Das warme Frühjahr ließ Wespenkolonien gedeihen, und es kommen noch mehr nach. 80.000 Österreicher zeigen nach Insektenstichen allergische Reaktionen. Schon drei Todesopfer durch Stiche.
WIEN.Drei Todesopfer durch Wespenstiche gab es diesen Sommer schon in Österreich, dazu unzählige Rettungseinsätze und Ausfahrten der Feuerwehr, um Wespennester zu entfernen. Und die Gefahr ist noch nicht gebannt.
Bis etwa Ende September sind die Insekten aktiv – und obwohl es heuer schon recht viele gibt, dürften es noch mehr werden. „Bis Ende August werden noch Arbeiterinnen produziert“, sagt Klaus Zimmermann, Ökologe im „inatura“-Naturkundemuseum Dornbirn. Dass heuer so viele Wespen unterwegs sind, liegt unter anderem am verhältnismäßig milden Winter – und am warmen Frühling. Besonders im Mai, wenn der Grundstock für das Wachstum der Wespen gelegt wird, waren die Bedingungen für die Insekten gut. „Wespenarten mit großen Staaten konnten sich da gut entwickeln“, so Zimmermann.
Immunisierung für Allergiker
Besonders aggressiv seien sie diesen Sommer, ist vielerorts zu hören. Das kann der Ökologe aber nicht bestätigen: „Weil es viele sind, fällt es einfach mehr auf.“ Und gerät man in die Nähe eines großen Wespennests, hat man eben auch schnell viele Wespen vor sich, die ihr Revier verteidigen. Dass die Tiere bei schwül-heißem Wetter aktiver sind, sei zwar richtig, so Zimmermann, aber das sei jedes Jahr gleich.
Wirklich gefährlich können die Tiere vor allem für Allergiker werden. 80.000 Österreicher zeigen nach Insektenstichen allergische Reaktionen, schätzt man bei der Österreichischen Gesellschaft für Allergie und Immunologie. Der Stich einer Wespe kann bei diesen Menschen zu Schwindel, Atemnot, Schwellungen am ganzen Körper und im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen.
Damit es gar nicht erst so weit kommt, gibt es die Möglichkeit, sich gegen Wespen- bzw. Insektengift immunisieren zu lassen. Ähnlich wie bei Pollenallergikern wird dem Patienten dabei über mehrere Monate hinweg Wespengift – in einer immer höheren Dosis – injiziert. „Diese Methode hat einen Wirkungsgrad von 95Prozent“, sagt Thomas Hawranek, Leiter der Allergieambulanz an der Salzburger Universitätsklinik für Dermatologie.
Eine solche Impfung kann von Allergieärzten verschrieben werden, wenn jemand bereits bei einem Stich Symptome gezeigt hat, die über einen Nesselausschlag hinausgegangen sind. Eine generelle Immunisierung der gesamten Bevölkerung sei sinnlos, so Hawranek.
Weiteren Schutz bietet ein Notfallset, das Allergiker auf Rezept in der Apotheke kaufen können. Verspürt man nach einem Stich Symptome, kann man sich damit einfach Adrenalin in den Oberschenkel spritzen, zusätzlich sind in dem Set auch Tabletten – Antihistamin und Kortison – enthalten. Ansonsten rät der Experte, das Stichopfer in Schocklagerung zu bringen, die Beine hochzulagern, um so dem Entgleisen des Kreislaufs gegenzusteuern.
Nicht herumfuchteln
Im besten Fall kommt es allerdings erst gar nicht so weit. Denn dass Wespen nicht grundsätzlich aggressiv sind, ist von Experten immer wieder zu hören.
Vielmehr greifen die Tiere Menschen erst dann an, wenn sie eine Gefahr für sich oder ihr Nest orten. Herumfuchteln ist also der falsche Weg. Ruhe bewahren und abwarten, bis die Wespe wieder weg ist, wäre das sinnvollste Verhalten – auch wenn es schwerfällt.
Auf einen Blick
■Allergie: Verspürt man nach einem Wespenstich Atemnot und Übelkeit und entdeckt einen Ausschlag, sollte man sich auf eine Allergie testen lassen.
■Impfung: Allergiker können sich gegen Insektenstiche immunisieren lassen – eine Methode, die eine Erfolgsquote von 95 Prozent hat.
■Notfallset: Zusätzlich sollten potenziell Gefährdete ein Notfallset mit Adrenalinspritze und Kortison- bzw. Anti-Histamintabletten griffbereit in der Nähe haben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2009)