Magere Erträge seit 116 Jahren

The logo of Swiss bank Credit Suisse is seen outside their branch in Bern
The logo of Swiss bank Credit Suisse is seen outside their branch in Bern(c) REUTERS (© Ruben Sprich / Reuters)
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Laut einer Erhebung der Credit Suisse konnte man seit 1900 an keinem anderen Markt so wenig Geld mit Aktien verdienen wie in Österreich. Kurzfristig liegt das Land im Mittelfeld.

Wien. Der Leitindex der Wiener Börse hat heuer bis dato um acht Prozent nachgegeben. Es gibt jedoch europäische Börsen mit weitaus schlechterer Entwicklung: In Mailand fielen die Kursverluste heuer prozentuell doppelt so hoch aus wie in Wien.

Langfristig konnte man aber selbst in Italien höhere Erträge mit Aktien einfahren als in Österreich. Die Credit Suisse hat in einer Studie („Global Investment Returns Yearbook“) 21 Märkte verglichen, die eine lange Börsentradition aufweisen. Von 1900 bis 2015 konnte man demnach weltweit mit Aktien real (also inflationsbereinigt) fünf Prozent pro Jahr erzielen, in Europa immerhin 4,2 Prozent.

Spitzenreiter Schweden

Unter den 16 verglichenen europäischen Märkten hatte Österreich die schwächste Performance, nämlich nur 0,7 Prozent pro Jahr. Immerhin: Auch mit heimischen Aktien konnte man die Inflation schlagen, mit österreichischen Anleihen fuhr man – auch infolge von Geldentwertungen und Währungsreformen – ein durchschnittliches reales Minus von 3,8 Prozent pro Jahr ein.

Börsenspitzenreiter der vergangenen 116 Jahre ist Schweden (real plus 5,9 Prozent pro Jahr), gefolgt von Dänemark (5,5 Prozent) und Finnland sowie Großbritannien (je 5,4 Prozent). Am wenigsten verdienen konnte man nach Österreich in Italien (zwei Prozent) und Belgien (2,8 Prozent pro Jahr). Deutsche Aktien kommen auf ein reales Plus von 3,3 Prozent pro Jahr.

Generell hat Europa an Bedeutung verloren. Um die Wende zum 20. Jahrhundert war der heimische Aktienmarkt mit einer Marktkapitalisierung von 5,2Prozent der sechstgrößte weltweit, geschlagen nur von Großbritannien, den USA, Deutschland, Frankreich und Russland.

Österreichs Anteil am Marktkapitalisierungskuchen von 2015 hat die Credit Suisse nicht einmal mehr eigens ausgewiesen, der Markt rangiert nur noch unter „Smaller“ (kleinere Märkte). Mehr als die Hälfte der weltweiten Marktkapitalisierung findet sich in den USA, gefolgt von Japan und Großbritannien. Über jeweils gut drei Prozent verfügen noch die Aktienmärkte in der Schweiz, in Frankreich und in Deutschland.

Auf kurze Sicht liegt die Wiener Börse im schlechten Mittelfeld. Die Allianz Invest hat einen Börsen-Europameister gekürt: Es handelt sich um Irland. In den vergangenen vier Jahren (vom 1. Juni 2012 bis zum 31. Mai 2016) hat die dortige Börse eine jährliche Performance von 23,7 Prozent gebracht. Österreich belegt mit einem Plus von 7,24 Prozent Platz 14 von 20. Der einzige Markt, der in dieser Phase ein Minus einfuhr, war Russland (minus 3,28 Prozent pro Jahr).

Nicht nur daheim anlegen

Die Allianz rät Anlegern daher zum Streuen. „Wer in den vergangenen vier Jahren in einem breit diversifizierten europäischen Aktienkorb investiert war, hat damit durchschnittlich 13,48 Prozent jährliche Rendite erzielt“, stellt Martin Bruckner, Chief Investment Officer der Allianz-Gruppe in Österreich, fest. Also mehr als auf dem Heimatmarkt. Österreichische Anleger tun demnach gut daran, nicht nur auf den Heimatmarkt fixiert zu sein. „Mitfiebern, Daumendrücken und der Fokus auf eine Nationalmannschaft gehören auf den Fußballplatz – bei Aktieninvestments sollte man auf ein Allstar-Team setzen, das möglichst breit diversifiziert zusammengestellt wird.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.06.2016)

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