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„Stolz und Vorurteil und Zombies“: Tea Time mit den Untoten

(c) Constantin
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Jane Austen mit Schockeffekt bietet der Film „Stolz und Vorurteil und Zombies“: Sein Misserfolg setzt hoffentlich dem mehrwertfreien Mash-up-Kino ein Ende.

Love & Friendship“, nennt Whit Stillman, ein großer Unterschätzter des unabhängigen US-Kinos, sarkastisch seine Bearbeitung des eher unbekannten Jane-Austen-Romans „Lady Susan“, die leider noch nicht in österreichischen Kinos zu sehen ist. Im Liebesspiel der titelgebenden Dame, gespielt von Kate Beckinsale, ist nämlich nichts lieblich und freundschaftlich. Wenige Jane-Austen-Verfilmungen sind so geglückt wie diese, Stillman lässt den famos hintergründigen Dialogen genug Raum, um Nuancen zu entfalten.

Genau das Gegenteil bietet der diese Woche anlaufende Film „Stolz und Vorurteil und Zombies“. Der zugrunde liegende Roman, eine Hochkonzeptklamotte von Seth Grahame-Smith, entwickelte sich 2009 zum Bestseller, wohl weil er Austens (immer noch moderne) Texte mit Untoten-Schockeffekten versetzte und sie damit popkulturell zugänglich machte. Regisseur Burr Steers, abonniert auf Fernsehserienarbeit und Zac-Efron-Filme, hatte jetzt die undankbare Aufgabe, diese Suppe in einen Kinofilm zu verwandeln. Eine Brühe ist daraus geworden, nicht gänzlich ungenießbar, aber ohne Finessen.

Die Pesttoten stehen wieder auf

Die grundlegende Situierung des aristokratischen Balztanzes ist gleich geblieben, nur wird die Abfolge von Bällen, Dinners und Nachmittagstees durch die nach der Pestepidemie wieder auferstandenen Toten aus dem Gleichgewicht gebracht. Mittendrin die reizende Elizabeth Bennet (etwas zu lieblich: Lily James), die vom arroganten Colonel Darcy (toll: Sam Riley) genauso umworben wird wie vom charmanten Soldaten Wickham (Jack Huston aus „Boardwalk Empire“). Anfänglich hat die unorthodoxe Allianz noch kuriosen Charme: Etwa wenn Darcy mit Fliegen einen unerkannten Zombie im Esszimmer ausforscht und ihn unschädlich macht, der Reaktion der versammelten Gesellschaft nach ein nicht wirklich ungewöhnlicher Vorfall. Oder wenn die Bennet-Schwestern auf dem Ball der aufs Nachbaranwesen gezogenen Bingleys die einfallenden Untoten mit in China erlernter Schwertkampfkunst dezimieren. Der Reiz ergibt sich aber nicht aus einer wechselseitigen Befruchtung der diversen Elemente, sondern nur aus den banalen Funken, die durch den Reibeeffekt entstehen. Austens Erzählung erfährt keine neuen Tonlagen, wird nur vulgarisiert: Die meisten Nuancen und jeder satirische Feinschliff sind eliminiert, grobschlächtige parodistische Elemente eingefügt. Kurzzeitige Ablenkung verschafft immerhin die zur einäugigen Zombieschlächterin umgedeutete Lady Catherine de Bourgh, herrlich Gift und Galle spuckend auf den Punkt gespielt von Lena Headey (Cersei Lannister aus „Game of Thrones“).

Für Natalie Portman, eine der Produzentinnen, macht sich das Investment wohl nicht bezahlt. Das zahlende US-Publikum ignorierte den Film, kein Wunder – dessen Blutleere erfreut keinen Horrorfan, zugleich ist der Film zu räudig für Freunde gepflegter Kostümfilme. Bleibt zu hoffen, dass das mehrwertfreie Mash-up-Kino nach dem finanziellen Scheitern von „Abraham Lincoln Vampirjäger“ (2012, nach einem weiteren Grahame-Smith-Buch) und „Stolz und Vorurteil und Zombies“ nun Geschichte ist – und nicht wieder einmal von den Toten aufersteht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.06.2016)

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