Teamchef Dietmar Constantini akzeptiert Alexander Manningers Rücktritt und sieht das Kapitel als abgeschlossen an. Er setzt auf zwei junge Rapidler: Christopher Drazan und Christopher Trimmel.
WIEN. Fußballteamchef Dietmar Constantini hat bei offiziellen Anlässen seine ganz eigene Art zu sprechen entwickelt. Er bringt seine Statements mit dem Hang zum Granteln knapp, ohne Umscheife, so, als wären sie Merksätze. Vor dem freundschaftlichen Länderspiel gegen Kamerun kommenden Mittwoch (20:30 Uhr) in Klagenfurt formulierte er drei davon.
Erstens: Es gibt es kein Freundschaftsspiel. Jede als freundschaftliches Ländermatch titulierte Begegnung sei ein Qualifikationsspiel – für jeden einzelnen Spieler gehe es darum, sich zu qualifizieren. Zum Beispiel für WM-Qualifikationsmatches, wie sie heuer noch gegen Färöer und Rumänien im September und Litauen und Frankreich im Oktober stattfinden.
Zweitens: Es gibt es keine Nummer eins, sprich: Es gibt keinen Stammtorhüter. Die Genesis dieser Doktrin stellt ein Telefonat dar, das Constantini mit Alexander Manninger führte: Der Teamchef wollte dem Legionär bei Juventus Turin mitteilen, dass er im Aufgebot für das Kamerun-Spiel stehe, als ihm Manninger erklärte, sich aus der Nationalmannschaft zurückziehen zu wollen.
Machos Chance auf ein Leiberl
Constantini berief daher Helge Payer, Andreas Schranz und den aktuell vereinslosen Jürgen Macho ein und ließ durchklingen, Letzterem trotz fehlender Spielpraxis mit einem Einsatz helfen zu wollen. Für ihn sei jeder in diesem Trio gleichberechtigt, wer tatsächlich zum Einsatz komme, werde er vor dem Spiel bekannt geben. Auf eine Nummer eins will er sich aus mehreren Gründen nicht festlegen. Einerseits müsste jeder Einberufene genug Selbstvertrauen haben, um nicht im Vorhinein wissen zu müssen, dass er das Einser-Leiberl trage. Zum anderen: Was passiere, wenn die Nummer eins verletzungsbedingt ausfalle? Solle seine Mannschaft dann mit einer Nummer zwei antreten?
Die Diskussion erinnert ein wenig an die Situation vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Rumänien am 1. April. Damals hat Constantini Andreas Ivanschitz die Kapitänsschleife abgenommen und zur Kapitänsfrage gemeint: „Es gibt keine Hierarchie, und es ist auch nicht der Plan, eine zu installieren.“ Machtverhältnisse, so der Teamchef damals, ergäben sich von selbst. So scheint er es auch in der Goaliefrage zu sehen.
Manninger hat am 18. August 1999 in Malmö gegen Schweden sein Teamdebüt gegeben und hat es in zehn Jahren auf 33 Einsätze gebracht, zuletzt unter Teamchef Karel Brückner im Februar 2009 ebenfalls gegen Schweden.
Constantini gegenüber hat sich Manninger enttäuscht gezeigt, gegen Serbien nicht eingesetzt worden zu sein. Weil er, Manninger, im Team keinen Fixplatz erhalte, wolle er sich lieber auf seinen Klub Juventus konzentrieren.
Für Constantini ist das Kapitel Manninger damit endgültig abgeschlossen, und er formuliert den dritten Merksatz als Frage: „Soll ich vor ihm auf den Knien rutschen und ihn bitten?“
Zwei talentierte Newcomer
Lieber setzt er auf neue, junge Spieler: Auf den erst 18-jährigen Rapidler Christopher Drazan und dessen 22-jährigen Teamkollegen Christopher Trimmel, der erst am Wochenende mit einem „Blitz-Hattrick“ gegen Kärnten auf sich aufmerksam gemacht hat. Er brauche schnelle und technisch versierte Spieler wie Trimmel, um international mithalten zu können. Auf Drazan baue er trotz dessen Jugend, weil „von zehn seiner Flanken acht ankommen“.
Nicht dabei sein werden verletzungsbedingt Martin Stranzl, Marko Arnautovic, Ekrem Dag und Jürgen Säumel. Zu Emanuel Pogatetz habe er den Kontakt verloren, Ivanschitz einzuberufen, sei derzeit kein Thema. Sebastian Prödl wurde am Donnerstag nachnominiert. Der Verteidiger von Werder Bremen hatte einen Großteil der Vorbereitung wegen einer Virus-Erkrankung verpasst, bekam aber nach einem abschließenden Gespräch mit den Verantwortlichen des Vereins die Freigabe. "Ich bin sehr glücklich, dass ich vom Teamchef noch nachberufen wurde", sagte Prödl in einer ÖFB-Aussendung.
Tor: Jürgen Macho (Vereinslos/17 Länderspiele/15 Gegentore), Helge Payer (Rapid Wien/15/19), Andreas Schranz (Austria Kärnten/6/4)
Verteidigung: Aleksandar Dragovic (Austria Wien/1 Länderspiel/0 Tore), György Garics (Atalanta Bergamo/ITA/21/1), Andreas Ibertsberger (1899 Hoffenheim/GER/14/1), Manuel Ortlechner (Austria Wien/3/0), Franz Schiemer (Red Bull Salzburg/7/0), Sebastian Prödl (Werder Bremen/20/2)
Mittelfeld: Paul Scharner (Wigan Athletic/ENG/24/0), Christopher Drazan (Rapid Wien/0/0), Christian Fuchs (VfL Bochum/GER/24/0), Andreas Hölzl (Sturm Graz/5/2), Jakob Jantscher (Sturm Graz/1/0), Zlatko Junuzovic (Austria Wien/4/0), Christoph Leitgeb (Red Bull Salzburg/24/0), Yasin Pehlivan (Rapid Wien/2/0), Christopher Trimmel (Rapid Wien/0/0)
Sturm: Erwin Hoffer (Napoli/ITA/11/2), Marc Janko (Red Bull Salzburg/9/3), Stefan Maierhofer (Rapid Wien/5/0), Rubin Okotie (Austria Wien/4/0)
Auf Abruf: Florian Klein (Austria Wien/0/0), Ümit Korkmaz (Eintracht Frankfurt/GER/6/0), Stefan Lexa (SV Ried/6/0), Andreas Ulmer (Red Bull Salzburg/1/0), Manuel Weber (Austria Kärnten/0/0), Roman Wallner (Lask/23/5)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2009)