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Formel 1: Baku - die Osterweiterung der Königsklasse

(c) APA/EPA/SRDJAN SUKI
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Mit dem Grand Prix von Europa feiert Aserbaidschan seine Premiere im PS-Zirkus von Bernie Ecclestone. Es ist eine Fahrt ins Ungewisse durch enge Gassen, breite Promenaden - es warten sogar Kopfsteinpflasterpassagen.

Baku. Zwei Jahre nach Sotschi, Russland, betritt die Formel 1 erneut Neuland. Auch 2016 steht mit dem Kaukasus-Rennen in Baku, Aserbaidschan, eine neue Grand-Prix-Destination im Kalender von Bernie Ecclestone. Er folgt freilich ausnahmslos dem Lockruf des Geldes, die jährliche Mitgliedsgebühr von ca. 25 Millionen Dollar sind für das als Boomtown zwischen Kaukasus und Kaspischem Meer sowie als Brücke zwischen Europa und Asien geltende Baku kein Problem.

Das autoritär regierte Land zählt wegen großer Öl- und Gasvorkommen und seiner Lage zu den strategisch wichtigsten Ex-Sowjetrepubliken. Es ist von einem moderaten Islam geprägt und hat 9,6 Millionen Einwohner – und dementsprechend auch ausreichend Konsumenten für die in dieser Rennserie startenden Automobilhersteller.

Während geplante Rennen wie wie in New Jersey, USA, wieder abgeblasen wurden, geht der Trend im globalen Motorsportzirkus damit weiterhin klar in Richtung Osten. Österreich ist 2014 und Mexiko 2015 in die Königsklasse zurückgekehrt. Das bisher letzte Jahr seit der Jahrtausendwende ohne neuen Grand-Prix-Austragungsort war 2013.

 

Bis zu 340 km/h sind möglich

Ein langer Verbleib ist aber niemandem gewiss, von vielen Premierenschauplätzen dieses Jahrtausends scheinen bereits fünf – Indianapolis, USA; Istanbul, Türkei; Yeongam, Südkorea; Greater Noida, Indien; Valencia, Spanien – nicht mehr im Kalender auf. Angebot, Nachfrage – es geht nur um Geld.

Nur wenige Tage nach dem Rennen in Kanada betritt die Formel 1 rund 9000 Kilometer weiter östlich und 28 Meter unter dem Meeresspiegel nun also wieder Neuland. Aserbaidschan ist das 32. Land im Rennkalender der Motorsport-Königsklasse. Es soll ein urbanes Spektakel werden, das schnellste Straßenrennen der Welt mit Spitzengeschwindigkeiten von 340 km/h.

Der sechs Kilometer lange Baku City Circuit hat es in sich. Hantelförmig dreht sich der winkelige Kurs gegen den Uhrzeigersinn rund um die orientalisch-schöne Altstadt. Lewis Hamilton, Sieger in Montreal und als WM-Zweiter nur noch neun Punkte hinter WM-Leader Niko Rosberg, will sich von der Kulisse nicht ablenken lassen und am Sonntag (Start 15 Uhr, ORF2) weiter auf der Welle des Erfolgs schwimmen.

Die von F1-Architekt Hermann Tilke konzipierte, zum Teil sehr enge und steile Strecke durch die Gassen, Straßen und Promenaden von Baku mit 20 Kurven (zwölf davon links) inkludiert auch Kopfsteinpflasterpassagen. Deshalb musste eine Innovation her, nämlich „mobiler“ Asphalt. Mit Kies sowie kunststoffgitterbewehrtem, zweischichtigem Asphalt wurden 700 Meter Pflaster überbaut. Für die Formel 1 wird das Rennen somit zu einer Fahrt ins Unbekannte. Zwar hat kürzlich Lokalmatador Gulhuseyn Abdullayev in einem GP3-Auto die fertige Strecke getestet, aber nur in moderatem Tempo. (fin)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2016)