Tiger Woords: Er siegt und siegt und siegt

(c) AP (Phil Long)
  • Drucken

Wie die Häschen in der Werbung ist auch Tiger Woods nicht zu stoppen: Am Wochenende gewann er zum 70. Mal auf der PGA-Tour. Damit nicht genug: Der erfolgverwöhnte Golfer will noch viel mehr.

Tiger Woods machte es wieder einmal spannend. Zu Beginn des Turniers nur durchschnittlich unterwegs, schnappte er sich am Finaltag doch noch den Sieg. Beim WGC Invitational in Akron im Bundesstaat Ohio profitierte er von den schweren Fehlern des Iren Padraig Harrington – und gewann das Turnier zum siebenten Mal.

Zur Erinnerung: Vor knapp einem Monat war Woods bei den British Open am Cut gescheitert, vergangene Woche war er beim Buick Open nach dem ersten Tag noch auf Rang95 gelegen, am Ende aber siegte er. Damals war es sein 69.Sieg auf der PGA-Tour. Nach dem Jubiläumserfolg am vergangenen Wochenende liegen in dieser Wertung nur noch zwei Golfer vor ihm: Jack Nicklaus mit 73PGA-Turniersiegen und Sam Snead mit 82.

Den 33-Jährigen selbst schien der 70.Erfolg auf der nordamerikanischen Profitour nicht sonderlich zu beeindrucken. Er sprach da lieber schon von seinen nächsten Zielen. Schon im kommenden Jahr möchte er den Rekord von Jack Nicklaus brechen, der in seiner Karriere 18 Major-Turniere gewonnen hat, Woods hält derzeit bei 14 Titeln.

Drei Varianten der Motivation

Wie die Häschen in der Werbung ist auch Woods nicht zu stoppen. Womit aber laden Spitzensportler wie Woods ihre Batterien, und was treibt sie an, sich immer neue Ziele zu stecken? Was bewegt Michael Schumacher, dem 92.Grand-Prix-Siegen nachzujagen, oder Hermann Maier, einen weiteren Winter die Rennskier anzuschnallen?

Drei Varianten der Motivation unterscheidet Sabine Würth, Leiterin der Abteilung Sportpsychologie an der Universität Wien: Aufgaben-, Wettbewerbs- und Anerkennungsorientierung.

Die Aufgabenorientierten, analysiert Würth, seien jene Sportler, „die für sich einen individuellen, internen Standard setzen und sich an diesem messen“. Da sie bereit ist, ihre eigene Messlatte immer höher zu legen, ist diese Gruppe in der Lage, sich immer noch ein Stück zu verbessern. Das Resultat: Diese Sportler sind tendenziell erfolgreicher und bleiben in der Regel auch länger im aktiven Sport, weil Spaß und Faszination erhalten bleiben. „Ihnen gelingt es, sich aus sich selbst heraus zu motivieren“, sagt Würth; der Einfluss äußerer Faktoren sei weniger entscheidend. Genau deshalb würde es ihnen auch leichter fallen, den „richtigen“ Zeitpunkt für das Karriereende zu erkennen, ist Würth überzeugt. Der Pensionsschock sei für sie am ehesten zu vermeiden.

Die Gruppe der Wettbewerbsorientierten beschreibt die Psychologin so: „Sie wollen jedenfalls besser als die anderen sein.“ Das Motto sei: Hauptsache gewinnen, ganz gleichgültig, wie gut oder schlecht die eigene Leistung dabei ist. Ein für Aufgabenorientierte allerdings unerträglicher Zugang – ist für sie doch immer auch der Weg das Ziel.

Liebe, Anerkennung, Geld

Die dritte Gruppe, die Anerkennungsorientierten, haben vor allem ein Ziel: Sie wollen gefallen. Das, sagt Sabine Würth, spiele besonders im Breitensport eine große Rolle, etwa, weil man vom Partner bewundert wird, wenn man einen Marathon zu Ende läuft. Doch auch im Spitzensport spielt Anerkennung ein große Rolle. Anerkennung heißt in diesem Kontext zumeist – Geld.

Stundenlang könnte man darüber diskutieren, welcher Spitzensportler nun welcher Gruppe am ehesten zuzuordnen sei. Leistungssteigerung funktioniere aber im Wesentlichen immer nach dem gleichen Prinzip: die Zielformulierungen auf die persönliche Situation herunterzubrechen und sie zu überprüfen, sagt Würth. Denn nur wenn die nächste Stufe erreichbar und nicht übersteigert angesetzt ist, könnten sich Erfolg und der Antrieb zum Weitermachen einstellen.

Und das gilt übrigens nicht nur für Seriensieger wie Tiger Woods und Co....

SERIENWEISE SIEGE

Golf
Annika Sörenstam (SWE): 90 Turniersiege bzw.Sam Snead (USA): 82 PGA-Turniersiege (insgesamt 150 Erfolge)
Tiger Woods (USA): 70 PGA-Turniersiege (insgesamt 94 Erfolge)

Formel 1
Michael Schumacher (GER): 91-Grand-Prix-Siege, sieben WM-Titel, 19 Podiumsplatzierungen in Serie (2001–2002)

Motorrad
Giacomo Agostini (ITA): 122 Grand-Prix-Siege (Zweiter: Valentino Rossi/ITA, 101)

Rallye
Sébastien Loeb (FRA): 52 WM-Lauf-Siege

Ski alpin
Annemarie Moser-Pröll (Ö): 62 bzw. Ingemar Stenmark (SWE): 86 Weltcup-Siege (Zweiter: Hermann Maier/Ö, 54)

Skispringen
Matti Nykänen (FIN): 46 Weltcup-Siege
Gregor Schlierenzauer (Ö): 13 Weltcup-Siege in einer Saison (2008/09)

Grasski
Ingrid Hirschhofer (Ö): 22 WM-Goldmedaillen, siebenmal Gesamt-Weltcupsiegerin in Serie

Biathlon
Ole Einar Bjørndalen (NOR): 88 Weltcup-Siege, fünf Olympia- und 14 WM-Goldmedaillen

Tennis
Martina Navrátilová (TCH/USA): 167 bzw. Jimmy Connors (USA): 108 Turniersiege
Roger Federer (SUI): 15 Grand-Slam-Siege, Rekordsieger auf Rasen (65x) und Hartplatz (56x), Rekord von 24 Turniersiegen in Serie (2003–2005)

Stabhochsprung
Jelena Issinbajewa (RUS): Weltrekordhalterin, Olympiasiegerin, zuletzt 18 Meeting-Siege in Serie

Schwimmen
Michael Phelps (USA): 14 Olympia- und 23 WM-Goldmedaillen, bis zur WM 2009 über 200 Meter Kraul fünf Jahre lang ungeschlagen

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2009)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.