Schnellauswahl

Die heiße Phase des Wahlkampfs beginnt

Bundeskanzlerin Merkel kehrt aus dem Urlaub zurück, mit großem Vorsprung vor Steinmeier.

Berlin (e.m.). Während die SPD derzeit ebenso verzweifelt wie erfolglos eine Trendwende versucht, beobachtet die Union „Sisyphos Steinmeier“, wie ihn das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ bereits nennt, zurückgelehnt vom Liegestuhl aus. Erst wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Lauf der Woche aus dem Urlaub zurückkehrt, beginnt die wirklich heiße Phase des Wahlkampfs. Zwei Wochen lang hat sie ihrem SPD-Konkurrenten um das Kanzleramt, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, die politische Bühne überlassen, doch all seine Anläufe sind bisher wirkungslos verpufft, wenn man die Umfragen betrachtet, in denen die SPD bei 23 Prozent liegt.

Steinmeiers soeben präsentierten Deutschland-Plan mit dem Fernziel Vollbeschäftigung setzt die Union kein eigenes Wirtschaftspapier entgegen. Wie auf leisen Sohlen nähert sich die Union dem Wahltermin, Merkel und ihre CDU strotzen nach außen nur so vor Gelassenheit. Gegen Steinmeier und sein Wahlkampfteam oder seinen Deutschland-Plan zog die Union kaum mit scharfen Attacken zu Felde, sondern vor allem mit Spott. In den Umfragen hält Merkel den Herausforderer auf Distanz. Bei der Frage, wen die Deutschen lieber im Kanzleramt sähen, rangiert die Amtsinhaberin in der Wählergunst 37 Punkte vor Steinmeier. So groß war der Abstand zwischen den beiden bisher noch nie.


Unangenehme Fragen

Am 27. September wird allerdings nicht direkt über Kanzlerin und Herausforderer entschieden, sondern über Parteien und Kandidaten. Und die nahezu unangefochtene Popularität Merkels schlägt sich nicht in gleichem Umfang in Zustimmung für die Union nieder. Mit 35 bis 36Prozent verharren CDU und CSU auf dem schwachen Niveau von 2005.

Im Wahlkampf soll dennoch die Kanzlerin als Person herausgestellt werden. Über die Fragen, wer die Milliardenkosten der Krise bezahlt, und welche Belastungen drohen, will auch die Union vor der Wahl nicht reden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2009)

Mehr erfahren

Zum Thema

Ampelkoalition? „Das passt nicht zusammen“