Keine Fremdwährungskredite: "Banken sind Nutznießer"

Schweiz
(c) AP (Maya Hitij)

Die Finanzmarktaufsicht und Nationalbank waren vor rund einem Jahr der Meinung, die Banken sollen keine Fremdwährungskredite mehr vergeben. Wer profitiert vom plötzlichen Ende der Währungsspekulation? Und wer nicht?

Wien. Was passiert, wenn dem Bäcker verboten wird, Brot und Semmeln zu backen? Stimmt, er verliert seine Geschäftsgrundlage und kann zusperren. Ähnliches ist in Österreich vielen Finanzdienstleistern etwa vor einem Jahr tatsächlich passiert – halt nicht mit Brot und Semmeln.

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) und Nationalbank (OeNB) waren damals der Meinung, die Banken sollen keine Fremdwährungskredite mehr vergeben. Das Risiko von Wechselkursschwankungen sei zu riskant. „Wenn man dem Nationalbank-Chef Ewald Novotny zugehört hat, hätte man glauben können, die Fremdwährungskredite waren schuld an der Finanzkrise. Das ist doch Schwachsinn“, entrüstet sich ein Finanzberater gegenüber der „Presse“.

Keine Frage, Kredite in Fremdwährungen bergen Risken, vor allem Wechselkurs- und Zinsrisken. Sie sind nicht für jede beliebige Privatpersonen geeignet. Es gibt Fälle, bei denen Kunden ordentlich draufgezahlt haben. Der Großteil jedoch hat von den Krediten in Schweizer Franken und Japanischem Yen profitiert. Sonst wären hierzulande nicht 55 Mrd. Euro in Fremdwährungen investiert gewesen. Viele österreichische Firmen und Häuslbauer haben über ein Jahrzehnt die Zins- und Wechselkursunterschiede zwischen Euro und Franken bzw. Yen ausgenutzt.

 

Banken können mehr verlangen

„Ohne die Fremdwährungskredite hätten viele Tiroler Firmen, vor allem im Tourismus, nicht überlebt“, sagt der Tiroler Unternehmensberater Johann Fischler. „Die gesamte Wirtschaft wird unter der neuen Kreditpolitik leiden. Tausende Unternehmen werden alleine dadurch in die Insolvenz getrieben“, glaubt Fischer.

„Die Kunden sind durch das Ende der Fremdwährungsdarlehen geschädigt. Denn wie man jetzt sehen kann, besteht der Zinsvorteil des Franken nach wie vor“, moniert Rudolf Mittendorfer, Obmann der Wiener Versicherungsmakler.

Nicht nur viele Klein- und Mittelunternehmen leiden an der neuen Situation. Ohne die Vergabe von Fremdwährungskrediten können auch viele (selbstständige) Finanzdienstleister nicht mehr überleben. Laut gut informierten Kreisen haben mehr als zehn Prozent der Finanzdienstleister ihre Gewerbeberechtigung zurückgelegt. Die Zahl wird in den nächsten Monaten noch stärker steigen.

Nutznießer sind dagegen die heimischen Bankhäuser, sagen Experten. Dazu gehört Johann Massenbauer. Der selbstständige Finanzberater hat die Fremdwährungskredite für Privatpersonen Mitte der 90er-Jahre erst salonfähig gemacht. Der Wegfall dieser Darlehen sei nun, so Massenbauer, ein gutes Geschäft für die österreichischen Kreditinstitute: „Bevor Fremdwährungskredite bedeutsam waren, konnten die Banken eine Zinsspanne (damit verdienen die Banken ihr Geld bei Krediten, Anm.) von drei bis vier Prozent verlangen. Durch die Fremdwährungsdarlehen kamen sie dann unter Druck und mussten ihre Spannen deutlich senken.“

Jetzt aber können die Banken wieder mit höheren Zinsspannen und intransparenten Spesen arbeiten, sagt Massenbauer. „Und das tun sie auch tatsächlich.“

 

Tilgungsträger in der Kritik

Das Aus für die Fremdwährungskredite begründete die FMA im vergangenen Jahr auch mit dem hohen Risiko der Tilgungsträger. Das sind Ansparpläne bei endfälligen Krediten. Mit ihnen wird das Darlehen erst bei Fälligkeit getilgt und nicht durch laufende Ratenzahlungen. Diese Ansparprodukte (Wertpapiere, Lebensversicherungen, etc.) hätten, so die FMA, in der Finanzkrise stark gelitten und würden nicht ausreichen, um die Darlehen bei Fälligkeit zu tilgen.

„Mich wundert es schon, dass man dieses Problem den Fremdwährungskrediten anlastet. Tilgungsträger hat es schon bei Schilling-Finanzierungen gegeben“, sagt Johann Massenbauer. Das Problem sei vielmehr die Art der Tilgungsträger gewesen. Aus Ertragsgier hätten viele Banken und Vermittler auf aktienorientierte Fonds statt auf sichere Produkte gesetzt.