Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

ÖFB-Team: Österreichs Aufbruch ins große Abenteuer

Hoher Besuch im Kanzleramt: Christian Kern empfing das Nationalteam vor der Abreise zur EM nach Frankreich.
Hoher Besuch im Kanzleramt: Christian Kern empfing das Nationalteam vor der Abreise zur EM nach Frankreich.(c) APA/HERBERT NEUBAUER
  • Drucken

Erstmals für eine EM auf sportlichem Weg qualifiziert, alle Tests absolviert, Flüge und Hotels reserviert, Gegner studiert und das Gepäck verschickt – die Mannschaft mit David Alaba will das Turnier genießen – trotz aller Terrorängste.

Wien. Wer eine Reise tut, hat immer viel zu erzählen, vor allem dann, wenn der Ausflug heute beginnt und keiner genau sagen kann, wann er nach Hause kommen wird. Mit dem Auftakt der Fußball-EM in Frankreich beginnt auch für das ÖFB-Team ein Abenteuer, es warten drei Gruppenspiele gegen Ungarn (14. Juni, Bordeaux), Portugal (18. Juni, Paris) und Island (22. Juni, Paris St. Denis) und die sportliche Ungewissheit, ob denn der Weg – wie erhofft – bis ins Achtelfinale führt oder womöglich darüber hinaus.

Das ÖFB-Team bricht am Mittwoch auf in die Provence, bezieht in Mallemort das Quartier. Die Stimmung bei Alaba und Co. war sehr gut, der Empfang bei Bundeskanzler Christian Kern am Dienstag unaufgeregt bis entspannt. Beim Einchecken auf dem Flughafen greift die Logistikoffensive von Zeugwart Jovo Marjanovic. Er hat diesmal weniger zu tun als bei einem normalen Auswärtstrip.

 

Zwei Tonnen Equipment

Zwei Kisten, acht Taschen und ein Rucksack müssen verladen werden – ein Klacks im Vergleich zu jener Menge an Equipment, die normalerweise mit auf Reisen geht. Marjanovic hat bereits am Sonntag drei Transporter mit zwei Tonnen Trainings- und Match-Utensilien nach Mallemort geschickt.

Darin enthalten: 60 Bälle, 160 Paar Schuhe sowie Trainingsanzüge, Leiberln, Hosen, Socken, Regenjacken, Laufschuhe, Handtücher, Badeschlapfen, 20 Garnituren Dressen; sogar eine eigene Beflockungsmaschine, sollten Sonderwünsche bestehen. Allerdings sind auch strikte Uefa-Vorgaben einzuhalten. Das Aufwärmen vor einem Spiel muss in Trainingskleidung ohne Werbeaufdruck stattfinden. Dadurch verdoppelt sich die Menge der Trainingswäsche.

Die Spieler wirken gelassen, wohl wissend, dass das Turnier – das von Terrorangst, Streiks und Unwetterwarnungen im Vorfeld begleitet wird –, von Sicherheitsmaßnahmen getragen wird. Im Veranstalterland gilt nach den Anschlägen von Paris im vergangenen November weiterhin der Ausnahmezustand. Man wolle versuchen, das Event zu genießen. „Natürlich hat man das immer irgendwie im Hinterkopf, dass etwas passieren kann.

Aber ich glaube, wenn man von Angst geleitet ist, ist das kein guter Ratgeber“, meinte Marc Janko. „Wir haben größtes Vertrauen in die Sicherheitskräfte, die uns dort bewachen werden. Ich glaube auf keinen Fall, dass man da jetzt mit Angst hinfahren sollte.“

 

Auch Europol ist im Einsatz

Die Stadien selbst werden zur Hochsicherheitszone. Zuschauer müssen zig Kontrollen über sich ergehen lassen. Bei der Anschlagserie von Paris am 13. November hatten sich drei Selbstmordattentäter während des Testspiels Frankreichs gegen Deutschland im Umfeld des Stade de France in die Luft gesprengt. Janko lässt sich davon nicht einschüchtern, der 32-Jährige sagt: „Es ist wichtig, dass man immer wieder kommuniziert, dass man sich nicht von dieser Gruppe Menschen das Leben diktieren lässt. In dem Fall heißt das, an der EM teilnehmen und Spaß haben.“

Größere Gefahr als in den Stadien orten einige ÖFB-Teamspieler auf öffentlichen Plätzen oder in den diversen Fanmeilen der jeweiligen Euro-City. „Ich glaube, dass wir sehr gut umsorgt werden“, sagt dazu etwa Stuttgart-Angreifer Martin Harnik. „Mehr Sorgen als um mich mache ich mir um meine Familie. Ich möchte sie in Frankreich dabeihaben. Da sind die Bedenken größer als um meine eigene Sicherheit.“

Neben 72.000 Polizisten, Militär und privaten Sicherheitskräften bringt sich auch die Polizeiagentur Europol ein, stellt Mitarbeiter für das Zentrum für internationale Polizeizusammenarbeit (IPCC) ab. Sie sollen bei der Aufdeckung von Bedrohungen durch Terroristen – aber vor allem im Bereich Taschendiebstahl und Ticketfälschungen arbeiten. (fin)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2016)