PROGNOSEN. Fondsmanager Mark Mobius erwartet eine Korrektur an den Aktienmärkten von 30 Prozent.
Wien (Bloomberg/höll). Die Deutsche Bank hat in der Vorwoche gewarnt, dass die europäischen Leitindizes bis Jahresende um bis zu 20Prozent zurückgehen werden. Der bekannte Fondsmanager Mark Mobius geht davon aus, das es noch schlimmer wird. In einem am Montag veröffentlichten Kommentar prognostiziert der Direktor der US-Fondsgesellschaft Templeton Asset Management eine Talfahrt der wichtigsten Börsen weltweit von 30Prozent. „Wenn es an den Börsen einen derart schnellen Aufschwung gibt, dann werden wir an einem gewissen Punkt definitiv eine Korrektur haben“, so Mobius. Seit Mitte März sei der MSCI World Index um 54Prozent gestiegen. Die Korrektur könne laut Mobius jederzeit eintreten, vermutlich noch in diesem Jahr. Sie werde in mehreren Wellen erfolgen, dazwischen könne es immer wieder kleinere Aufschwungsphasen geben.
Laut einer von der Nachrichtenagentur Bloomberg durchgeführten Umfrage erwarten Optionshändler zunehmende Kursschwankungen, die ein Ende der jüngsten Rallye einläuten. An der Wall Street gehen die Broker davon aus, dass der sogenannte „Volatilitätsindex“ (VIX) in den nächsten fünf Wochen um 13Prozent steigt. „Das ist ein Warnsignal“, sagt Ronald Egalka, Optionsexperte von Rampart Investment Management. Denn immer mehr Börsenteilnehmer versuchen, sich mit Optionen gegen sinkende Kurse abzusichern.
Einen so starken Anstieg wie derzeit gab es bei den Terminkontrakten zuletzt im August 2008. Anschließend erlitt das US-Börsenbarometer Standard & Poor's 500, das die 500 wichtigsten US-Aktiengesellschaften umfasst, den stärksten Zweimonatsrutsch seit 21 Jahren.
„Die VIX-Futures zeigen, dass die Anleger gewillt sind, einen Aufschlag für Absicherungsmaßnahmen zu zahlen“, so David Palmer, Direktor beim Hedgefondsanbieter Hudson Bay Capital Management.
Privatanleger bleiben optimistisch
In China, wo die Börsen seit Jahresbeginn um 80Prozent gestiegen sind, werden die Machthaber langsam nervös. Die chinesische Regierung kündigte an, im Interesse der Stabilität des Aktienmarktes die Rallye der vergangenen Monate zu untersuchen. Der stellvertretende Finanzminister Ding Xuedong meinte, Chinas Politik stehe vor der Aufgabe, die Finanzmärkte abzukühlen. Wie dieses Ziel erreicht werden soll, sei noch unklar. Im Vorjahr hatte die Regierung ein vorübergehendes Verbot von Neuemissionen ausgesprochen.
In Deutschland sind Privatanleger jedoch von einem weiteren Börsenaufschwung überzeugt. Erstmals seit August 2008 gibt es wieder weniger Börsenskeptiker als -optimisten, so eine Erhebung von J.P. Morgan. Jeder dritte Privatinvestor blickt optimistisch in die Zukunft. Der Anteil derjenigen, die im nächsten halben Jahr Geld in Aktien anlegen wollen, erhöhte sich um 9,3Prozentpunkte und erreicht mit 38,8Prozent den höchsten Wert seit zwei Jahren.
AUF EINEN BLICK
■Die Deutsche Bank erwartet, dass die europäischen Börsen bis Jahresende um 20 Prozent zurückgehen werden. Fondsmanager Mark Mobius prognostiziert sogar eine Talfahrt um bis zu 30 Prozent. An der Wall Street sichern sich immer mehr Händler gegen fallende Kurse ab. Optimistisch sind dagegen deutsche Privatanleger.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2009)