25 Jahre Lomo
Eine österreichische Entdeckung
1984 ging die Sowjet-Kamera Lomo LC-A in Massenproduktion und löste einen wahren Hype der Schnappschuss-Fotografie aus. Selbst im digitalen Zeitalter knipsen Millionen Lomo-Fans analog.
Als die Lomo LC-A vor 25 Jahren in die Massenproduktion startete, ahnte noch niemand, welchen Hype die kleine, russische Plastik-Kamera auslösen würde. Eigentlich sollte die Kamera der Firma Lomo PLC bloß den Knipsbedarf der Sowjetunion decken.
(c) Lomographische Gesellschaft
Angefangen hat alles mit dieser kleinen japanischen Kompaktkamera. Die Cosina CX1 wurde 1982 in den Labors des Sankt Petersburger Unternehmens Leningradskoye Optiko Mechanichesckoye Obyedinenie (LOMO) analysiert - ein Nachbau sollte die Massenknipse der Sowjetunion werden. Zwei Jahre später ging die Lomo LC-A in Produktion und eroberte sofort das Herz der Hobbyfotografen. 1984 wurden immerhin 1100 Stück pro Monat produziert - alle für den russischen Markt. Bald aber folgte der Export des Verkaufsschlagers in andere kommunistische Länder, wie die damalige Tschechoslowakei.
(c) Lomographische Gesellschaft
1991 wurde die Lomo schließlich von den Wiener Studenten Wolfgang Stranzinger (Jus), Matthias Fiegl (BWL) und Christoph Hofinger (Germanistik) auf einer Pragreise entdeckt - sie waren begeistert von der billigen Automatik-Kamera, nahmen sie mit nach Wien und machten sie im Handumdrehen zum Weltstar. Schon ein Jahr nach ihrer Entdeckung gründeten die Studenten die Lomographische Gesellschaft in Wien und begannen waghalsige Schmuggeltrips über die russische Grenze, um den wachsenden Bedarf zu decken.
(c) Lomographische Gesellschaft
1992 brachten die Wiener das Wesen der flotten "Lomographie" in "10 goldenen Regeln" auf den Punkt. Nimm die Kamera mit, wo immer du gehst. Benutze sie Tag und Nacht. Lomographie ist ein Teil deines Lebens. Bring die gewünschten Objekte so nahe wie möglich an die Linse. Denke nicht. Sei schnell. Es ist vorher nicht wichtig zu wissen, was du auf den Film gebannt hast. Erst recht nicht nachher. „Schieß“ aus der Hüfte. Denke nicht über Regeln nach.Im Bild: Eine Aufnahme mit der LC-A+
(c) Lomographische Gesellschaft
25 Jahre nachdem die ersten Lomos das Förderband in Sankt Petersburg verließen, fotografieren Millionen Menschen weltweit mit Lomo-Apparaten. Die kleine Plastik-Kompakte hat sich zum gallischen Dorf der Analog-Fotografie im digitalen Zeitalter gemausert, während andere Ikonen der Schnappschuß-Gemeinde wie die Sofortbild-Polaroids längst vom Massenmarkt verschwunden sind. Weiter: Fisheye und Supersampler - die Lomo-Modelle im ÜberblickIm Bild: Aufnahme von der Party anlässlich des 25-Jahres-Jubiläums
(c) Lomographische Gesellschaft
Nach einigen Querelen - die Produktion der LC-A in Russland wurde gestoppt und konnte erst nach Intervention der Wiener Studenten bei Putin fortgesetzt werden - erschien 2006 das Nachfolgemodell LC-A+. Heute wird der Klassiker vor allem Lomo-Anfängern empfohlen. Für eingefleischte Fans gibt es längst eine Reihe an Zubehör und Speziallinsen. Die Palette an Lomos hat sich in den vergangenen Jahren außerdem auf eine stolze Anzahl von schrägen Spezialkameras erweitert.
(c) Lomographische Gesellschaft
Die "Diana" geht auf eine chinesische Kamera der 60er Jahre zurück. Sie schießt quadratische Bilder auf einem 120 Millimeter-Film und gilt als Vorgänger des Kassenschlagers "Holga".
(c) Lomographische Gesellschaft
Die "Holga" ist eine der am meisten verkauften Lomos. Sie wurde 1982 in Hong Kong entwickelt und sollte die "Volkskamera" Chinas werden. Die nahezu quadratischen Bilder mit ihren unberechenbaren Unschärfen und Farbfehlern sind häufig Gegenstand von Kunstwettbewerben.
(c) Lomographische Gesellschaft
Der Actionsampler bannt vier in Serie aufgenommene Bilder auf einen Schnappschuß und zeichnet so Bewegungen auf. Ausgelöst wird lediglich ein Mal - danach macht jede der vier Linsen im Abstand von einer Sekunde eine Aufnahme. Zum Einsatz kommt ein normaler 35 Millimeter Film.
(c) Lomographische Gesellschaft
Der Supersampler folgt dem selben Prinzip wie der Actionsampler, ordnet die Aufnahmen aber nebeneinander an.
(c) Lomographische Gesellschaft
Natürlich lässt sich das Ganze auch steigern. Der "Oktomat" bannt acht Aufnahmen auf ein Foto. Die "Pop 9" schafft sogar neun, aber dafür identische Bilder in einem.
(c) Lomographische Gesellschaft
In der "Horizon" steckt ein 120-Grad-Weitwinkelobjektiv für spontane Panoramaaufnahmen mit einem 35-Millimeter-Film.
(c) Lomographische Gesellschaft
Einer der jüngeren Stars der Lomo-Familie ist die "Fisheye", die ausschließlich hemisphärische Weitwinkelaufnahmen macht. Vor allem Porträts erscheinen so witzig verzerrt. Seit einiger Zeit gibt es sogar ein passendes Unterwassergehäuse.
(c) Lomographische Gesellschaft
Die "Colorsplash"-Lomo schafft mit verschiedenen Farbfiltern, die vor den Blitz gelegt werden bunte Aufnahmen.
(c) Lomographische Gesellschaft