zu Streit zwischen Jon und Sansa. Aber Sansa hat recht, wenn sie gegenüber Davos skeptisch ist. Er wirkt überzeugt von der Sache, aber er war auch Stannis treu ergeben.

Wem schreibt Sansa?

Sie schreibt also einen Brief. Aber an wen? Ihren Cousin, den schwachen Lord Robin Arryn? Den Umbers, die ihren kleinen Bruder Rickon (mutmaßlich) ausgeliefert haben? Den Karstarks (die Ramsay unterstützen)? Sie benutzt jedenfalls das Siegel ihres Hauses, des Hauses Stark.

Drei Fragen habe ich bei diesem Handlungsstrang:

  • Wieso geht das alles so schnell? Kaum verhandeln Sana und Jon, schon stehen sie inmitten der Truppe im Schnee – genau dort, wo auch Stannis' Untergang begann.
  • Welche Musik wird immer wieder angespielt? Ist es das Thema des Hauses Stark, habe ich das richtig erlauscht? Was soll das Anspielen der melancholischen Melodie bedeuten?
  • Wo ist Melisandre? Sucht sie sich schon wieder einen neuen „chosen one“?

Kurze Freude für Arya

Arya schließt sich nicht der Schauspielertruppe an, wie ich dachte – sie will einfach nur heim nach Westeros. So gut gelaunt wie in der Szene, in der sie ihre Überfahrt bucht, haben wir sie schon seit Staffeln nicht mehr gesehen. Nur lässt sich Arya leider tatsächlich von ihrer Ex-Trainerin (The Waif) erwischen. Gleich mehrfach sticht diese sie in den Bauch (das Geräusch, dass diese Messerstiche machen, ist furchtbar), aber Arya entkommt. Wo soll sie jetzt hingehen? Sie kennt in Braavos ja niemanden. Und wo will sie überhaupt hingehen, falls sie überlebt (und das wird sie).

Heim nach Winterfell?

Falls ja, könnte sie rechtzeitig zur Schlacht ankommen – denn die dürfte die „große“ Schlacht dieser Staffel sein, wie ich vermute ...

Anmerkungen

  • Brother Ray ist durch „Shame“ bekehrt worden, Cersei ging den „Walk of Shame“: The Faith of the Seven ist quasi der Katholizismus vom Westeros.
  • Jaimes Druckmittel ist übrigens ein anderes als in den Büchern: da drohte Jaime, Edmures Baby (das seine Frey-Braut geboren hat) umzubringen.
  • Liebe hat keinen Platz in Westeros: Lord Glover nennt Robb Starks Ehefrau Talisa „ausländische Hure“. Glover folgt dem Ausspruch „De mortuis nil nisi bene“ offenbar nicht einmal, wenn es dabei um das Haus geht, dem er die Treue geschworen hat.
  • Riverrun und Mormont Keep auf Bear Island sind geile Burgen – mehr davon!


Zitate der Woche

  • Lord Glover: „House Stark is dead.“ Was ist mit Jon? Sansa? Arya? Bran? Rickon?
  • „Bromance“ zwischen Bronn und Jaime: „You can be the right hand I lost.“
  • Olenna Tyrell zu Cersei: „I wonder if you are the worst person I ever met.“
  • The Hound stellt philosophische Fragen: „If the gods are real, why haven't they punished me?“

 

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Redaktioneller Hinweis: Die aktuellen "Game of Thrones"-Folgen werden der Autorin vom Sender Sky zur Verfügung gestellt, der die Serie in Österreich zeigt.