Earvin Johnson gilt als einer der besten Basketballer aller Zeiten. 1991 gab der Amerikaner als erster Sportstar seine HIV-Erkrankung öffentlich bekannt. Seit 18 Jahren kämpft er bereits gegen das Virus.
Wenn Earvin „Magic“ Johnson in der Arena „The Forum“ von Inglewood, Los Angeles, aufs Parkett lief, brandete tosender Applaus auf. Der Basketballer mit der Rückennummer 32 war der Liebling der Massen. Der 2,06 Meter große Spieler faszinierte mit akrobatischen Pässen, er brillierte mit seinen Finten und Würfen. Seine Gegner verzweifelten, gegen „Magic“ waren alle auf verlorenem Posten. Wenn er den Ball hatte, waren die Lakers zumeist auf der Siegerstraße. Sein breites Grinsen verbreitete in Amerika Freude und überstrahlte Anfang der 80er in Los Angeles sogar fünf Meisterfeiern. „Magic“ war für alle Basketball-Fans ein Held.
Mit dieser Spielweise verhalf er der National Basketball Association 1979 aus ihrer tiefsten Krise. Die Einschaltquoten waren im Keller, der von Schwarzen geprägte Sport hatte zusehends an Gewicht im Vergleich mit Baseball oder Eishockey verloren. Mit Johnson wendete sich das Blatt. Basketball war wieder der Kassenschlager und modern, egal, ob der Spieler eine dunkle oder helle Hautfarbe hatte.
Es war eine heile Welt, wie sie Amerika liebt. Stars verdienen Dollarmillionen, haben Erfolg und Sportler führen ein Leben wie Hollywoodgrößen. Die Basketballszene glaubte an den American Dream, bis zum 7.November 1991. Johnson erklärte auf einer Pressekonferenz seinen Rücktritt. Bei einer Routineuntersuchung hatte der Klubarzt Bluttests durchgeführt und bei ihm das HI-Virus entdeckt. Amerika war entsetzt, „Magic“ am Boden zerstört. Seine Magie schien erloschen.
Das Virus hatte den bis dato unantastbaren Sport erreicht. Denn Johnson war der erste Star, der sich öffentlich dazu bekannt hatte. Noch am gleichen Tag gab er bekannt, dass seine Frau Cookie und das ungeborene Kind das Virus nicht in sich tragen.
Während Skandalschlagzeilen auf Johnson niederprasselten, nahm er den „Kampf gegen diese tödliche Krankheit“ auf. Zunächst bestritt er aber vehement, zu wissen, wie und wo er sich angesteckt haben könnte. Dann aber brach er nach und nach sein Schweigen, mit über tausend Frauen soll er Sex gehabt haben. Oft ungeschützt, das sei sein „größter Fehler gewesen, niemals gutzumachen, für immer mein Verhängnis“.
Gerüchte, wonach er schwul oder bisexuell sei, verstummten schnell, als sich der gefallene Basketballstar mit aller Kraft gegen Aids, HIV, Angst und Vorurteile zu stemmen begann. Er investierte Millionen in seine 1991 gegründete Magic Johnson Foundation und unterstützte Wissenschaftler in ihrer Forschung. Er schrieb ein Buch über „Safer Sex“ und wurde UN-Botschafter. „Aids ist keine Krankheit von Homosexuellen“, lautete damals einer der Slogans seiner Anti-Aids-Kampagnen. „Die Ansteckung erfolgt nicht durch Schweiß, auch nicht durch Speichel, sondern durch Sperma und Blut.“
Seine Fans hörten die Botschaft ebenso wie Politiker, Freunde wie Michael Jackson („Magic“ erhielt eine Gastrolle im Video zu „Remember the Time“) und Funktionäre der Sportwelt. Johnson war plötzlich kein Geächteter oder „Aussätziger“ mehr, er war zu einem Symbol, einer strahlenden Leitfigur geworden. Auch bei den Olympischen Spielen in Barcelona, 1992, durfte er mitspielen im Dream-Team. Seine Gegner standen Schlange, um Fotos und Autogramme zu erhalten. Johnson machte dabei wichtige Werbung für die Aidshilfe.
In der National Basketball Association, in seiner Heimat, aber wurden sukzessive immer mehr Stimmen gegen ihn laut. „Was passiert, wenn er eine offene Wunde hat?“, fragte etwa sein langjähriger Gegenspieler Karl Malone (Utah Jazz). Die Angst vor einer Ansteckung konnte selbst „Magic“ nicht aufhalten, auch stieg schlagartig der mediale Druck auf den Familienvater wieder. Seine (zwei) sportlichen Comebackversuche endeten jäh, sein Feldzug gegen die Krankheit aber geht bis heute weiter. Er nimmt täglich Medikamente (GlaxoSmithKline, Abbott Laboratories), hält sich mit Training fit – und zählt zu jener Kategorie von HIV-Infizierten, bei denen das Virus in seiner Entwicklung zum Krankheitsausbruch gehemmt ist.
Als 32-Jähriger stand der magische Basketballer mit der Rückennummer 32 über Nacht vor einem Scherbenhaufen, nahezu ganz allein auf sich gestellt. Heute, als 50-Jähriger, führt er ein geordnetes Leben.
Mit der Gesellschaft Magic Johnson Enterprises (Wert: 800 Millionen Dollar) betreibt er Kinos, Starbucks-Cafés und Burger-King-Filialen. Zudem ist er ein gut gebuchter Redner bei Motivationsseminaren und Aktionsgruppen, die sich in der Aids-Hilfe engagieren. Seine Stiftung vergibt Stipendien an schwarze Highschool-Schüler und liefert Computer in die Ghettos. Johnson unterstützt die Demokraten, versuchte Hillary Clinton im Wahlkampf zu helfen und wirkt als TV-Experte für ESPN bei NBA-Spielen. Seine Energie wirkt nahezu unermüdlich.
Magic Johnson hat drei Kinder, Elisa wurde 1995 adoptiert. Und auch ihnen predigt er Tag und Nacht die Botschaft, wie er sie seit dem 7. November 1991 weltweit verkündet: „Habt geschützten Sex, informiert euch über Aids. Je mehr Informationen ihr darüber habt, desto bessere Entscheidungen könnt ihr treffen.“
Der Magier auf dem Basketballfeld
Der Sohn eines Fließbandarbeiters
Earvin Johnson wird am 14. August 1959 als sechstes von zehn Kindern eines Fließbandarbeiters bei General Motors in Lansing, Michigan, geboren.
Seit der Highschool als „Magic“ gepriesen
Als 15-jähriger Highschool-Spieler erhält er den Spitznamen „Magic“ verliehen.Mit der Michigan State University gewinnt er 1979 die NCAA-Meisterschaft.
Der Star der LA Lakers – it's Showtime in Hollywood
Neben Larry Bird avanciert Johnson zum NBA-Superstar. Er glänzt mit Pässen und Würfen, die LA Lakers gewinnen mit ihm fünfmal den Titel (80, 82, 85, 87, 88).
HIV – Amerika ist geschockt
Am 7. November 1991 erklärt Johnson, HIV-positiv getestet worden zu sein, und er gibt sein Karriereende bekannt. Seitdem kämpft er gegen das tödliche Virus.
Der letzte große Auftritt im Dream-Team von Barcelona 1992
Bei den Olympischen Spielen von Barcelona 1992 verabschiedet sich Johnson mit Gold von der Weltbühne des Basketballs. Kurze Comebacks scheitern; als Kritik und Bedenken von Gegenspielern laut werden, hört er 1993 endgültig auf.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2009)