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Susanne Bisovsky: Landpartie mit Wiener Mädeln

Modeschöpferin Susanne Bisovsky liebt den Blick auf Geschichte.
Modeschöpferin Susanne Bisovsky liebt den Blick auf Geschichte.(c) Valerie Voithofer
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Designerin Susanne Bisovsky widmet sich derzeit dem Wiener Mädel. Und lädt im Rahmen des Festivals Wir sind Wien zur Landpartie auf die Hausberge.

Manche Dinge hängen vom Zufall ab. Oder vom Wetter. Da hatte Peggy Siegal eben in der Wiener Kärntner Straße im Schaufenster von Swarovski Susanne Bisovskys Installation „3 Maederlhouse“ gesehen und wollte stante pede eines der Kleider kaufen. Bisovsky erklärte, das wäre leider unmöglich, sie schneidere aber übers Wochenende eines. Sofern das Wetter nicht schön sei.

Wenn es schön ist, dann ist Bisovsy nämlich auf dem Flohmarkt. Selbiger Fall trat nicht ein, Bisovsky nähte, Peggy Siegal trug Bisovski-Kreationen in Folge am Tribeca Film Festival und im Mai auf der Met Gala, jener Party für das Costume Institute des Metropolitan Museum in New York, die als wahrscheinlich wichtigster Modetermin des Jahres gilt. Siegal selbst gilt als eine der besten Netzwerkerinnen New Yorks – und als eine jener Meinungsmacherinnen im Filmgeschäft, die nominierten Kandidaten zum nötigen „Buzz“ und damit am Ende zum Oscar verhelfen. Sie will nun übrigens wiederkommen und bei Bisovsky eine große Order aufgeben. Was Letztere gemacht hätte, wenn das Wetter schön gewesen wäre? „Dann“, meint die Designerin, „hätte sie ihr Kleid eben später bekommen.“

 

Ironischer Blick auf die Stadt

Was sie am internationalen Erfolg angenehm findet, ist die Tatsache, dass man sie nicht stets unmittelbar mit Tracht assoziiert. Denn der Stil, den sie seit 25 Jahren propagiere (und damit schon in Zeiten, in denen zwar heimische Küche, nicht aber heimische Kleidung hoch im Kurs stand), werde oft missverstanden. „Dabei gibt es noch ein ganzes Spektrum an Dingen, an Eigenheiten der Stadt, die mich interessieren.“ Aber dafür brauche es mehr als ein einzelnes Schlagwort – auch wenn sie mit „Wiener Chic“ versucht, ihren oft ironischen Blick auf die Stadt und ihre Klischees zu beschreiben, ohne sich dabei durch den Heimatbezug politisch vereinnahmen zu lassen. „Soviel zu meiner gequälten Seite“, lacht Bisovsky dann beim Gespräch am Küchentisch (hinter sich Teile ihrer riesigen Sammlung an Keksdosen, die sie nicht aufhören könne zu sammeln, solange es die Dinge noch gebe). „Aber“, meint sie, „es soll ja auch um Unbeschwertheit gehen.“

Nun ist die Designerin also auch Teil von Wir sind Wien. Schon zum Auftakt des Bezirksfestivals ließ sie vorigen Mittwoch ihr „3Maederlhouse“ durch die Stadt spazieren. Am 19. Juni geht es dann mit „mindestens 30 schönen Wienerinnen“ in einer Landpartie auf den Cobenzl; es gibt Picknick, Sängerinnen und ein Fotoshooting der Models, denen im Übrigen die Handys abgenommen werden. Sie suche immer nach ungewöhnlichen Plätzen, um ihre Mode zu präsentieren, sagt Bisovsky. „Im letzten Jahr sind uns immer wieder die Wiener Hausberge ins Auge gestochen.“ Zumindest vom Auto aus: Nach den Flohmarkttouren unternehmen sie und ihr Lebensgefährte, der Schuhmacher Joseph Gerger, gern noch eine kleine Fahrt ins Grüne. Cobenzl oder Kahlenberg, haben die beiden dabei festgestellt, seien immer noch lohnende Ausflugsziele – wenngleich bei schwindendem Publikum. „In der Fünfzigern war das noch ein wichtiges Erholungsgebiet für die Wiener. Heute hat man hier relativ viel Ruhe. Was auch ein bisschen schade ist.“ Die Wienerinnen in ihrem Kopf würden übrigens durchaus aus Klischeebildern gespeist, sie sehe jedenfalls ein „goschertes Mädel“ vor sich, „mit großer Pappalatur, aber intelligent genug, ihre Verehrer in die Schranken zu weisen und auf eine frivole Art das Leben zu meistern.“

Dass sie selbst halbe Wienerin ist, hat Bisovsky dabei erst diese Woche erfahren. Sie habe sich ja immer für eine Oberösterreicherin gehalten, „aber mein Vater wurde in Wien geboren, erst dann kam die Familie über Umwege nach Steyr.“ Dessen Vorfahren wiederum waren irgendwann von Polen über Ungarn nach Österreich gekommen. „Ich spüre in mir einen slawischen Einfluss, den ich nicht begründen kann“, sagt Bisovsky, „Aber mir geht einfach das Herz auf, wenn ich diese Muster seh.“

Auf einen Blick

Susanne Bisovsky lädt am 19. Juni von 14 bis 17 Uhr zur Landpartie am Cobenzl mit Amusements, Liedgut, Postkartenidyllen und Fotoshootings. Proviant und Instrumente können mitgebracht werden. Bis 11. Juni ist ihr „Elektromagnetisches 3Maederlhouse“ bei Swarovski zu sehen. www.wirsindwien.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2016)