Laut einer Studie sind US-Bankinstitute weiterhin weniger wert als ihre chinesischen Konkurrenten. Die UniCredit, Mutterkonzern der Bank Austria, landete auf Platz 22. Wie lange wird dieser Status anhalten?
wien (ker).Wer sich im Vorjahr Bankaktien zugelegt hat, wird noch immer jammern. Im Jahr 2008 halbierte sich der Börsenwert der Banken weltweit von acht auf vier Billionen US-Dollar (2,8 Billionen Euro).
Seit Februar 2009 nehmen die Geldhäuser wieder an Fahrt auf, ihr Wert ist seither um 26 Prozent auf fünf Billionen Dollar gestiegen (Stand: 30. Juni). Das Niveau von vor der Krise haben sie aber noch lange nicht erreicht.
Die Finanzkrise hat zu einer Machtverschiebung von West nach Ost geführt. Die US-Großbanken wie die Bank of America, Goldman Sachs oder JP Morgan Chase, die für viele Jahre als unantastbar galten, sind zwar noch immer unter den größten zehn. An der Spitze stehen aber seit Ende 2008 Bankinstitute aus China: Neben der ICBC (Börsenwert: 257 Mrd. Dollar) und der China Construction Bank (182 Mrd. Dollar) rückte nun auch die Bank of China (153 Mrd. Dollar) zu den drei wertvollsten Kreditinstituten der Welt auf.
Erfolgsrezept von Chinas Banken
Der Aufschwung der chinesischen Banken ist die Folge eines Börsenbooms, den sie selbst angeheizt haben. Die chinesischen Kreditinstitute haben seit Jahresbeginn billige Kredite in Milliardenhöhe – umgerechnet in Euro – vergeben. Das ist dreimal so viel wie im Jahr davor. Durch die Geldschwemme ist Chinas Wirtschaft im zweiten Quartal 2009 (im Vergleich zum Vorjahr) um acht Prozent gewachsen. Das hat den Börsen Flügeln verliehen.
UniCredit im Spitzenfeld
Der Baukonzern China State Construction Engineering Group etwa wagte zuletzt den Gang an die Börse. Die Aktie legte an ihrem ersten Handelstag um 65 Prozent zu.
Von der aktuellen Hochstimmung an den Aktienmärkten profitieren natürlich auch die Banken selbst – ihre Aktienkurse sind zuletzt übermäßig stark gestiegen. Ob sich China noch lange an der Spitze der teuersten Banken halten kann, wird von Marktbeobachtern stark bezweifelt. Sie sehen im derzeitigen Börsenboom eine große Kreditblase heranwachsen.
Spätestens dann, wenn die Banken die Zinsschraube wieder anziehen müssen und kein billiges Geld mehr in den Markt pumpen, wird die Blase wieder platzen. Chinas Banken würden dann massiv an Börsenwert verlieren.
Das teuerste Bankhaus nach den chinesischen ist ein britisches: Die HSBC war zuletzt 140 Mrd. Dollar wert.
Das einzige Institut in dem Ranking mit Österreich-Bezug ist die UniCredit. Sie ist der Mutterkonzern der Bank Austria und landet auf Rang 22.
Aus dem Kursanstieg der Großbanken seit Februar könne man aber noch keine wertvollen Schlüsse ziehen, sagt Lars-Uwe Luther, Geschäftsführer der Boston Consulting Group in Berlin.
„Aufatmen ist noch zu früh“
„Die Auswirkungen der realwirtschaftlichen Krise – mit einer zunehmenden Anzahl an Insolvenzen und einer höheren Kreditausfallquote – schlagen sich erst jetzt in den Bankbüchern nieder. Daher ist ein Aufatmen noch verfrüht.“ In welche Richtung sich die Branche zukünftig bewegen wird, könne man noch nicht sagen.
auf einen blick
■Die chinesischen Banken sind laut einer Studie der Boston Consulting Group seit Ende 2008 die wertvollsten der Welt. Die US-Banken liegen mit niedrigeren Börsenwerten zurück.
■Wie lange der Aufschwung der chinesischen Geldhäuser anhält, ist fraglich. Seit Jahresbeginn boomt der chinesische Aktienmarkt. Marktbeobachter sehen darin eine große Kreditblase, die bald platzen könnte.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2009)