Andritz: Wenig Gewinn, aber viel Geld für Zukäufe in der Kasse

(c) Andritz

Der Konzern meistert die Krise in Österreich ohne Kurzarbeit, baut aber im Ausland Personal ab.

Wien (eid). Da dürfte andere Manager der blanke Neid fressen: „Wir haben 845 Mio. Euro auf dem Sparbuch und haben daher genug Geld für Akquisitionen“, sagte Andritz-Chef Wolfgang Leitner am Freitag mit der üblichen Bescheidenheit. In der Krise gebe es günstige Gelegenheiten. Im Visier hat Leitner, der 29 Prozent am Grazer Anlagenbauer hält, mittelständische und größere Unternehmen in den fünf Geschäftssparten Wasserkraft, Papier und Zellstoff, Stahl, Umwelttechnik und Lebensmittel.

Besonderes Augenmerk legt Leitner auf die Wasserkraft. „Das ist die erprobteste und billigste aller erneuerbaren Energien.“ Aufgrund der stark steigenden Nachfrage nach erneuerbaren Energien werde der Bedarf für Wasserkraft in den kommenden Jahren rasch wachsen. Mit dem Kauf der VA Tech Hydro von Siemens (der deutsche Konzern musste den Bereich nach der Übernahme der VA Tech aus Kartellgründen abgeben) ist Andritz zu einem großen Anbieter aufgestiegen. Im Vorjahr wurde die Mehrheit der Hydrosparte von General Electric übernommen.

Nicht alle Projekte machen Freude: Nach dem Ausstieg der Exportkreditversicherer aus dem Megastaudammprojekt Ilisu in der Türkei, bei dem Andritz Konsortialführer gewesen wäre, wartet man auf die Entscheidung der türkischen Kunden. „Wir achten natürlich auf Standards, aber wir können nicht einfach Aufträge ablehnen, nur weil eine Nichtregierungsorganisation (NGO) dagegen ist – da verlieren wir unsere Glaubwürdigkeit bei den Kunden“, sagte Leitner zu den scharfen Protesten, die Ilisu von Anbeginn begleiteten.

 

Papiermaschinen kaum gefragt

Der Boom im Hydrobereich ist auch der Grund, warum sich Andritz bisher in der Krise „sehr gut gehalten“ hat und für einen möglichen Aufschwung gut gerüstet ist. Während der Bereich Wasserkraft im ersten Halbjahr 2009 ein Umsatzplus von 32,6 Prozent verzeichnete, sackten die Erlöse aus Maschinen für die Papier- und Zellstoffindustrie um 30,5 Prozent ab. In Summe fiel der Umsatz um 4,6 Prozent auf 1,574 Mrd. Euro.

Viel deutlicher war die Einbuße beim Ergebnis: Der Nettogewinn halbierte sich auf 32,5 Mio. Euro, operativ verdiente Andritz mit 52 Mio. Euro um 49 Prozent weniger. Im zweiten Quartal sackte das Konzernergebnis um 83 Prozent, das Betriebsergebnis um 82 Prozent ab. Damit dürfte allerdings das Schlimmste überstanden sein, gab sich Leitner vorsichtig optimistisch. Er bestätigte die frühere Prognose eines 15-prozentigen Umsatzrückgangs.

Die Zahlen liegen unter den Erwartungen der Analysten, was die Aktie spürte: Das Papier, das seit Februar Wertzuwächse verzeichnet, verlor am Freitag 2,7 Prozent. Was die Analysten nicht berücksichtigten: Leitner hat für Restrukturierungsmaßnahmen 24 Mio. Euro rückgestellt. Diese betreffen die Unterauslastung von Werken und die Reduktion des Mitarbeiterstandes vor allem im Bereich Papier und Zellstoff in Nordeuropa, Nordamerika und Brasilien. Allein durch Fluktuation reduziere sich der Personalstand von 13.400 um rund 500 Beschäftigte. In Österreich, wo 2500 Personen arbeiten, sei kein Abbau geplant. Und: „Wir haben keine Kurzarbeit und werden aus jetziger Sicht auch keine in Anspruch nehmen.“ Bei einem Auftragsstand von 4,426 Mrd. Euro ist das verständlich.

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