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Identitäre wollen nach ihrer Uni-Störaktion Rektor anzeigen

Eine Aufnahme der ''Identitären'', die die Störaktion zeigt.
Eine Aufnahme der ''Identitären'', die die Störaktion zeigt.APA / IDENTITÄRE BEWEGUNG ÖSTERREICH

Die Identitären werfen dem Rektor unter anderem Körperverletzung vor. Der Verfassungsschutz ermittelt indes "mit Hochdruck". Auch ein ehemaliger FPÖ-Kommunalpolitiker protestierte mit den Identitären.

Nach ihrer Störaktion bei einer Uni-Vorlesung in Klagenfurt vom Donnerstag kündigt die Identitäre Bewegung am Freitag eine Strafanzeige gegen Rektor Oliver Vitouch an. Die rechten Aktivisten werfen dem Rektor in einer Aussendung Sachbeschädigung, Körperverletzung und Nötigung vor. Dass Vitouch seinerseits angegriffen und auch geschlagen worden war, bestreiten die Identitären hingegen.

Es habe kein aggressives Verhalten der "Aktivisten" gegeben, sagte Identitären-Sprecher Patrick Lenart. Im Gegenteil habe der Rektor "äußerst aggressiv" auf die friedliche Aktion reagiert. Im Zuge dessen sei ein T-Shirt komplett zerrissen worden, ein "Aktivist" habe eine leichte Verletzung erlitten. Dies sei "einem Rektor unwürdig". Die Einbringung der Anzeige wurde für den Nachmittag angekündigt. Lenart bestätigte am Freitag auch, dass ein Teilnehmer der Störaktion ein ehemaliger FPÖ-Kommunalpolitiker aus Graz gewesen sei. "Ja, er war dabei", sagte Lenart auf die Frage, ob entsprechende Medienberichte korrekt seien.

Verfassungsschutz ermittelt "mit Hochdruck"

Nach der Aktion, bei der teils maskierte Aktivisten eine Uni-Vorlesung stürmten und eine Steinigung nachstellten, ermittelt das Landesamt für Verfassungsschutz "mit Hochdruck", wie dessen Leiter Helmut Mayer am Freitag erklärte: "Es gibt zahlreiche konkrete Hinweise auf Personen, da ja nicht alle maskiert waren." Die Störaktion löste auch zahlreiche politische Reaktionen aus.

Die Verfassungsschützer sind momentan dabei, das umfangreiche Material zu sichten. Ein wenig Sorgen macht ihnen ein für den Montag angesetzter Workshop an der Universität zum Thema "Integration und Medien". "Wir werden diese Veranstaltung jedenfalls überwachen", kündigte Mayer an. Keine Zwischenfälle erwartet er hingegen bei der für Freitagabend angesetzten Kellertheater-Premiere des Stücks "Die Schutzbefohlenen" von Elfriede Jelinek, das von Studenten des Konservatoriums aufgeführt wird. "Wir rechnen nicht mit Störaktionen", sagte Mayer.

Kritik aus der Politik

Als "Respektlosigkeit sondergleichen" verurteilte die Landessprecherin der Kärntner Grünen, Marion Mitsche, die Identitären-Aktion. Sie begrüße es, dass die Universität sich von dem Vorfall nicht einschüchtern lasse. "Rechtsradikaler Hetze muss jede und jeder Einzelne von uns entschieden entgegentreten", erklärte sie in einer Aussendung. Klagenfurts SPÖ-Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz zeigte sich "zutiefst schockiert" über ein solch aggressives Vorgehen. Derartiges habe in der Landeshauptstadt und anderorts nichts verloren, so die Bürgermeisterin in einer Aussendung. Untragbare Dinge wie diese müssten mit den Mitteln der Demokratie verhindert werden.

Rektor Vitouch wandte sich mit einem Mail an die Studierenden der Universität. Er rief dazu auf, sich durch diese "erbärmliche Aktion" nicht einschüchtern zu lassen: "Ganz offensichtlich wollen die selbst ernannten 'Aktivisten' die an den Universitäten gelebten Werte und Prinzipien attackieren. Das wird ihnen nicht gelingen." Man werde sich von dergleichen Inszenierungen weder einschüchtern noch verunsichern lassen. Die ÖH schlug in die selbe Kerbe und unterstrich, man werde sich nicht abhalten lassen, Projekte wie diese Lehrveranstaltung weiterhin zu fördern, denn: "Wir sind stolz auf die Interkulturalität an der Universität Klagenfurt."

"Vergiftung öffentlicher Diskurse"

Auch Universitätsprofessor Hans Karl Peterlini, der seit 2014 den Lehrstuhl Allgemeine Erziehungswissenschaft und Interkulturelle Bildung an der Universität Klagenfurt innehat, solidarisierte sich im Namen des Instituts für Bildungswissenschaften, aber auch persönlich mit dem Leiter der Lehrveranstaltung "Flucht, Asyl, Migration", Daniel Wutti, dessen Vorlesung von den Identitären gestürmt worden war. Peterlini: "Der Vorfall zeigt, wie weit die Vergiftung öffentlicher Diskurse in der Frage der Flüchtlingsbewegungen fortgeschritten ist, wie gefährlich die gesellschaftlichen Bruchlinien aufklaffen, wie fertil der Boden für rechtsextremes und inhumanes Gedankengut und nachfolgende Gewaltakte immer noch und wieder ist." Dem müsse sich auch die Wissenschaft stellen, forderte er.

(APA)