Nach fünf Jahren stetiger Aufwärtstrends schrieb ein Drittel der 36 Erst- und Zweitligisten zum Abschluss der Saison 2008/09 rote Zahlen. Nun könnte Mäzenen und Investoren der Einstieg erleichtert werden.
FRANKFURT (ag./mhk). Die fetten Jahre, so scheint es, sind für den deutschen Klubfußball vorbei. Zum bei den Nachbarn herbeigesehnten Start der Bundesliga wurden Zahlen präsentiert, die Fußballfreunden alles andere als gefallen. Nach fünf Jahren stetiger Aufwärtstrends in den Buchhaltungen der 36 Erst- und Zweitligisten ergab sich 2009 die Trendumkehr: Ein Drittel der Vereine schrieb nach eigenen Angaben zum Abschluss der Saison 2008/09 rote Zahlen. Gleich 53 Prozent gehen von einem weiteren Einnahmerückgang in der kommenden Saison aus.
34 der 36 Klubs nahmen an der zum sechsten Mal anonym durchgeführten Befragung durch das Beratungsunternehmen Ernst & Young teil. Während im Vorjahr noch 73 Prozent der Manager eine Verbesserung der Lage prognostiziert hatten, rechnen nun 56 Prozent mit einer Verschlechterung.
Vor allem im Sponsoringbereich müssen die Vereine Abstriche machen. 30 Prozent erwarten rückläufige Einnahmen aus Banden- und Trikotwerbung sowie dem Verkauf von Businesspaketen und VIP-Logen.
Als erster Bundesligaverein hatte Eintracht Frankfurt, der Klub des Österreichers Ümit Korkmaz, vor einigen Wochen die Probleme auf diesem Geschäftsfeld öffentlich gemacht. Den Hessen fehlen aus Logenverkauf und TV-Einnahmen rund fünf Millionen Euro im Vergleich zur Vorsaison. „Mich hat überrascht, wie viele Klubs einen ehrlichen Blick in die Zukunft geworfen und negative Erwartungen geäußert haben. Die Manager waren erfreulich offen. Es ist ein deutlicher Stimmungswechsel in der Bundesliga festzustellen“, sagte Studienautor Arnd Hovemann der Nachrichtenagentur dpa.
Allerdings erwartet Hovemann, dass sich die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf den deutschen Profifußball in Grenzen halten werden. „Die Annahme, dass Klubs in Insolvenzgefahr geraten könnten, wäre weit überzogen. Die Bundesliga hat in der vergangenen Saison wieder einen Zuschauerrekord verzeichnet. Sie bleibt grundsätzlich ein sehr interessantes Werbeumfeld für Unternehmen“, erklärte Hovemann. Kurzfristig aber haben sich die Klubs auf eine schwere Saison eingestellt und treten auf die Kostenbremse. Vor allem beim Personal soll der Rotstift angesetzt werden. 35 Prozent der Vereine wollen weniger für Transfers ausgeben, nur zwölf Prozent planen höhere Ausgaben. Die Spielergehälter sollen bei einem Drittel der Klubs gekürzt werden, 38 Prozent erwarten steigende Kosten. Im Vorjahr waren es noch 70 Prozent.
„50+1-Regel“ unter Beschuss
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zahlreicher Klubs eröffnen in Deutschland eine neue Diskussion über die Zulassung finanzkräftiger Geldgeber. Der Finanzbedarf sei vorhanden, „die Frage ist, wie können wir seriöses Kapital in die Liga führen“, meinte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, Christian Seifert, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Anders als in England gilt die sogenannte „50+1-Regel“. Ihr gehorchend muss eine Mehrheit von 50 Prozent plus einem Anteil an den überwiegend als Kapitalgesellschaften geführten Bundesligisten beim dahinterstehenden Verein liegen. Eine Hürde, die etwa auch Red Bull beim Einstieg in Leipzig zu beachten hat. Ausnahmen gibt es lediglich für die traditionellen „Werksklubs“ aus Wolfsburg (Volkswagen) und Leverkusen (Bayer).
Einmal mehr ist diese „50+1-Regel“ nun unter Beschuss gekommen. Besonders kleinere Klubs erwarten sich durch ihren Wegfall mehr Wettbewerbsfähigkeit. Seifert hält den Trend, sich an Mäzene zu klammern, wie es schon jetzt viele Klubs tun, für nicht ungefährlich: „Den ersten Investor sucht man sich aus – den zweiten möglicherweise nicht mehr.“
Hoffnung auf große Renditen macht der Ligamanager Geldgebern nicht: „Wir reden meistens über Mäzene, aber ganz sicher nicht über Investoren. Es ist kein Zufall, dass die großen US-Sportinvestoren bisher kaum im europäischen Fußball tätig sind.“
Weniger inländisches TV-Geld
Zudem mussten die Klubs bei den Einnahmen aus den Fernsehrechten im Inland Abstriche machen. Diese seien aber durch Mehrerlöse aus dem Ausland und dem Merchandising fast ausgeglichen worden. Insgesamt, so Seifert, sei die deutsche Liga weniger von Fernsehgeldern abhängig als andere europäische Ligen. Die TV-Rechte machten nur ein Drittel der Einnahmen von rund 1,9 Milliarden Euro aus. Der Bezahlfernsehsender Sky etwa gebe ein Viertel des Umsatzes für die Bundesliga aus. Einen Konkurrenzkampf um die Fans mit dem Internet-TV „Liga Total“ erwartet Seifert nicht, auch wenn die Telekom ein ähnliches Programm bietet – für die Internetrechte aber nur einen Bruchteil des Pay-TV-Entgelts bezahlt hat.
Bundesliga (1. Runde): Bochum (mit Christian Fuchs) – Mönchengladbach 3:3 (0:3), Hoffenheim (mit Andreas Ibertsberger) – Bayern München 1:1, Werder Bremen (Sebastian Prödl in 92. Minute mit Gelb-Rot ausgeschlossen, Martin Harnik auf der Bank) – Eintracht Frankfurt (Ümit Korkmaz auf der Bank) 2:3, Mainz (Andreas Ivanschitz bis zur Pause) – Bayer Leverkusen 2:2, Hertha – Hannover 1:0, Dortmund – Köln 1:0, Nürnberg – Schalke 1:2.
AUF EINEN BLICK
■Der finanzielle Höhenflug der deutschen Bundesligavereine ist zu Ende. Ein Drittel der Klubs schrieb zuletzt rote Zahlen. Bayern München merkt davon nichts: Schon jetzt scheint fix zu sein, dass durch den Wechsel von Franck Ribéry zu Real Madrid neues Geld in die Kasse fließt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2009)